Handeln für den Handel – wo liegen die Herausforderungen für die Wolfsburger Wirtschaft?

Wie steht es um Handel und Industrie in Wolfsburg, was sind hier die Folgen von Corona und wo muss sich unsere Stadt etwa in der City weiter­ent­wi­ckeln? Darüber sprechen Dennis Weilmann und Lars Vollme­ring in dieser Folge von “Sach mal, Dennis…” mit Michael Wilkens, Wolfs­burger Geschäfts­stel­len­leiter der IHK Lüneburg-Wolfsburg.

Transkript

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“Sach mal, Dennis…” – der Wolfsburg Podcast mit Dennis Weilmann und Lars Vollmering.

Lars Vollme­ring
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von “Sach mal, Dennis…”, dem Podcast über die wichtigen und inter­es­santen Themen in unserer Stadt. Und da begrüße ich wie immer an meiner Seite OB-Kandidat und Namens­geber des Podcasts “Sach mal, Dennis…”: Dennis Weilmann. Hallo!

Dennis Weilmann
Hallo Lars, grüß’ dich!

Lars Vollme­ring
Dennis, wir hatten das letzte Mal den Dirk Wöhler zu Gast zum Thema ePassGo und eine Rückkehr zur Norma­lität. Da ging es ja ganz viel um Testver­fahren und das Stichwort natürlich auch Corona. Was hast du da für Resonanz bekommen auf diese Folge, auf diese Ausgabe?

Dennis Weilmann
Das Thema testen hat alle bewegt in dieser Zeit. Vor dem Hinter­grund ist es gut angekommen, dass wir uns mit dieser Frage beschäf­tigt haben. Und ich glaube, der Dirk Wöhler, der hatte einfach viel zu berichten, hat viel Inter­es­santes erzählt. Insofern viel Positives. Es hat sich ja jetzt alles ein bisschen verändert. Wir haben glück­li­cher­weise ganz niedrige Inzidenzen inzwi­schen. Das heißt, das Testen spielt keine ganz so große Rolle mehr. Aber wir wissen alle nicht, ob nicht die Urlaubs­zeit, ob nicht der Herbst wieder auch andere Zahlen hervor­bringt. Das ist zumindest das, was Experten befürchten. Und vor dem Hinter­grund sind wir, glaube ich, alle gut beraten, das Thema Testen noch nicht ganz ad acta zu legen.

Lars Vollme­ring
Aber das Thema Rückkehr zur Norma­lität soll uns natürlich auch ein Stückchen weiter beschäf­tigen. Heute mit einem sehr, sehr großen Schwer­punkt zum Thema Wirtschaft: “Für den Handel handeln” haben wir die Folge genannt –“Wo liegen die Heraus­for­de­rungen für die Wolfs­burger Wirtschaft?” Und da freue ich mich sehr, wieder einen sehr inter­es­santen Gast hier zu haben bei “Sach mal, Dennis…”. Und zwar ist das Michael Wilkens, Leiter in Wolfsburg der IHK Geschäfts­stelle Lüneburg-Wolfsburg. Schönen guten Tag!

Michael Wilkens
Schönen guten Tag in die Runde. Freut mich, hier zu sein.

Lars Vollme­ring
Schön. Michael, wir haben uns auch aufs Du verstän­digt. Wir können gleich mal einsteigen mit der Frage: Ihr habt jetzt ein Fest gehabt diese Woche, euer Sommer­fes­tival, glaube ich, wird das genannt – da seid ihr immer noch digital unterwegs gewesen. Wie war die Stimmung? Und ist man trotzdem geneigt gewesen zu sagen “Ach, wir machen das doch wieder in einer Präsenz” oder ging das in diesem Fall noch nicht?

Michael Wilkens
Auf jeden Fall hätten wir das sehr gerne in Präsenz gemacht. Also als IHK leben wir natürlich sehr stark davon, dass wir Begeg­nungs­mög­lich­keiten schaffen zwischen Politik, zwischen Wirtschaft. Aber auch Netzwerke bilden der Wirtschaft unter­ein­ander. Und da haben wir natürlich das Beste gegeben in den digitalen Zeiten der letzten, ich sage mal, 15, 16 Monate. Aber alle lechzen danach, das auch wieder in Präsenz machen zu können. Gestern natürlich den Planungs­vor­lauf und auch den immer noch geltenden Einschrän­kungen coronabe­dingt zur Folge haben wir das noch einmal online gemacht. Aber das wird hoffent­lich das letzte Mal gewesen sein.

Lars Vollme­ring
Hast du denn eine Verän­de­rung der Stimmung festge­stellt? Also so ein Stück weit vielleicht auch eine Aufbruchs­stim­mung durch die sinkenden Corona-Zahlen in der Region? Also dass man sagt bei Industrie und Handwerk, da ist man jetzt ein bisschen optimis­ti­scher drauf als vielleicht noch vorher oder hat sich da gar nicht so viel geändert.

Michael Wilkens
Doch, also der Optimismus ist schon auf jeden Fall stark zu spüren. Also alle haben natürlich jetzt auch – also man muss dazu sagen, es gibt natürlich eine unter­schied­liche Betrof­fen­heit in den einzelnen Branchen, da können wir vielleicht auch jetzt im Laufe des Gesprächs nochmal ein bisschen drauf eingehen. Es gab einige, die sehr stark natürlich betroffen waren, die komplette Schlie­ßungen jetzt über viele Monate auch zu verkraften hatten. Die sind natürlich absolut jetzt in den Start­lö­chern gewesen und freuen sich über die niedrigen Inzidenzen, dass sie jetzt überhaupt wieder wirtschaft­lich tätig werden können. Andere gehen mit viel Dynamik raus aus der Krise, hatten zwischen­durch vielleicht eine kleine Delle und sind jetzt aber eigent­lich total eupho­risch, dass es auch gut weiter­geht. Wir blicken da sehr positiv in die nächsten Monate.

