Schule in Wolfsburg – zwischen Corona und Digitalisierung

Was hat sich an den Wolfs­burger Schulen im vergan­genen Jahr verändert? Welchen Einfluss hatte Corona auf Unter­richt, Schüler­schaft und Lehrer­kol­le­gium? Und was lernen wir – etwa im Bereich Digita­li­sie­rung – auch für die Zukunft. Darüber spricht Dennis Weilmann bei “Sach mal, Dennis…” mit Vitali Pritzkau, Lehrer an der Eichen­dorff-Schule und Entwickler des Portals Mathehilfe24.

Transkript

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“Sach mal, Dennis…” – der Wolfsburg Podcast mit Dennis Weilmann und Lars Vollmering.

Lars Vollme­ring
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge “Sach mal, Dennis…”, dem Podcast über die wichtigen Themen in unserer Stadt. Ja und auch heute natürlich an meiner Seite begrüße ich ganz recht herzlich OB-Kandidat und Namens­geber des Podcasts Dennis Weilmann.

Dennis Weilmann
Hallo Lars, ich grüße dich.

Lars Vollme­ring
Dennis, wir hatten das letzte Mal den Michael Wilkens von der IHK zu Gast. Da ging es natürlich um das Thema Wirtschaft, Wirtschafts­ent­wick­lung, Innen­stadt­ent­wick­lung und so weiter und so fort. Was hast du entspre­chend für Resonanz auf diese Folge bekommen? Da machen wir immer so ein kleinen Rückblick am Anfang.

Dennis Weilmann
Das ist tatsäch­lich das Thema, was ganz viele Menschen im Moment bewegt, weil wir natürlich nach der Corona Pandemie ganz viele Auswir­kungen, negative Auswir­kungen, auch im wirtschaft­li­chen Bereich hatten. Auch das Thema Innen­stadt­ent­wick­lung, was eine ganz wichtige Aufgabe für die nächsten Jahre sein wird, bewegt die Menschen. Vor dem Hinter­grund habe ich viel positives Feedback bekommen zu dem, was Michael Wilkens von sich gegeben hat. Genauso zu dem, was ich so von mir gegeben habe. Ich glaube es war eine ganz runde Sendung und ist gut angekommen.

Lars Vollme­ring
Das freut mich natürlich auch. Ein ganz anderes Thema haben wir uns heute ausge­sucht: “Schule in Wolfsburg – Zwischen Corona und Digita­li­sie­rung” und haben uns einen Gast einge­laden. Und zwar ist das Vitali Pritzkau. Er ist Lehrer an der Eichen­dorff­schule und Entwickler des Portals Mathe­hilfe 24. Hallo Vitali!

Vitali Pritzkau
Ja, hi Lars!

Lars Vollme­ring
Ja, schön, dass du mit dabei bist. Wir wollen heute so ein bisschen plaudern über die Situation an den Wolfs­burger Schulen, was da auch – ich sage mal – sich getan hat im vergan­genen Schuljahr, was ja wirklich für alle Betei­ligten nicht einfach gewesen ist und wo auch quasi die Zukunfts­per­spek­tiven in diesem Bereich liegen. Und vielleicht kannst du einmal so zum Einstieg sagen: Wie ist denn ich sage mal so die Stimmung oder auch die Situation an den Schulen generell nach so einem Schuljahr, wie wir es jetzt quasi ja fast hinter uns haben?

Vitali Pritzkau
Ja. Um es ganz kurz zu sagen: Natürlich ist die Stimmung aktuell ganz gut – in zwei Wochen sind Sommerferien.

Lars Vollme­ring
Gut, das ist von Schüler­seite immer das Wichtigste.

Vitali Pritzkau
Von daher achten wir gerade nur darauf, diese Tage noch zu überstehen. Aber es war natürlich ein sehr spannendes, sehr aufre­gendes, sehr überra­schendes Jahr. Wir sind optimis­tisch ins neue Schuljahr gestartet und waren eigent­lich sehr positiv unterwegs. Und dann wurden wir doch überrascht vom Herbst, vom Winter und vom Frühling. Erneuter Lockdown hätte keiner für möglich gehalten, dass wir da wieder zurück rutschen, sodass wir jetzt super froh sind, dass die Inzidenz Werte im Sturzflug auf Null gefallen sind. Der aktuelle Wert liegt unter 5, von daher ist das richtig gut.

Dennis Weilmann
Ich glaube das kann ich aus Eltern­sicht nur bestä­tigen. Das ist natürlich ein beson­deres Jahr gewesen aus einer schuli­schen Sicht: Für die Kinder an erster Stelle, für euch als Lehre­rinnen und Lehrer sowieso, aber natürlich auch für uns Eltern. Die Kinder waren zum großen Teil zuhause. Es war viel organi­sa­to­ri­scher Aufwand und natürlich als Eltern waren wir viel mehr gefordert, auch selbst quasi den schuli­schen Alltag zu begleiten. Das war durchaus spannend. Das hatte auch mal den tieferen Einblick zur Folge in viele Dinge, war aber auch eine Heraus­for­de­rung für alle. Und ich glaube, ich kann das nur bestä­tigen: Wir sind alle ganz froh, dass der normale Schul­alltag jetzt wieder läuft.