Lars Vollme­ring
Dennis, wie hast du die Stimmung oder auch die Stimmungs­ver­än­de­rungen in der Wolfs­burger Wirtschaft in dem Bereich wahrge­nommen? Auch in den letzten Wochen und Monaten?

Dennis Weilmann
Die Stimmung ist weiter angespannt. Ich sage mal konstruktiv abwartend, würde ich mal sagen. Wir haben tatsäch­lich einige Branchen, die immer noch sehr leiden. Es gibt aber auch einige Branchen, die jetzt schon wieder sehr zuver­sicht­lich sind und die natürlich jetzt bei besserem Wetter, bei wegfal­lenden Testnach­weisen und anderen Dingen jetzt wieder ein Stück weit auch merken es geht wieder los und auch parti­zi­pieren an diesem Aufschwung. Aber wir haben sicher­lich im Moment noch eine Situation, wo alle sehr genau auf die Entwick­lung der Zahlen gucken. Es freuen sich alle über diese positive Entwick­lung. Aber alle wissen auch, und das hatten wir leider ja nun auch schon zu verzeichnen, dass es auch wieder in die andere Richtung gehen kann. Vor dem Hinter­grund ist es gut, weiterhin sehr viel Kontakt zu pflegen und das, was Michael tut, ist unheim­lich wichtig als IHK. Aber auch die Stadt Wolfsburg macht da viel, die WMG. Also wir sind sehr viel alle gemeinsam im Austausch mit Wirtschafts­ver­tre­tern, mit den unter­schied­li­chen Branchen. Und ich glaube, das ist etwas ganz, ganz Wichtiges, gerade in diesen Zeiten.

Michael Wilkens
Wenn ich das an dieser Stelle nochmal unter­strei­chen darf, also der Austausch. Wir haben als IHK in den letzten Wochen und Monaten auch konti­nu­ier­lich unsere Mitglieder befragt und aus dem Hotel-/Gast­stät­ten­be­reich, aus dem Tourismus, wissen wir, dass die von einem histo­risch schlechten Stimmungs­ni­veau kommen. Und mir ist auch total bewusst, dass das gerade in den Wirtschafts­för­de­rungen jetzt hier auch in Wolfsburg – wir haben da einen regel­mä­ßigen Austausch gepflegt – auch total präsent ist und man wirklich auch alles gemeinsam, also wir als IHK, aber eben auch natürlich Politik und Verwal­tung, zu tun versucht, um eben gerade diesen extrem betrof­fenen Branchen auch Öffnungs­per­spek­tiven, vor allem aber auch nachhal­tige Öffnungs­per­spek­tiven zu geben. Und das ist glaube ich das, an dem wir gemeinsam arbeiten müssen. Deswegen ist man einer­seits froh, sieht aber auch immer noch diese dunklen Wolken, die da irgendwo am Himmel sind und vielleicht wieder vor die Sonne ziehen, wenn die Inzidenzen hochgehen. Und von daher müssen wir das mit Öffnungs­stra­te­gien mit Bedacht machen. Und ja, deswegen, um das vielleicht noch abzubinden, haben wir natürlich auch unser Sommer­fest jetzt erst mal digital umgesetzt. Aber würden das, wenn es vielleicht im September hätte statt­finden können, organi­sa­to­risch nicht auf diesen Monat gefallen wäre, dann hätten wir es vielleicht auch in Präsenz gemacht.

Dennis Weilmann
Ich kann aber dazu sagen, ich habe mir das angeschaut, sozusagen dann an meinem Bildschirm zu Hause im Garten – war ein tolles Programm, muss ich sagen. Der Minis­ter­prä­si­dent war ja dabei, insgesamt tolle Vorträge. Also ihr habt das wirklich toll profes­sio­nell gemacht. Aber ich freue mich auch drauf, wenn wir dann wieder ein Glas Wein trinken können danach, wenn man viele Gespräche am Rande führen kann, denn das ist natürlich auch ganz wichtig bei diesen Formaten.

Michael Wilkens
Gesendet haben wir das Ganze ja aus dem Rathaus­garten in Lüneburg. Aber mich persön­lich hat es auch gefreut, dass wir einen kleinen Sidestep auch in die neue Geschäfts­stelle machen konnten.

Lars Vollme­ring
Genau die ist ja neu, da seid ihr noch nicht so lange drin. Ende des Jahres, glaube ich, seid ihr da umgezogen. Eingelebt inzwi­schen? Auch in dieser schwie­rigen Situation, weil viel Publi­kums­ver­kehr war wahrschein­lich nicht?

Michael Wilkens
Tatsäch­lich war das mehr oder weniger gestern auch für einige bei uns aus einem Spitzen­eh­renamt. Also wir hatten die beiden Vizeprä­si­denten für Wolfsburg, Carsten Blasche und Herrn Göbel bei uns in der Geschäfts­stelle. Die waren – also Carsten Blasche jetzt in dem Fall – glaube ich erst das zweite Mal da. Bei Herrn Göbel war das auch so. Aline Henke, ehemalige Präsi­dentin unserer IHK, war gestern das erste Mal in der neuen Geschäfts­stelle. Und wir sind Ende letzten Jahres einge­zogen, das heißt, es ist jetzt schon ein halbes Jahr vergangen und mit dem Einleben ist das noch ein bisschen schwierig. Wir haben ganz viel im Home-Office gearbeitet, also es gibt einige Kolle­ginnen und Kollegen, die auch kaum vor Ort gewesen sind. Und jetzt sind wir alle ganz happy, dass wir da hoffent­lich bald ab Sommer dann uns wirklich viel stärker einleben können.

Lars Vollme­ring
Wie war’s denn für dich persön­lich in den vergan­genen Monaten? Also jetzt auch aus IHK-Sicht: Du sitzt da, du siehst, mit deinen Mitglie­dern, da läuft es wegen Corona schwierig. Wie ist das denn im persön­li­chen Umgang gewesen für dich?

Michael Wilkens
Also ich kann sagen, gerade die Phase letztes Jahr, als Corona richtig durch­ge­schlagen ist, war das schon anspruchs­voll. Weil ich ja neben der Geschäfts­stelle in Wolfsburg auch das gesamte Unter­neh­mens­be­ra­tungs­team leite. Das sind ich sage mal rund 30 Leute bei der IHK, die von der ersten Service­linie bis dann auch in der Detail­be­ra­tung versuchen, den Mitglie­dern zu helfen. Das geht einem ans Herz, wenn man merkt, dass es dann um die Existenzen von vielen Mitglie­dern geht, die man vielleicht auch teilweise über Jahre kannte, die vielleicht auch sogar Unter­nehmen schon von ihren Familien übernommen haben, die schon viele Jahrzehnte am Markt sind. Die waren perfekt aufge­stellt, die hatten alles richtig gemacht. Und dann kommt Corona und zieht den quasi den Boden unter den Füßen weg. Und da muss man dann schon auch mal mit den eigenen Mitar­bei­te­rinnen und Mitar­bei­tern ins Gespräch gehen, um sowas aufzu­ar­beiten. Denn die Gespräche sind dann nicht immer einfach gewesen.

Dennis Weilmann
Was ich toll finde, auch bei der neuen Geschäfts­stelle, ist, dass die IHK jetzt einfach mitten im Zentrum der Stadt ist. Das ist einfach glaube ich ein ganz, ganz wichtiges Zeichen. Auch deswegen hab ich mich da sehr darüber gefreut. Nicht nur, weil es natürlich auch ein Ort mit ganz viel Geschichte ist: das ehemalige Imperial Kino. Alle Wolfs­burger kennen das. Eine Zeitlang war es mal eine Diskothek. Auch da sind viele Erfah­rungen mit verbunden. Also es ist einfach ein Gebäude mit viel, viel Geschichte. Aber gleich­zeitig ist es auch auf der Achse mit dem Rathaus, mit der WMG, wo dann jetzt im Zentrum ganz viel Wirtschafts­kraft und Beratung da ist für die vielen Branchen und Betriebe. Und was mich auch persön­lich sehr freut, ist, dass das städti­sche Referat für Digita­li­sie­rung und Wirtschaft mit einge­zogen ist und damit natürlich auch eine ganz enge Verknüp­fung dieser beiden Themen gewähr­leistet ist und hier dann künftig auch ein sehr enger Austausch statt­finden soll zwischen Stadt und IHK.

Michael Wilkens
Das persön­lich freut mich natürlich auch deshalb, weil wir in den alten Räumen gar nicht der Gastgeber sein konnten, der wir natürlich gerne sind. Ich hatte das eingangs schon gesagt, dass wir auch als IHK einfach davon leben, Begegnung überhaupt zu organi­sieren, zu schaffen. Und wenn man das in den eigenen Räumen gar nicht machen kann, wie das an unserem alten Standort der Fall war – allein Restrik­tionen, was die Raumgröße angeht Erreich­bar­keit, Sicht­bar­keit – dann ist das in den neuen Räumen ein Quanten­sprung für uns. Und deswegen lade ich letzt­end­lich natürlich auch alle zum politi­schen Gespräch bei uns in die IHK ein und freue mich auch auf den persön­li­chen Austausch mit vielen Wirtschafts­ver­tre­tern innerhalb unserer eigenen Räume, die hoffent­lich dann ja jetzt nach dieser langen Corona-Zeit dann auch wirklich mit Leben gefüllt werden können.

Lars Vollme­ring
Michael Wilkens ist zu Gast, Leiter der IHK Geschäfts­stelle in Wolfsburg. Wir haben gerade schon so ein bisschen über die Stimmungs­lage bei Handel und Industrie in Wolfsburg gespro­chen. Michael, wie muss man das denn sehen? Wo steht die Wolfs­burger Wirtschaft im Moment generell? Welche Rückmel­dungen hast du da? Und was sind die Heraus­for­de­rungen, die es letzt­end­lich auch jetzt anzugehen gilt?

Michael Wilkens
Wir haben jetzt zum Start aus dieser Corona-Phase heraus ziemlich unter­schied­liche Voraus­set­zungen in den einzelnen Branchen. Wir haben im Hotel- und Gaststät­ten­be­reich, im DEHOGA Bereich, ein histo­ri­sches Stimmungs­tief, aus dem wir kommen. Kein Wunder, wir haben da an dieser Stelle einfach eine sehr lange Phase ohne überhaupt irgend­eine Öffnung. Wir haben eine komplette Abhän­gig­keit von den Corona­hilfen. Da bleibt dann teilweise außer der Kosten­über­nahme wenig für die Menschen über, die dort arbeiten. Kurzar­bei­ter­geld hat da sicher­lich vielen erst einmal geholfen, aber da muss man auch sagen Fachkräfte Probleme drücken da jetzt für den Restart. Das ist auf jeden Fall mit eine der Branchen, die eine sehr ungüns­tige Voraus­set­zung haben, um erfolg­reich aus der Krise zu kommen. Und die brauchen einfach auch weiter politi­sche und wirtschaft­liche Unter­stüt­zung. Das ist auf jeden Fall ein Thema, über das wir dann in den nächsten Monaten noch viel sprechen werden. Wir haben genauso den lokalen Einzel­handel vor Ort, der keine Chance hatte oder die vielleicht auch nicht in dem Umfang recht­zeitig auf den Weg gebracht hat, sich online einen Zweig zu schaffen. Die müssen wirklich vor Ort davon leben, dass Menschen vorbei­kommen, um einzu­kaufen. Das war natürlich auch durch Corona Restrik­tionen lange Zeit nicht möglich. Da gibt’s auch auf jeden Fall sehr, sehr große Schwie­rig­keiten für die nächsten Monate, das Geschäft wieder so aufzu­bauen, wie man es vor der Krise kannte, weil sich natürlich auch Kunden­ver­halten an der Stelle geändert hat. Um an dieser Stelle vielleicht mal positiv weiter zu machen: Wir haben andere Branchen, zum Beispiel im Indus­trie­be­reich. Der leidet jetzt vielleicht unter Post Corona Folgen wie Rohstoff­mangel, Liefer­ket­ten­pro­bleme, die alle irgendwo bedingt, auch was mit Corona zu tun haben. Das würde jetzt hier vielleicht bisschen zu weit führen, das im Einzel­fall dann zu analy­sieren. Aber da sehen wir schon, das sind dann im Vergleich zu den anderen Problemen, die die Branchen haben, eher Luxus­pro­bleme, weil wir da einfach von einem großen Nachfra­ge­er­folg und auch von einem sehr großen Bestand an Aufträgen profi­tieren, die auch während der Corona-Zeit schon reinge­kommen sind und jetzt zunehmend reinkommen. Da blicken wir, wenn man das mal als Basis nehmen will, durchaus positiv, in die nächsten Monate.