Vitali Pritzkau
Absolut. Die Eltern sind super froh, dass das irgendwie läuft. Haupt­sache es läuft. Die Kinder sind weg und die Lehrer regeln jetzt das Problem. Von daher aktuell super Stimmung, vor allem im Hinblick auf die Sommer­fe­rien, die jetzt anstehen.

Lars Vollme­ring
Da hake ich gleich mal ein Vitali, weil es ist ganz inter­es­sant! Norma­ler­weise weil ja so viel auch ausge­fallen ist oder sehr viel in der Distanz passiert ist, ergab sich die Situation, dass jetzt einige gesagt haben “Ach schade, dass es schon wieder vorbei ist. Jetzt, wo wir uns gerade wieder so gesetz­mäßig anein­ander gewöhnt haben”, oder ist das eher so “Augen zu, durch und weg”?

Vitali Pritzkau
Naja, das ist die Frage aus welcher Sicht: Aus Schüler­sicht, als Eltern, als Lehrer.

Lars Vollme­ring
Können das alle Schüler auch sagen: “Es ist schade, dass wir so lange raus waren”?

Vitali Pritzkau
Ne, ne, ne, ne, ne. Also ich habe heute auch mal ein paar Schüler gefragt, wie die das ganze Jahr empfunden haben. Einer sagte: “Ja, für mich war das überhaupt kein echtes Schuljahr – war gefühlt wie Ferien. Weiß nicht, empfindet aber lange nicht jeder so! Also es ist sehr diffe­ren­ziert und unter­schied­lich. Von daher jetzt freuen sich wirklich alle, dass es bald zu Ende ist.

Lars Vollme­ring
Du hast ja auch persön­lich Erfah­rungen mit Corona, ja, machen dürfen darf man nicht sagen, aber machen müssen, leider, in dem Zusam­men­hang. Wie war das für dich persön­lich, diese ganze Situation? Das hat ja, denke ich, nochmal einen ganz anderen Blick­winkel drauf gegeben.

Vitali Pritzkau
Ja, wir wurden überrascht Anfang des Jahres im Januar. Und wir waren als komplette Truppe betroffen, als ganze Familie. Da sind Emotionen hochge­kommen. Also wenn du einfach so zum Arzt gehst und erstmal dich nur krank melden musst und der Arzt sagt. “Ja, wir können ja mal einen Corona-Test machen”, dann sage ich “Okay, gut, können wir machen”. Ich weiß aber auch, es gab keine Symptome in die Richtung. Und dann springt der Corona-Test auf positiv und dem Arzt wird anders. Ich frage: “Wie viele positive Corona-Tests hatten Sie denn?” – “Der erste”. Das heißt, der Arzt geht erst einmal raus, kommt mit Brille zurück rein und ich merke okay, die Stimmung bei ihm ist auch angespannt und ich melde das dann meiner Frau. Und das ruft dann ganz viele Reaktionen im Kinder­garten, in der Kita aus. Der Sohn war einen Tag vorher im Kinder­garten und dann gleich so eine emotio­nale Stimmung unter den Eltern: “Wie kann man denn so sein, dass man ein Kind in den Kinder­garten schickt und dann aber auch am nächsten Tag einen Test macht?” Und war erst mal völlig überfor­dernd emotional. Und dann war drei Wochen erst mal komplett dicht. Aber wie gesagt Gott sei Dank milde verlaufen. Von daher sind wir glücklich, dass wir das überstanden haben, haben aber dafür natürlich Gefühl und Verständnis.

Lars Vollme­ring
Dennis hat es angespro­chen: Ganz, ganz viele Heraus­for­de­rungen für die unter­schied­lichsten Bereiche, für die unter­schied­lichsten Protago­nisten, die da beteiligt sind am Thema Schule, Schüler, Eltern, Lehrer­schaft etc. Da müssen ja ganz viele Abspra­chen getroffen werden behörd­li­cher Art, innerhalb der Schule. Vielleicht kannst du ja mal einen Einblick geben, wie das so funktio­niert hat während dieser Zeit.

Vitali Pritzkau
Na ja, also ich bin natürlich nicht irgendwie im Schul­lei­tungs­team unterwegs, von daher war ich da gar nicht groß involviert.

Lars Vollme­ring
Ja, aber du bist ja Betrof­fener was dann am Ende kommt sozusagen. Du hast das ja dann natürlich mitgekriegt.

Vitali Pritzkau
Ja, im Prinzip kommt da eine Info und wir Lehrkräfte, wir müssen das umsetzen. Also wir haben natürlich ganz gespannt die Erlasse gelesen, die die schreiben von unserem Kultus­mi­nister Tonne und haben einfach darauf reagiert und haben das so genommen wie es wie es gekommen ist. Und wir haben das Zeug akzep­tieren müssen. Also so lief das aus Lehrer­sicht erst mal als unter­rich­tender Lehrer ab.

Lars Vollme­ring
Hättest du es dir anders gewünscht? Klingt so ein bisschen.

Vitali Pritzkau
Naja, ich bin auch so ein Typ, der gerne mitent­scheidet, der mitdenkt, auch gerne Konzepte entwi­ckelt. Noch bin ich nicht in dieser Position, aber klar, ich wünsche mir für das nächste Schuljahr auch eine andere Situation, keine Frage.

Dennis Weilmann
Insgesamt muss man ja einfach feststellen: Wir haben eine Situation gehabt, wo wir alle erst einmal mit der Pandemie leben lernen mussten. Und das war auf der kommu­nalen Ebene so, das war auf der Landes­ebene so. Und dann bis hin zu jeder Familie, die irgendwo auch betroffen gewesen ist. Natürlich kann es uns nicht glücklich machen, wenn in den Schulen am Ende die Strategie ist: Maske aufsetzen und lüften. Wenn das alles ist, was uns dazu einfällt, ist das wenig. Und da müssen wir gucken, dass wir bei einer nächsten Pandemie ganz anders damit umgehen, dass wir ganz andere Rahmen­be­din­gungen in den Schulen haben. Denn es ist natürlich für die Lehre­rinnen und Lehrer eine extrem belas­tende Situation gewesen zu der Zeit, in der die Pandemie in der Hochphase war. Und klar, Kinder sind natürlich auch anste­ckend, teilweise mussten auch Schulen geschlossen werden. Also emotional hoch belastend – genau das, was du gerade beschrieben hast. Das habe ich ja ganz oft zurück­ge­kop­pelt bekommen in Gesprä­chen, die ich mit Lehrern, mit Schülern und mit Eltern führe.

Vitali Pritzkau
Ja, da bin ich ganz genau bei dir, Dennis. Da müssen wir aus diesen 16 Monaten, die wir jetzt Corona durch haben, wirklich alles mitnehmen, was wir daraus gelernt haben, um im nächsten Schuljahr auch wirklich nochmal zu optimieren und das Beste daraus zu machen und das Leben nochmal viel normaler werden zu lassen, was ein ganz großer Wunsch ist von vielen Schülern und auch von vielen Lehrkräften.

Lars Vollme­ring
Vitali Pritzkau ist zu Gast, Lehrer an der Eichen­dorff­schule. Wir haben hier schon ein bisschen erzählt über die Situation, insbe­son­dere während der Corona Pandemie an den Wolfs­burger Schulen. Vitali, aus deiner Sicht, was hat sich denn am meisten verändert in dieser Zeit?

Vitali Pritzkau
Ja, das ist eine spannende Frage. Und ich weiß auch gar nicht, wie du die Frage genau meinst, denn man nimmt ja erst mal Verän­de­rungen wahr bei den Schülern. Und als sie zurück­ge­kommen sind, aus dem Lockdown, dann saßen da so lustlose Schüler, je nach Jahrgang natürlich. Manche. Der untere Jahrgang war etwas fröhli­cher unterwegs, aber die älteren Schüler, da hat man schon mitbe­kommen, die waren etwas mitge­nommen und das nimmst du erst einmal wahr. Das ist eine Verän­de­rung, die ist nicht positiv. Da ist erst mal eine Schüch­tern­heit, zum Teil da. Da musst du erst mal die Schüler anfangen, aus der Reserve zu locken. Und da ist etwas geschehen, worüber wir nachdenken müssen, auch im nächsten Schuljahr. Dass wir das reflek­tieren und das aufar­beiten, was da passiert ist. Also das aus der Schüler­per­spek­tive oder Schüler­wahr­neh­mung. Bei den Lehrkräften, natürlich, wir haben viel weniger Kontakt mitein­ander. Also durch diese Gegeben­heiten, haben wir weniger Gemein­schaft, weniger Austausch. Und Schule lebt ja von von Gemein­schaft, vom Austausch, von den Emotionen, von den sozialen Kontakten. Und das ist zurück­ge­gangen. Da haben wir natürlich einste­cken müssen.

Dennis Weilmann
Das Entschei­dende ist, glaube ich, dass wir jetzt gucken müssen, wie gehen wir in der Zukunft damit um, dass viele Schüle­rinnen und Schüler einfach weniger mitge­nommen haben im letzten Schuljahr? Das heißt, der Stoff, der sonst üblicher­weise in einem Schuljahr vermit­telt wird, der ist eben nicht vermit­telt worden. Das hat Thema Homeschoo­ling nicht in Gänze auffangen können. Da gab’s ja nun auch einige Studien. Das ist auch nahelie­gend, ohne das sozusagen wirklich erprobt zu haben, dass dieses Umschalten nicht so funktio­nieren kann, dass das 1:1 eine Präsenz­schule ersetzen kann. Insofern wundert es auch nicht, aber wir müssen die Konse­quenzen daraus ziehen und wir müssen jetzt auch Maßnahmen auf den Weg bringen, um den Schüle­rinnen und Schüler den zukünf­tigen Weg zu ebnen.

Lars Vollme­ring
Da ist dann immer die Rede von der, Vitali, ich sage mal, The Lost Genera­tion. Da ist jetzt eine “Schüler­schaft”, die sehr darunter gelitten hat durch die ganzen Geschichten, die Corona mit sich gebracht hat. Wie sieht denn die Bildungs­bi­lanz aus, von der Dennis gerade gespro­chen hat? Also gerade von jemandem, der da “an der Front arbeitet”?

Vitali Pritzkau
Ja, also das ist auch eine ganz spannende Frage.

Lars Vollme­ring
Kann man das überhaupt schon sagen?