Dennis Weilmann
Ich glaube, das Entschei­dende ist tatsäch­lich auch, dass wir die Folge­wir­kungen im Blick haben müssen. Denn ja, auf der einen Seite darf die Gastro­nomie wieder öffnen, auf der anderen Seite sind aber die Folge­wir­kungen massiv. Also das was ich höre, auch aus den DEHOGA Verbänden, ist einfach die mangelnde Bereit­schaft, auch Auszu­bil­dende, die jetzt noch Lust haben, im Bereich von Restau­rants und Hotel ihre Ausbil­dung anzugehen, auszu­bilden. Weil man sagt, das ist ohnehin schon mit Arbeits­zeiten verbunden, die nicht jeder­manns Sache sind und jetzt kommt noch dazu, dass auch die letzten Monate gezeigt haben, welche Folge­wir­kungen eine solche Krise haben kann. Also das sind alles Dinge, da müssen wir viel tun. Da müssen wir auch mit der Stadt helfen. Da muss IHK helfen. Da müssen alle Betei­ligten helfen, damit gastro­no­mi­sche Betriebe hier auch wieder entspre­chend Personal bekommen. Das Gleiche kann man sagen für den Einzel­handel, wenn wir sehen, wie sich die Innen­städte im Moment entwi­ckelt haben. Michael hat es gesagt, das Kaufver­halten der Menschen hat sich verändert. Also da, wo Menschen noch sehr zurück­hal­tend im Online-Handel waren, haben viele in den letzten Monaten nochmal umgeschwenkt und gemerkt, wie einfach und käufer­freund­lich der Inter­net­handel ist. Und auch hier müssen wir wieder viel dafür tun, um die Innen­stadt wieder zu entwi­ckeln, um hier wieder Aufent­halts­qua­li­täten zu stärken, damit wir an der Stelle die lokale Wirtschaft nicht im Stich lassen.

Lars Vollme­ring
Wir kommen im Verlauf der Sendung nochmal auf das Stichwort Aufent­halts­qua­lität in der Innen­stadt zurück, wo ja der Handel auch eine besondere Rolle spielt. Ich will aber einmal noch kurz bei der Geschichte bleiben, was du gerade erwähnt hast, nämlich Stichwort Arbeits- und Ausbil­dungs­plätze. Wie steht es denn da um die Zukunft von Arbeits- und Ausbil­dungs­plätzen in der Region? Wenn du das mal so skizzieren könntest, was ist da auch bei dir aufgelaufen?

Dennis Weilmann
Naja, wir erleben das ja ohnehin schon seit Jahren, unabhängig von der Corona Pandemie, dass es in einigen Branchen nicht leichter wird. Da haben wir natürlich einfach auch die demogra­fi­sche Entwick­lung, die auch eine Folge hat. Viele Schüler wollen heute auch Abitur machen und sich dementspre­chend quali­fi­zieren. Und da gibt’s manche Berufe, die einfach schwerer zu besetzen sind. Da müssen wir dafür werben, dass es auch Ausbil­dungs­be­rufe gibt, die hoch attraktiv sind, wo spannende Berufe dahinter sind, die aber vielleicht manchmal bei jungen Menschen nicht so im Fokus stehen. Also das wird eine ganz wichtige Aufgabe sein, denn sonst wird manchmal an der einen oder anderen Stelle lokale Wirtschaft nicht mehr funktio­nieren können.

Lars Vollme­ring
Deckt sich das mit deinem Eindruck, Michael?

Michael Wilkens
Ja, absolut. Also das kann ich absolut unter­strei­chen. Und da freue ich mich auch darüber, dass wir natürlich mit unseren Themen, die wir auch vor Corona hatten, mit Politik und Verwal­tung an einem Strang ziehen können. In Wolfsburg gibt’s dafür eine ganze Menge Runden und auch gute Beispiele. Das ist aber auch dringend notwendig. Weil wenn wir unsere Unter­nehmen befragen, so wie wir das letztes Jahr gemacht haben, was die Top Handlungs­felder sind, dann zählt zum Beispiel, wie vor der Krise auch in der Krise, auch nach der Krise die Verfüg­bar­keit von Fachar­bei­tern, die Verfüg­bar­keit von Azubis, aber auch die hohen Personal und Lohnkosten in gewissen Branchen, die das vielleicht auch mit sich bringen. Dass es da dann schwierig ist, in diesem Fall dann Menschen zu finden, die sich dafür begeis­tern können. Das spielt eine sehr entschei­dende Rolle.

Lars Vollme­ring
Was erwartest du dann in Richtung Stadt oder Kommune in dem Zusam­men­hang? Also wenn man da euren Wunsch oder Erwar­tungs­hal­tung formu­lieren kann. Weil die Leute können ja nicht herbei­ge­zau­bert werden, die dann letzt­end­lich die Fachkräfte für euch darstellen.