Vitali Pritzkau
Genau so ist es. Man kann das eigent­lich gar nicht so genau festna­geln. Und wir sollten uns auch gar nicht zu stark darauf konzen­trieren, was jetzt die großen Lernde­fi­zite sind. Es sind auch im emotio­nalen Bereich Defizite entstanden, den ich für viel wichtiger erachte, als einfach nur den Lernstoff irgendwie nachzu­ar­beiten. Und darauf sollten wir meiner Meinung nach mehr achten und das im Schuljahr besser machen. Auch die Schüler erst einmal dort abholen, wo sie gerade stehen. Ich habe einige Umfragen gemacht, abgefragt wie’s geht und was da in diesem Jahr passiert ist. Und Schüler melden mir zurück, die Konflikt­si­tua­tion, die Reizbar­keit in den Familien hat stark zugenommen. Sie melden mir zurück, die Konflikte und die Reizbar­keit der Lehrkräfte haben zugenommen. Auch unter­ein­ander ist eine Reizbar­keit oder Aggres­si­vität entstanden, die zugenommen hat. Das als eine Meldung von einem Schul­leiter aus dem Grund­schul­be­reich. Das heißt, diese Dinge, finde ich, sollte man nicht außer Acht lassen und darauf auch eingehen können.

Dennis Weilmann
Und wir müssen uns auch die Frage stellen, wie wir eigent­lich auf eine künftige Pandemie vorbe­reitet sind. Denn das, was wir ja auch feststellen, ist, wir dürfen nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig machen, ob Homeschoo­ling überhaupt möglich ist. Wenn sich eine fünfköp­fige Familie einen Computer zu Hause teilen muss, weil die Eltern im Home Office sind, weil die Kinder im Homeschoo­ling sind. Vielleicht hat das WLAN auch gar nicht die Stärke, die es braucht. Da müssen wir Rahmen­be­din­gungen schaffen, damit das nicht zum Nachteil für die Schüler wird, die eben nicht so viel Geld im Geldbeutel haben bzw. deren Eltern. Also hier sind auch Ungleich­ge­wichte da. Das habe ich immer wieder aus den Gesprä­chen mitbe­kommen, die ich geführt habe.

Vitali Pritzkau
Ja, da bin ich bei dir, Dennis, und kann auch was ganz Spezi­elles erzählen. Also wir Lehrkräfte mussten auf diese Ungleich­heiten irgendwie reagieren. Da ist nicht bei jedem ein Drucker vorhanden, da ist nicht bei jedem im Prinzip diese Sorge der Eltern vorhanden, weil sie es gar nicht leisten können, weil sie vielleicht den ganzen Tag arbeiten oder weil jemand allein­er­zie­hend ist. Und da kriege ich nach einer LZK – Lernzielkontrolle

Lars Vollme­ring
Ja, so hieß das früher auch.

Vitali Pritzkau
Und da kriege ich nach einer LZK: “Guten Morgen Herr Pintzkau. Kann ich die LZK später bearbeiten, weil mein Block liegt im Schlaf­zimmer meiner Mutter und sie schläft noch und der Drucker steht da auch”. Da antworte ich: “Du wirst doch irgendwo ein Blatt Papier finden, oder?” – “Ich kann mal gucken” – “Ja, bitte” – “Ok, schlechte Neuig­keiten, ich finde kein Blatt”, schreibt mir der Schüler. Ich sage: “Das ist schlecht. Ich kann dir auch einen Block rausschi­cken. Wann steht deine Mama auf?”. Er schreibt: “Sie steht kurz nach 9 auf.” Um 8 Uhr fing die letzte LZK an. Ich schreibe ihm: “Melde dich sofort, wenn du mit LZK angefangen hast”, weil er muss die mir dann einschi­cken und ich muss das dann im Prinzip cutten. Und er schreibt mir dann eine halbe Stunde später: “Ja, ich weiß nicht warum, aber heute schläft sie ganz schön lange” und das ist eine Situation, da kann ich natürlich als Lehrer erst mal sehr hart reagieren und sagen: “Willst du mich veräppeln? Willst du mich auf den Arm nehmen?” Und ganz ehrlich, ich kaufe ihm das ab und ich habe solche Situa­tionen, wo die Ungleich­heiten so da sind, dass ich da eine Empathie und Mitgefühl mitbringen muss und dem nicht sagen kann: “Ja, du, eine 6 – zu spät abgegeben.”

Lars Vollme­ring
Dennis wenn du das hörst, was macht das mit dir? Das ist ja wie gesagt erschre­ckend. Das hat ja durchaus einen traurigen Beigeschmack.

Dennis Weilmann
Wir haben zu Beginn des Lockdown, weil wir selber gar keinen Drucker zu Hause hatten, uns einen Drucker gekauft. So, das kann aber nicht jeder. Nicht jeder ist in der Lage, sich einfach einen Drucker zu kaufen, weil das Geld vielleicht fehlt. Da müssen wir zusehen, dass wir an der Stelle den Familien Unter­stüt­zung zukommen lassen. Das sind ja tatsäch­lich zwei Ebenen, die wir beachten müssen und wo wir als Kommune entspre­chend darauf reagieren müssen. Das eine ist die Ebene, dass die Eltern manchmal gar nicht in der Lage sind, ein Homeschoo­ling so zu begleiten, wie es erfor­der­lich ist, gerade im Primar­be­reich noch erfor­der­lich sein muss. Und das andere ist, dass viele Eltern finan­ziell nicht in der Lage sind, das zu unter­stützen. Und auch hier braucht es Unter­stüt­zung. Denn das, was nicht passieren darf, ist, dass Bildung vom Geldbeutel abhängt und dass wir am Ende zulassen dürfen, dass Kinder ein Stück weit hinter­her­hinken, weil sie nicht die Rahmen­be­din­gungen haben.

Vitali Pritzkau
Inter­es­san­ter­weise hat gerade diese Schüler­schaft mir rückge­meldet, sie wollen Präsenz­un­ter­richt haben. Sie waren die Verlierer des Homeschoo­lings. Sie können in der Schule lernen, weil die Gegeben­heiten gar nicht da sind, weil da zu viele Störfak­toren da sind. Und darauf müssen wir eingehen, denn die sind nottech­nisch abgesackt.

Lars Vollme­ring
Was sich auf alle Fälle auch beschleu­nigt hat in dieser Phase war das Thema Digita­li­sie­rung im weitesten Sinne. Also zumindest von außen hat es denn den Eindruck gemacht, da ist man um, ich will nicht sagen, um Jahre nach vorne gesprungen. Also diese Entwick­lung hätte es ohne Corona wahrschein­lich gar nicht so gegeben. Vielleicht kannst du aus der Praxis mal sagen, Vitali, gerade dieser Entwick­lungs­schritt in der Digita­li­sie­rung an einer Schule, was hat da funktio­niert? Was hat vielleicht auch nicht so funktio­niert? Wie läuft das überhaupt?

Vitali Pritzkau
Ja, also man muss Folgendes sagen: Natürlich, wir wurden ins kalte Wasser geschmissen und als der erste Lockdown kam, war die Freude bei den Schülern groß. Aber da war schon auch eine gewisse Schock­starre da. Kurz danach waren die Oster­fe­rien. Und dann hat sich die Schul­lei­tung gefragt “Ja, was machen wir?”. Und wirklich, es war ein Digita­li­sie­rungs­schub. Die Schul­lei­tung hat dann beschlossen, wir führen jetzt dieses System ein. Bei uns war das entspre­chend Teams gewesen, das man auch aus der Wirtschaft kennt. Und da hatten wir wirklich über Nacht im Prinzip ein Digital­system, mit dem wir arbeiten konnten, mit dem wir mit Schülern kommu­ni­zieren konnten. Alle Schüler wurden einge­pflegt und damit war eine Kommu­ni­ka­tion möglich. Was wichtig war, damit war auch der Start in ein digitales Arbeiten möglich. Das war schon ein richtig starker Schub.

Dennis Weilmann
Das ist ja das, was wir jetzt ganz häufig feststellen, dass natürlich die Pandemie auch ein Beschleu­niger für die Digita­li­sie­rung und das digitale Zusam­men­ar­beiten ist. Einer­seits auf der beruf­li­chen Ebene, wo man auf allen Ebenen in den Unter­nehmen sehr viel gelernt hat, digital zusam­men­zu­ar­beiten, man auch durchaus Dienst­reisen reduzieren kann, Bespre­chungen, Termine reduzieren kann, weil es eben nicht mehr erfor­der­lich ist, zwingend in einem Raum zu sitzen. Das Gleiche gilt natürlich auch für den schuli­schen Alltag. Insofern hat die Pandemie auch sicher­lich das eine oder andere beschleu­nigt, was ansonsten in dem Prozess deutlich länger gedauert hätte.

Vitali Pritzkau
Absolut, absolut. Sehe ich genauso.

Lars Vollme­ring
Und wir sind natürlich auch noch nicht am Ende, was das ganze Thema Heraus­for­de­rungen letzt­end­lich angeht. Digita­li­sie­rung haben jetzt eben einmal kurz angespro­chen, aber nach dem Schuljahr ist vom Schuljahr. Und da gibt’s ja immer noch dieses berühmt berüch­tigte Wort der Delta Variante, die da im Anmarsch ist bzw. auch schon ganz viele Fälle in Wolfsburg auch bekannt sind von dieser Virus Variante. Stichwort Luftfilter, Stichwort Schul­be­trieb im Herbst. Wie sieht es da aus? Aus deiner Sicht? Also wo stehen wir denn da und welche Heraus­for­de­rung liegen da jetzt noch und können angegangen werden? Jetzt vielleicht auch über die Sommerferien?

Vitali Pritzkau
Ja, also das Wort Data verbreitet Angst und Schrecken. Und das sehe ich ganz kritisch. Also wenn wir so mit allen neuen Varianten, die kommen umgehen, dann werden wir damit nichts erreicht. Nach Delta kommt Epsilon und nach Epsilon kommt vielleicht noch eine andere Variante. Wir müssen damit viel positiver umgehen, mit viel mehr Zuver­sicht und viel mehr Mut, einfach Lösungen zu schaffen und einen Rahmen zu schaffen, in dem Schule wieder normal möglich ist. Stichwort Luftfilter. Ich weiß nicht, was sich da tatsäch­lich tut. Wir hatten das schon vor einem Jahr als Thema gehabt, aber bis jetzt steht in meinen Klassen kein Luftfilter. Ich weiß nicht, wie es an anderen Schulen ist. Ich weiß nicht.

Dennis Weilmann
Ja, tatsäch­lich ist ist das ein Thema, womit sich Schulen jetzt befassen werden, womit sich auch Kommunen befassen werden. Es gibt ein paar, die da schon voran­gehen, gibt ein paar, die noch etwas zurück­hal­tender sind. Aber wir müssen Rahmen­be­din­gungen schaffen. Denn eins ist doch auch deutlich geworden: Die Pandemie ist nicht zu Ende, sondern wir werden damit rechnen müssen, dass es weiterhin Auswir­kungen gibt. Und das Schlimmste, was uns passieren könnte, ist, dass wir wieder die Schulen schließen müssen, weil die Rahmen­be­din­gungen einfach nicht da sind. Und hier braucht es auch techni­sche Lösungen, damit wir eben mehr machen können als Maske aufsetzen und lüften.