Michael Wilkens
Also die Ressourcen, die wir z.B. brauchen, um Ausbil­dung weiter attraktiv zu halten, ist, dass die Schulen gut ausge­stattet sind. Dass an dieser Stelle in der Öffent­lich­keit gemeinsam für gewisse Branchen geworben wird, die es vielleicht ein bisschen schwie­riger haben, dort Menschen zu finden. Dass man da einen engen Dialog sucht. Ich denke da jetzt zum Beispiel an die DEHOGA Gruppen, die das tradi­tio­nell auch schon vor der Krise schwierig hatten, die es nach unseren Signalen, die wir jetzt mitnehmen, nach der Krise ungleich schwerer haben. Also das ist eine Heraus­for­de­rung, die wir gemein­schaft­lich angehen müssen. Wir können dafür Gesprächs­runden etablieren, wo wir vielleicht auch Kampagnen auf den Weg bringen, in denen man für diese Berufe wirbt. Wir als IHK haben dafür diverse Formate, wo wir versuchen, Ausbil­dungs­ver­hält­nisse attraktiv darzu­stellen. Wenn wir das partner­schaft­lich bewerben und organi­sieren, dann wäre das zum Beispiel schon mal eine sehr gute Maßnahme.

Dennis Weilmann
Naja, und hier wird auch die Stadt einen Beitrag leisten müssen, denn hier geht es natürlich immer auch darum, dass man insgesamt als Standort attraktiv ist. Dass also auch für bestimmte Berufs­gruppen bezahl­barer Wohnraum da ist. Denn nicht jeder kann sich eine teure Wohnung oder ein Haus leisten. Es braucht auch in einer Stadt wie Wolfsburg, wo das Thema Wohnungs­markt ohnehin ein schwie­riges Thema ist, bezahl­baren Wohnraum. Und da gibt’s noch andere Punkte, wo auch die Stadt als Partner aktiv sein muss. Und ich glaube, es ist ganz wichtig, dass dieses Selbst­ver­ständnis da ist.

Michael Wilkens
Wir haben, weil du das ansprichst, die Frage des Wohnraums. Jetzt haben wir in Wolfsburg über Jahre eine sehr intensive Debatte dazu gehabt und auch ganz konkrete Projekte zum Thema Wohnraum. Wir machen eine Umfrage bei uns im IHK Bezirk, in ganz unter­schied­li­chen Landkreisen in der kreis­freien Stadt Wolfsburg. Wohnraum ist eigent­lich nirgendwo ein Thema, außer in Wolfsburg.

Lars Vollme­ring
Dann wird es Zeit, dass man das angeht.

Michael Wilkens
Ja, aber ich möchte nochmal ganz klar unter­strei­chen, dass das, was Wolfsburg hier als Stadt gemacht hat, auch bei den Mitglie­dern positiv ankommt. Denn der Handlungs­be­darf, den wir abfragen, war vor einigen Jahren durchaus höher. Das heißt, die Wohnbau­of­fen­sive, dass man Flächen zur Verfügung stellt, spielt da eine sehr positive Rolle. Ich würde sagen, da ist man auf einem guten Weg. Ich würde gerne noch den Akzent platzieren, dass wir gemeinsam auch an der Gewer­be­flä­chen­ent­wick­lung arbeiten müssen. Denn auch unter den Top Five ist die Frage, wie hoch eigent­lich die Mieten sind. Wie hoch sind die Kosten für Gewer­be­flä­chen? Wenn wir da natürlich nichts Neues an den Start bringen – ich denke da jetzt an die Innen­stadt, da sind wir auch gemeinsam in vielen Runden unterwegs, Dennis – wenn es jetzt da um die Nordkopf Entwick­lung geht, um die Nordhof­fachse, da können wir wirklich neue Flächen gebrau­chen. Und wir können sie aber auch für andere Branchen auch außerhalb des Stadt­ge­biets, in neuen Gewer­be­ge­bieten, gebrau­chen. Da müssen wir gemeinsam daran arbeiten.

Lars Vollme­ring
Da hat er ganz schön was auf den Zettel geschrieben.

Dennis Weilmann
Ja aber völlig zurecht, denn ich kann das alles unter­schreiben. Und ich glaube, es geht auf der einen Seite natürlich bei Gewer­be­flä­chen um die Preise, es geht aber auch um Verfüg­bar­keit, weil wir das auch ganz häufig erleben. Im Moment ist wenig da. Also wir haben noch Restflä­chen quasi, die irgendwo verfügbar sind, aber egal, ob das ein Handwerks­be­trieb ist, der tradi­tio­nell gewachsen ist in einem Wohnge­biet, der sich aber entwi­ckeln muss, weil die Zeiten sich verändert haben oder ob das ein VW Zulie­ferer ist oder eine ganz andere Branche. Wir brauchen Gewer­be­flä­chen auch für die Entwick­lung auf dem Markt der lokalen Wirtschaft. Und wir müssen als starker Wirtschafts­standort, der wir immer waren und auch bleiben wollen, die entspre­chende Verfüg­bar­keit gewährleisten.

Lars Vollme­ring
Und dieses Thema “Was kann man denn tun? Was sind konstruk­tive Ansätze und welche Bereiche müssen dann noch vernünftig und weiterhin beackert werden?” Das wird jetzt Thema sein, auch im dritten Teil von “Sach mal, Dennis…”. Michael Wilkens ist immer noch zu Gast, Leiter der IHK Geschäfts­stelle in Wolfsburg. Und wir gehen jetzt einmal dazu über, zu gucken, welche Lösungen, welche Hilfe­stel­lungen können wir denn noch entwi­ckeln hier für Wolfsburg, gerade auch was das Thema Verbes­se­rung angeht. Innen­stadt, Aufent­halts­qua­lität – alles schon Stich­worte, die hier angeklungen sind. Michael, vielleicht kannst du einmal skizzieren, was in diese Richtung da für euch auch wichtig oder entschei­dend sein könnte.