Lars Vollme­ring
Und welche Möglich­keiten es da auch konstruktiv gibt und auch eine entspre­chende Hilfe­stel­lung und Lösung für die Entwick­lung an den Wolfs­burger Schulen – darüber wollen wir gleich im nächsten Teil von “Sach mal, Dennis…” sprechen.

Lars Vollme­ring
Vitali Pritzkau immer noch zu Gast hier bei “Sach mal, Dennis…”. Vitali, wir haben viel über die Zukunfts­aus­sichten gespro­chen bzw. anklingen lassen. Ich würde gerne das Ganze noch ein bisschen erweitern, wegnehmen vom Corona-Stichwort, ich sage mal Vermitt­lung von Lernin­halten. Da bist du ja ich will nicht sagen Vorreiter, aber du hast schon vor etlichen Jahren ein Portal entwi­ckelt: Mathehilfe24. Vielleicht kannst du kurz skizzieren, wie das zustande gekommen ist, warum so etwas nötig ist und was sich vielleicht zum Thema Lernen in Schulen auch verändern müsste.

Vitali Pritzkau
Ja, das Portal hat sich eigent­lich aus einer Not oder bzw. aus eine Situation entwi­ckelt, wo ich im Prinzip Nachhilfe gegeben habe und festge­stellt habe: Wieso muss ich jedes Mal dasselbe erklären? Warum kann ich das nicht irgendwie digita­li­sieren? Wieso kann ich das nicht irgendwie festna­geln? Weil ich erkläre ja immer dasselbe.

Lars Vollme­ring
Die wichtigste Frage ist, warum gab es das nicht zu meiner Zeit als ich noch in die Schule gegangen bin?

Vitali Pritzkau
Ja, aber das Inter­es­sante ist, das sagen die Älteren jetzt. Aber die Schüler, die schätzen das gar nicht.

Dennis Weilmann
Außerdem gab’s da noch keine Computer, Lars.

Lars Vollme­ring
Als ich zur Schule ging?

Dennis Weilmann
Ja.

Lars Vollme­ring
Danke.

Vitali Pritzkau
Aber im Prinzip, es war die Idee, etwas zu digita­li­sieren und für jeden zugäng­lich zu machen. Ich habe den Lernstoff dann angefangen, mit meiner Lehrer­zeit praktisch aufzu­ar­beiten und habe von Klasse 5 bis 13 die Lernin­halte in kleinen Häppchen zusam­men­ge­fasst. So kann jeder im Prinzip zu jederzeit den Lernstoff nachar­beiten, wenn er mal krank gewesen ist, wenn er sich auf eine Arbeit vorbe­reitet, wenn er irgendwas verpasst hat. Also das war so die Idee, die natürlich für mich persön­lich ein großer Mehrwert war in einer Pandemie. Weil davon habe ich profi­tiert. Ich habe mein eigenes System gehabt und konnte damit mit meinen Schülern arbeiten.

Dennis Weilmann
Und diese Tutorials sind ja total charmant gemacht. Ich habe mir viele angeschaut und ich muss zugeben, bei meinem Sohn in der siebten Klasse im Mathe­un­ter­richt, da muss ich manchmal auch schon schlucken, wenn er jetzt sagt: “Mensch, wie geht denn das hier eigent­lich?”. Da ist es natürlich toll, wenn man selber die Dinge nochmal aufbe­reitet bekommt. Diese Tutorials gehören inzwi­schen auch zum Alltag dazu. Also mein Sohn nutzt das ganz häufig. Gibt ja verschie­denste Angebote, auch wo man auf YouTube bestimmte Tutorials findet. Das ist eine tolle Ergänzung zum Schul­alltag. Es darf nie ein Ersatz sein, sondern es ist eine Ergänzung. Das ist mir ganz wichtig, weil ich glaube tatsäch­lich der persön­liche Austausch mit den Lehre­rinnen und Lehrer, der ist immens wichtig und deswegen brauchen wir auch den Präsenz­un­ter­richt. Aber um zusätz­lich auch das eine oder andere nochmal zu vertiefen, um auch für eine Pandemie wieder vorbe­reitet zu sein, sind solche Tutorials Gold wert. Und ich finde du machst das sehr charmant und das ist auf jeden Fall etwas, was für mich auch nochmal ganz lehrreich war.

Vitali Pritzkau
Ja, danke. Absolut. Ich habe das ja auch noch erweitert, weil der Schüler, der einfach nur etwas anguckt, der wird davon nicht lernen. Das ist die Erkenntnis, die ich dann irgend­wann gewonnen habe. Ja, hätte man auch vorher wissen können. Aber ich hab dann eine Kombi­na­tion geschaffen zwischen hapti­schem Material und solchen Tutorials. Und vor vor zwei Wochen kam ein Nachbar auf mich zu. Der rief mich an: “Ja, komm auf einen Kaffee vorbei” und aus dem Kaffee wurde dann die Mathe Nachhil­fe­stunde für die Tochter vom Gymnasium. Ich sollte mal schnell ein Thema erklären, weil jetzt ist natürlich dieses Lernde­fizit da und der Lehrer meinte, er müsse auf jeden Fall alles durch­knallen. In drei Stunden wurde die Lernein­heit durch­ge­ar­beitet und da sitzt die Tochter und hat Sorge, dann eine schlechte Note zu schreiben. Und da konnte ich tatsäch­lich helfen. Ich konnte nur eine Einheit bei ihr sitzen, kann nicht 20 Stunden nachar­beiten. Gebe ihr dieses Lernma­te­rial. Sie arbeitet in zwei Tagen fleißig das Ganze durch, also das sind 20 Seiten und schreibt danach eine Eins. Also da war ich natürlich super happy und habe wieder gemerkt da ist Potential, wenn man das angeht.