Michael Wilkens
Also wenn du das Stichwort Innen­stadt nennst, dann möchte ich an der Stelle nochmal das Thema Aufent­halts­qua­lität und auch Frequenz­stei­ge­rung ins Spiel bringen. Unbenommen ist es so, dass für die Mitglieder unserer IHK, die auch jetzt gar nicht unbedingt direkt ihren Standort in der Innen­stadt haben, eine Innen­stadt immer ein Aushän­ge­schild ist. Jemand, der irgendwo anfängt im Gewer­be­ge­biet, der dort eine Stelle annehmen soll, der mit seiner Familie in die Region ziehen soll, der guckt sich dann doch meistens nochmal die Innen­stadt an. Wenn man dann in Wolfsburg am Nordkopf vielleicht anfängt, weil man meint, das ist das Zentrum, da ist der Haupt­bahnhof, da ist das Outlet und dann geht man in die Innen­stadt, dann, glaube ich, sind wir uns alle einig, dass man da was machen kann. Auch was machen muss.

Lars Vollme­ring
Ist Luft nach oben.

Michael Wilkens
Da ist Luft nach oben. Da ist in den vergan­genen Jahren schon viel passiert und wir haben da viele Projekte in der Pipeline. Jetzt gilt es aber aus meiner Sicht auch, diese Projekte dann wirklich mit viel Energie und gemein­samer Kraft umzusetzen. Da freue ich mich auf jeden Fall über über jeden Partner, der da mitzieht. Weil das glaube ich, wird am Ende die Frage sein, wie können wir in der Porsche­straße, aber auch mit den großen Playern – ob es die Autostadt ist, das Phaeno, das Designer Outlet – die Frequenzen mit so viel Aufent­halts­qua­lität zuein­ander bringen, dass wenn man in der Innen­stadt ist, da auch viele Menschen sind, zu möglichst jeder Tageszeit und Abendzeit, vor allem auch.

Dennis Weilmann
Ich erlebe das eigent­lich gerade in allen Gesprä­chen, die ich führe. Und ich komme gerade viel rum in Wolfsburg, gerade auch in Gesprä­chen mit Vereinen, mit sozialen Einrich­tungen, aber auch mit der lokalen Wirtschaft. Und ein Punkt kommt immer wieder und das ist unsere Innen­stadt. Die Innen­stadt, die schon vor Corona, und das muss man immer wieder betonen, schon auf dem abstei­genden Ast war. Und wir müssen hier dem entge­gen­wirken. Und das Stichwort Aufent­halts­qua­lität ist genau das Richtige. Es muss wieder Spaß machen, auch in die Innen­stadt zu gehen. Da muss der Handel im Mittel­punkt stehen. Aber am Ende braucht es eben auch viel, viel mehr. Wir brauchen Angebote aus dem Kultur­be­reich, aus dem Freizeit­be­reich, aus dem Sport­be­reich. Wir brauchen wieder Kinder­spiel­plätze, die auch wirklich erkennbar sind als Kinder­spiel­plätze, wo meine Kinder dann sagen “Mensch, Papa, lass uns doch mal samstags in die Innen­stadt fahren, da ist es echt cool.” Das passiert aber gerade nicht. Im Moment ist eher die Diskus­sion: “Mensch kommt ihr mit?” – “Och, ne muss nicht sein.” Und das ist natürlich die Frage: Was können wir insge­samte als Stadt­ge­sell­schaft tun? Und da ist nicht nur die Stadt Wolfsburg gefragt, sondern sicher­lich sind es ganz viele, die auch am Ende den Beitrag leisten müssen. Aber am Ende, glaube ich, haben wir alle das gleiche Ziel: Mit mehr Grün, mit mehr Aufent­halts­qua­lität diese Innen­stadt einfach wieder neu, komplett neu zu denken.

Lars Vollme­ring
muss nicht auch baulich was verändert werden? Also wir haben jetzt, wenn du sagst Kultur, wenn du sagst, Handel muss da mitspielen und so weiter und so fort. Dann ist es immer so ein bisschen wie wenn man einen schönen Aufkleber drüber klebt oder mal so ein bisschen Glanz­folie drum macht. Ist es nicht so, dass man auch baulich hergehen muss und grund­sätz­lich an der Porsche­straße oder an der Innen­stadt was verändern sollte?

Dennis Weilmann
Damit sind immer bauliche Verän­de­rungen verbunden. Und um es mal positiv zu drehen: Michael hat das eben auch schon angedeutet. Wir haben natürlich auch Inves­toren, die sich für unsere Innen­stadt inter­es­sieren. Das ist ja erst mal was sehr Positives und das können ganz viele Innen­städte nicht von sich behaupten. Das heißt, diese Entwick­lung in Wolfsburg, die positive Entwick­lung und der Glaube an die Stadt­ent­wick­lung, die ist da und die ist auch von außen sichtbar. Egal ob das die Volksbank ist, die ja sowohl am Nordkopf wie auch in dem alten Haerder Gebäude tolle Pläne umsetzen möchte. Das gleiche gilt auch für die für die Signa Entwick­lung. Also überall haben wir eine Möglich­keit, die Innen­stadt nochmal zu attrak­ti­vieren und wir müssen gucken, dass das bestmög­lich zusam­men­passt und dass dann alle davon profi­tieren. Denn wir müssen uns immer wieder auch vor Augen führen: Am Ende geht es hier nicht um eine Konkur­renz zwischen Südkopf und Nordkopf oder zwischen City Galerie und DOW oder sonst was, sondern es geht am Ende um eine Konkur­renz zwischen dem statio­nären Handel und dem Online-Handel. Das heißt, wir werden hier gucken müssen, wie wir den statio­nären Handel so stärken, wie wir insgesamt die Innen­stadt so attrak­ti­vieren, dass das wieder Spaß macht. Ich muss da gerne sein und ich muss da auch zu allen Tages­zeiten sein wollen. Also wir müssen auch viel dafür tun, damit tolle Restau­rants wieder­kommen, dass wir Cafés haben, weil das bringt ganz viel Aufent­halts­qua­lität. Jeder, der mal durch andere Innen­städte, durch größere Städte geht, sieht, da sind in diesen Tagen mit viel Sonnen­schein überall die Stühle draußen. Da ist mehr Leben, da sind die Stühle draußen. Man sitzt, trinkt seinen Cappuc­cino und das fehlt uns hier. Da haben wir viel zu wenig Angebot.

Lars Vollme­ring
Wir haben die Baupro­jekte gerade angespro­chen. Norden, Süden, Nordhoff-Achse ist so ein Ding. Was versprecht ihr euch denn als IHK oder als Wirtschaft davon? Von diesen baulichen Verän­de­rungen, die es in Wolfsburg auch geben wird?

Michael Wilkens
Die baulichen Verän­de­rungen sind ja erst einmal die Grundlage dafür, dass wir z.B. in den Erdge­schoss­flä­chen überhaupt eine Nutzungs­än­de­rung herbei­führen können. Jetzt mal vielleicht ein bisschen weniger technisch ausge­drückt: Wenn ich da durch­laufe und im Erdge­schoss sind keine Flächen, die von Gastro­nomie oder Handel belegt sind, dann ist es halt langweilig, weil dann gehe ich an irgend­einer Glasfas­sade von einer Versi­che­rung oder einer Bank vorbei. Und das inter­es­siert mich natürlich als Kunden nicht.

Lars Vollme­ring
Kann man sein Spiegel­bild zumindest sehen.

Michael Wilkens
Da kann man sein Spiegel­bild sehen. Dann weiß man, ob der Anzug sitzt, aber ansonsten ist es eher uninter­es­sant. Und das kann man natürlich durch bauliche Verän­de­rungen dann auch entspre­chend anpassen. Das ist, finde ich, für den Nordkopf durchaus eine riesen Chance. Da haben wir ja sogar noch, welche Innen­stadt kann das schon von sich behaupten, ganze Brach­flä­chen. Also, auf denen vielleicht eine grüne Bank steht, die mal wieder von Aufkle­bern befreit werden könnte. Ansonsten wäre da vielleicht auch mal an der Stelle was für die Frequenz zu tun. Das wissen auch alle und darüber bin ich auch ganz froh. Da sind wir uns ja alle komplett einig. Es wäre aus meiner Sicht jetzt nur wirklich an der Zeit, dass wir da die Fahrt, die vielleicht auch durch Corona jetzt schon ein bisschen Beschleu­ni­gung bekommen hat, dann auch weiter aufrecht­erhalten und auch nach der Wahl wirklich mit absoluter Prio 1 dieses Thema angehen. Denn die Zeiten, in denen sich so eine Innen­stadt von alleine heilt, die sind glaube ich vorbei.

Dennis Weilmann
Ja, wir sollten auch nicht warten bis zur Wahl. Zum einen hat der Rat der Stadt Wolfsburg ja beschlossen, einen Master­plan aufzu­setzen für die Innen­stadt. Ich glaube, das ist ganz, ganz dringend erfor­der­lich. Wir müssen aber gucken, denn diese Master Planung darf nicht dazu führen, dass wir jetzt erst einmal ein, zwei Jahre irgendwo planen und dann langsam umsetzen, sondern jetzt ist der Bedarf da. Der ist jetzt in diesem Sommer da. Deswegen ist es zum Beispiel toll, dass es gelungen ist, im Rahmen des Kultur­som­mers ein Veran­stal­tungs­format in die Innen­stadt zu holen, das über Bundes­mittel gefördert wird, wo wir auf der einen Seite die lokalen Kultur­schaf­fenden unter­stützen können und auf der anderen Seite die Innen­stadt stärken können. Also genau das sind Formate, die wir jetzt machen müssen. Und da dürfen wir nicht warten, denn jetzt ist die Notwen­dig­keit besonders stark.

Lars Vollme­ring
Da sind wir ja schon fast beim Blick nach vorn, den ich hier natürlich auch gerne nochmal mit euch ausführen möchte. Wohin entwi­ckelt sich denn Handel und Industrie in Wolfsburg in den nächsten Jahren? Was ist vielleicht auch die Zielset­zung von eurer Seite aus? Wo geht’s denn hin, wenn man mal so ein bisschen in die Glaskugel schaut?

Michael Wilkens
Also wir sind in Wolfsburg ja ein Standort mit einem ziemlich hohen Niveau, also Bildungs­ni­veau auch der Fachkräfte, die hier nach Wolfsburg kommen. Allein bedingt durch Volks­wagen und Zulie­ferer ist das ein Niveau, dass auch Ansprüche mitbringt an die eigene Umgebung. Da kann Wolfsburg mit sehr, sehr vielen Stärken punkten. Ob es jetzt das Sport­an­gebot ist, die Nahver­sor­gung, die Naherho­lungs­ge­biete, Freizeit­an­ge­bote insgesamt, das kommt super an. Also da kommen wir wirklich von einem tollen Niveau, das gilt es, ich will nicht sagen, nicht nur zu halten. Da müssen wir natürlich auch immer nochmal punktuell nachlegen. Aber da können wir wirklich stolz drauf sein und von der Basis aus dann unseren Standort auch weiter empfehlen. Das machen übrigens auch viele Unter­nehmen. Das fragen wir auch regel­mäßig ab. Da erreicht Wolfsburg auch von den Stand­orten, die wir so befragen immer einen Top Wert der Weiter­emp­feh­lung der Mitglieder unter­ein­ander. Also an andere würde man Wolfsburg durchaus weiter­emp­fehlen. Das ist ja schon mal schön. Wenn wir aller­dings gucken, was so ein Niveau der Menschen, die hierher kommen, mit deren Ansprü­chen mit sich bringt, dann würde ich wieder den Bogen schlagen zur Innen­stadt. Das fällt halt total ab. Das muss man einfach sagen. Da gibt es wirklich eine riesen Diskre­panz zwischen dem, was man an Freizeit­um­feld teilweise so hat, zu dem, wie man hier letzt­end­lich auch so eine Erleb­nis­qua­lität in der Innen­stadt dann auch nutzen kann. Und da ist es dann schön, wenn man in Vorsfelde nett wohnen kann oder in Fallers­leben, wo man vielleicht einen kleinen Ort hat, wo man nochmal ein Café hat oder Ähnliches. Aber letzt­end­lich wollen dann doch auch alle ins Oberzen­trum, in die Innen­stadt und das muss eine gemein­same Aufgabe für die nächsten Jahre sein. Und dann glaube ich, können wir das letzte Manko, das Wolfsburg noch hat, auch ausräumen.