Lars Vollme­ring
Aber beweist das nicht alles, dass sowas auch was das System insgesamt angeht – Dennis hat gerade von einer Ergänzung gespro­chen – dass sowas einfließen muss? Ist das so, dass wir da noch zeitgemäß unterwegs sind? Oder würdest du sagen, da muss jetzt ganz dringend etwas angepasst werden in dem Zusam­men­hang wie wir lernen und wie wir auch Lernstoff vermitteln?

Vitali Pritzkau
Ja, Schule ist starr. Da verändert sich nicht viel, weil das funktio­niert nicht so wie in der Wirtschaft. Wir haben nicht diesen Wettbe­werb, den wir in der Wirtschaft haben, das muss man so sagen, denn wir sind alle gut versorgt. Also ich werde nicht weniger oder mehr bekommen, weil meine Schüler am Ende mehr oder weniger Leistung bringen. Das wirkt sich insgesamt natürlich auf das ganze Gebilde irgendwo aus – sehr hierar­chisch struk­tu­riert. Und wenn du nicht gerade eine gute Connec­tion zum Schul­leiter hast, ist deine Idee vielleicht doch nicht so willkommen und wird dann nicht umgesetzt. Und dann sagst du: “Naja gut, dann mache ich so wie es bisher war.” das heißt, da ist Verän­de­rungs­po­ten­zial da und die Frage ist nur: Wie kann man das angehen?

Dennis Weilmann
Also was ich aus meinen Gesprä­chen immer wieder feststelle, ist: Wir haben ganz, ganz viele hochmo­ti­vierte Lehre­rinnen und Lehrer in Wolfsburg, die wirklich Lust haben, die mit mit riesiger Motiva­tion und Herzblut ihren Beruf ausüben. Aber wir haben noch ein paar Aufgaben vor uns, gerade im Schuli­schen. Wir müssen eben auch die Digita­li­sie­rung voran­treiben im Bereich der WLAN Ausleuch­tung. Also wir haben in fast allen Schulen inzwi­schen Glasfaser vor Ort. Aber das hilft natürlich erst dann, wenn ich wirklich das ganze Schul­ge­bäude flächen­de­ckend auch mit WLAN versorgt habe.

Lars Vollme­ring
Und nicht nur die Hausmeister.

Dennis Weilmann
Natürlich. Und im zweiten Schritt kann ich dann nämlich über digitale Endgeräte nachdenken, die dann von Schüle­rinnen und Schülern genutzt werden. Nur da brauche ich entspre­chend WLAN. Wenn das nur in dem Trakt A funktio­niert, im Trakt B und C aber nicht, dann hab ich wieder Schüler ausge­grenzt. Das kostet uns eine Menge Geld, aber das muss es uns wert sein. Am Ende muss ein flächen­de­ckendes WLAN genauso selbst­ver­ständ­lich sein wie die Mensa oder das Lehrer­zimmer. Und das wird eine Aufgabe sein. Natürlich braucht es aber auch die entspre­chenden Kompe­tenzen. Auch da muss in der Lehrer­fort­bil­dung viel passieren, das weiß ich. Da passiert auch viel. Da passiert auch bei der Stadt Wolfsburg schon einiges. Finde ich auch gut. Wir müssen dazu dann aber auch nochmal gucken, wie wir noch viel mehr in den Unter­richts­alltag, das Thema Coding und Program­mieren bringen. Also wir haben früher schon zu meiner Schulzeit Turbo Pascal gelernt. Das war mal so eine Program­mier­sprache, die gibt’s glaube ich heute nicht mehr. Weiß ich nicht. Aber zumindest war das schon ein Ansatz damals. Aus meiner Sicht ist das aber nicht fortge­dacht worden und wir müssen viel, viel mehr auch in den schuli­schen Alltag das integrieren, was künftig für Kinder in der Entwick­lung wichtig sein wird. Und das wird in ganz vielen Berufen künftig auch eine zentrale Voraus­set­zung sein. Und da reicht es eben nicht, dass unsere Kinder natürlich alle viel besser mit unseren Smart­phones umgehen können als wir selber. Damit sind die aber noch keine Digital­ex­perten, sondern da gehört nochmal ein Stück mehr dazu.

Vitali Pritzkau
Absolut bin ich bei Dennis.

Lars Vollme­ring
Also ich kenn nur Hektopascal.

Lars Vollme­ring
Wenn Vitali Pritzkau sich eine Schule backen könnte, wie sähe die aus? Was würdest du angehen? Sagen wir es mal so: Vielleicht hast du so ein, zwei, drei Punkte, bei denen du sagst “Zack, das wäre es jetzt letzt­end­lich” – das würde mich sehr interessieren.