Lars Vollme­ring
Dennis dein Ausblick: Wo geht’s hin oder wo soll’s hingehen?

Dennis Weilmann
Wolfsburg ist eine ist eine Stadt, die immer eine positive Perspek­tive hat und dabei bleibt das auch. Wir haben ganz viel Wirtschafts­kraft und die müssen wir jetzt bündeln. Wir müssen jetzt diese Schwach­stellen, die Michael ja zurecht angespro­chen hat, angehen. Es wird nicht von alleine funktio­nieren, aber die Perspek­tive und die Grund­vor­aus­set­zungen sind erst mal da. Und wichtig ist mir auch nochmal zu betonen, dass wir natürlich nicht nur an die Innen­stadt im Sinne der Porsche­straße denken dürfen, sondern wir müssen natürlich, wenn wir über lokale Wirtschaft nachdenken, die Innen­städte von Fallers­leben und Vorsfelde auch mitdenken, die es in dieser Zeit auch nicht leicht haben und immer wieder Unter­stüt­zung brauchen, genauso wie die Plätze, die über das Stadt­ge­biet verteilt sind. Also wir müssen Kernstadt, Stadt- und Ortsteile gleicher­maßen und die Wirtschaft mit im Blick haben. Aber ich glaube, dann können wir sehr zuver­sicht­lich in die Zukunft blicken.

Michael Wilkens
Die Phase, die wir vor Corona auch schon hatten, dass uns das Thema Fachkräf­te­mangel begleitet hat, das wird, glaube ich, auch für Wolfsburg dann nochmal eines der zentralen Themen sein. Das ist jetzt durch Corona vielleicht ein bisschen ausge­blendet worden. Aber eigent­lich kein Experte, mit dem man spricht, macht sich große Sorgen um den Arbeits­markt. Auch wenn da jetzt vielleicht kurz durch die Corona Maßnahmen die Zahlen ein bisschen nach oben gegangen sind, das wird sich auf jeden Fall schnell ändern.

Michael Wilkens
Und da müssen wir dann wieder in diesen Wettbe­werb einsteigen, mit anderen Stand­orten, mit anderen Regionen. Und da bin ich auch auf jeden Fall ganz froh, dass wir mit vielen, ob es jetzt die WMG ist, die Stadt, aber auch anderen Partnern in der Region als Region versuchen wollen zu punkten und freue mich auf jeden Fall, da dann auch in den Wettbe­werb mit anderen Regionen, in Deutsch­land vielleicht auch inter­na­tional einzusteigen.

Lars Vollme­ring
“Für den Handel handeln. Wo liegen die Heraus­for­de­rungen für die Wolfs­burger Wirtschaft?” So haben wir die Folge des aktuellen Podcast genannt. Ja, sach mal, Dennis, jetzt haben wir eine Menge gehört. Was nimmst du denn mit von dem, was Michael Wilkens heute hier aufs Tableau gelegt hat?

Dennis Weilmann
Naja, dadurch, dass ich mit Michael sehr häufig im Austausch bin, war da jetzt heute für mich erst mal vieles dabei, was ich schon kannte. Es hat aber auch für mich nochmal sehr deutlich gemacht, was die Punkte sind: Der Bereich der Innen­stadt, das muss unsere Kernauf­gabe in den nächsten Jahren sein. Das ist der Punkt, auf den alle gerade gucken und der am Ende auch alle Wirtschafts­be­reiche betrifft. Wir dürfen aber auch nicht die Zulie­fer­indus­trie, den Mittel­stand, das Handwerk, also die lokale Wirtschaft insgesamt, vergessen. Und ich glaube, hier ist immer der Dreiklang wichtig. Wir müssen unter­stützen, wir müssen kommu­ni­zieren mit denen, wir müssen ganz viel im Austausch sein und wir müssen uns kümmern. Also wenn wir das gemeinsam schaffen, dann haben wir hier beste Voraussetzungen.

Lars Vollme­ring
Ich gehe mal davon aus, da gehst du mit?

Michael Wilkens
Ja, auf jeden Fall. Das kann ich natürlich voll unter­strei­chen und freue mich auf jeden Fall auf die Zusammenarbeit.

Lars Vollme­ring
Sagt Michael Wilkens, heute zu Gast gewesen hier im Podcast “Sach mal, Dennis…”. Er ist Leiter der IHK Geschäfts­stelle in Wolfsburg und ich bedanke mich, dass du heute hier gewesen bist.

Michael Wilkens
Vielen Dank für die gemein­same Zeit.

Lars Vollme­ring
Und natürlich auch danke an OB-Kandidat und Namens­geber des Podcast “Sach mal, Dennis…”, Dennis Weilmann.

Dennis Weilmann
Ja, vielen Dank Michael. Schön, dass du da gewesen bist und danke dir, Lars.

Lars Vollme­ring
Und wir hören uns dann das nächste Mal wieder mit einer neuen Folge hier im Podcast “Sach mal, Dennis…”.

Off
“Sach mal, Dennis…” – der Wolfsburg Podcast mit Dennis Weilmann und Lars Vollmering.