Vitali Pritzkau
Ja, das ist natürlich eine spannende Frage, eine Heraus­for­de­rung. Also ich denke natürlich im Kontext dessen, was wir jetzt erlebt haben. Also aus dem Konvex heraus würde ich Schule nochmal denken und den ersten Rahmen, den ich schaffen würde ist, Norma­lität in die Schule wieder zurück­zu­bringen. Heißt alles möglich zu machen, auch von mir aus einen dritten Test in der Woche einzu­führen und dann die Schüler masken­frei unter­richten zu können. Denn Schule lebt vom Sozialen, vom Emotio­nalen. Wir werden sonst keine Lernqua­lität reinbringen und das sollte das Ziel sein, auch das Ziel der Digita­li­sie­rung. Digita­li­sie­rung sollte zu Lernqua­lität führen, zu einer Verbes­se­rung, zu einem Mehrwert, zu mehr Zeit, zu mehr Zeit für Wichti­geres. Und das wäre auf jeden Fall für mich etwas, was ich angehen würde. Natürlich größere Räume. Ich weiß nicht, ob wir das verändern können. Kleinere Gruppen, auch das haben wir in der Corona-Zeit erlebt, wo wir die Hälfte der Schüler­schaft hatten. Da kann man inten­siver, da kann man besser mit den Schülern arbeiten. Und das würde ich mir auch überlegen, ob das möglich ist. Diese indivi­du­el­lere, inten­si­vere Lernmög­lich­keiten zu schaffen. Natürlich, digitale Ausstat­tung für jeden. Also für jeden das Gleiche, dass jeder im Prinzip mit denselben Mitteln unterwegs sein kann. Aber was mir auch ganz wichtig ist, jetzt in der aktuellen Situation, ist die Mensch­lich­keit. Also ich würde auf ganz andere Werte lenken: Mensch­lich­keit, das Mitein­ander und Fürein­ander – übrigens auch Schul­motto bei uns an der Schule “Mitein­ander lernen, fürein­ander leben” oder “Mitein­ander leben, fürein­ander lernen”, so ist das glaube ich. Das würde ich ganz nach vorne stellen. Darum geht’s. Es geht nicht nur um Lernstoff. Es geht um ganz andere wichtige Dinge, die wir jetzt vielleicht viel mehr zu schätzen wissen als vorher.

Lars Vollme­ring
Ich habe jetzt viel gehört, Dennis, was der Vitali hier auf den Tisch gelegt hat sozusagen. “Sach mal, Dennis…”, was nehmen wir da mit in diesem Zusam­men­hang? Was ist dir da vor allen Dingen auch wichtig?

Dennis Weilmann
Ja, wir nehmen mit, dass wir noch ganz viel zu tun haben in den Schulen, damit wir die Rahmen­be­din­gungen schaffen können, die es braucht, um für die Zukunft aufge­stellt zu sein. Im Interesse der hoch engagierten Lehrer, im Interesse der lernwil­ligen Kinder, im Interesse von Eltern. Ich glaube, da haben wir heute vieles gehört, was wir für die nächsten Jahre zu tun haben. Ganz wichtig, glaube ich, im Moment ist eins: Dass die soziale Kompo­nente wieder lebt, dass wir wieder auf Klassen­fahrten können, dass wieder außer­schu­li­sche Lernorte besucht werden können, dass wir einfach das Mitein­ander auch ungezwungen, ohne Maske, ohne Abstände haben. Ich glaube, das ist das, was den Kindern auch ganz extrem fehlt. Und da hoffe ich jetzt, dass das ganz schnell wieder so eine Norma­lität gibt.

Vitali Pritzkau
Absolut. Sehe ich genauso. Das ist so etwas, was ich ganz oben auf die Agenda schreiben würde. Wir müssen wieder mitein­ander und fürein­ander da sein. Und zwar emotional und sozial. Denn man merkt diese Defizite, die sich in den 16 Monaten entwi­ckelt haben. Die müssen wir auch abarbeiten. Wir müssen wieder aufein­ander zugehen können und das geht nun mal, wenn wir die Masken abnehmen – ganz einfach.

Dennis Weilmann
Und eins hat die Krise, finde ich, jetzt auch nochmal gezeigt. Kinder gehen eigent­lich gerne zur Schule. Also für meine Kinder kann ich sagen, die haben sich echt wieder auf die Schule gefreut.

Lars Vollme­ring
Schönes Schluss­wort hier bei “Sach mal, Dennis…”. “Schule in Wolfsburg – Zwischen Corona und Digita­li­sie­rung” lautet der Titel der aktuellen Folge. Zu Gast war Vitali Pritzkau. Er ist Lehrer an der Eichen­dorff­schule und ich bedanke mich sehr, dass du heute mit dabei gewesen bist.

Vitali Pritzkau
Dankeschön!

Lars Vollme­ring
Ja. Und natürlich auch Dank an OB-Kandidat und Namens­geber des Podcast “Sach mal, Dennis…”, Dennis Weilmann.

Dennis Weilmann
Ja, Vitali, vielen Dank. Schön, dass du heute da warst. Vielen Dank, Lars, für die tolle Modera­tion wie immer.

Lars Vollme­ring
Und wir hören uns dann hoffent­lich das nächste Mal wieder bei einer Folge hier bei “Sach mal, Dennis…”.

Off
“Sach mal, Dennis…” der Wolfsburg Podcast mit Dennis Weilmann und Lars Vollmering.