Meine Stadt – Lebensgefühl Wolfsburg!

Was macht für die Menschen in unserer Stadt eigent­lich das “Lebens­ge­fühl Wolfsburg” aus? Darüber sprechen Oberbür­ger­meister-Kandidat Dennis Weilmann und Moderater Lars Vollme­ring mit einem ganz beson­deren Gast: Marcel Schäfer, Sport­di­rektor des VfL Wolfsburg.

Transkript

Off
“Sach mal, Dennis…” – der Wolfsburg Podcast mit Dennis Weilmann und Lars Vollmering.

Lars Vollme­ring
Herzlich willkommen zur dritten Folge von “Sach mal, Dennis…” – dem Podcast über die wichtigen Themen in Wolfsburg, in unserer Stadt. Und da begrüße ich wieder an meiner Seite OB-Kandidat, Stadt­de­zer­nent und Namens­geber des Podcast: Dennis Weilmann. Hallo!

Dennis Weilmann
Hallo Lars, grüße dich!

Lars Vollme­ring
Ja, wir haben das letzte Mal gespro­chen über die Situation des Wolfs­burger Handwerks und haben darüber gespro­chen, wie schwierig das auch letzt­end­lich ist, anhand eines Beispiels aus dem Friseur­hand­werk. Die Nadine war ja da. Was hast du darauf für Resonanz bekommen?

Dennis Weilmann
Ich habe tatsäch­lich viel positives Feedback bekommen, weil wir uns eben gerade mit diesen schwie­rigen Fragen rund um Corona auch beschäf­tigt haben. Jetzt haben die Friseure ja das Glück, dass sie auch wieder öffnen dürfen. Aber es gibt natürlich viele andere Branchen, die weiterhin geschlossen bleiben, wo es auch zwar Perspek­tiven inzwi­schen gibt, aber teilweise noch sehr unbefrie­di­gende. Und hier kämpfen weiterhin viele Branchen um ihre Existenzen.

Lars Vollme­ring
Und wir werden das natürlich auch hier bei “Sach mal, Dennis…” weiter im Blick behalten, haben uns aber heute für ein ganz anderes Thema entschieden. Und zwar den Blick auf unsere Stadt mit einer beson­deren Perspek­tive. “Meine Stadt –Lebens­ge­fühl Wolfsburg!” haben wir es genannt und haben einen ganz, ganz beson­deren Gast dafür gewinnen können, hier uns darüber auszu­tau­schen. Jemand, der sonst eher über Fußball­ergeb­nisse berichten muss oder Trainer-Diskus­sionen. Heute reden wir mal über seine Verbun­den­heit mit der Stadt Wolfsburg. Und das ist der Sport­di­rektor des VfL Wolfsburg, Marcel Schäfer. Hallo Marcel!

Marcel Schäfer
Hallo!

Lars Vollme­ring
Ja. Schön, dass du mit dabei bist. Jetzt müssen wir natürlich trotzdem einmal sportlich werden zum Einstieg. VfL Wolfsburg – in dieser Bundes­liga-Saison sehr, sehr stark unterwegs. Was habt ihr aus dieser Truppe gemacht, die vor drei Jahren noch in der Relega­tion gespielt hat?

Marcel Schäfer
Ja, ich glaube, dass sehr, sehr viele Spieler, die beide Relega­ti­ons­jahre mitge­macht haben, noch Teil dieser Mannschaft, dieser erfolg­rei­chen Mannschaft derzeit sind. Ich glaube, Konstanz ist da ein wichtiges Schlag­wort. Wir haben versucht, diesen Kern an Spielern sinnvoll zu ergänzen. Auch das ist uns doch auch ganz gut gelungen, denke ich. Das spiegelt sich auch ein Stück weit in den Ergeb­nissen, in der Tabelle wider. Aber für mich ist immer das Wichtigste, dass wir derzeit eine Mannschaft haben, die glaub­würdig vermit­telt, was die Werte dieser Stadt sind und auch des VfL Wolfsburg. Die Schlag­worte, die wir – Jörg Schmadtke und ich – immer gerne benutzen, ist Arbeit und Entwick­lung. Das ist das, was wir, sage ich mal, als Weg hier gehen wollen. Sieht man auch anhand dieser Transfers. Und ja, diese Mannschaft verkör­pert auf dem Platz den unbedingten Willen, Spiele gewinnen zu wollen. Und ich glaube, das ist das, worauf wir hier in Wolfsburg sehr, sehr viel Wert legen. Die Art und Weise, wie Spiele absol­viert werden. Und da kann man auch ein Stück weit drauf stolz sein. Wissen aber auch, trotz dieser guten Ausgangs­po­si­tion, die wir uns verschafft haben, dass noch viel Arbeit vor uns liegt. Dass noch gefühlt ein Drittel der Saison zu spielen ist. Und wir freuen uns auf die Aufgabe, auf die Heraus­for­de­rung und hoffen natürlich auch, dass man am Ende der Saison erfolg­reich auf 34 Spieltage zurück­bli­cken kann.

Lars Vollme­ring
Hier sitzen ja drei große Fußball­fans am Tisch – Dennis, das gilt ja für dich genauso.

Dennis Weilmann
Absolut.

Lars Vollme­ring
Da kannst du jetzt ja auch mal aus Fan-Sicht einmal eine kurze Einschät­zung geben. Gerade das Stichwort – Marcel, was er gegeben hat – Arbeit, Fußball, Leiden­schaft. Oder dann letzt­end­lich natürlich auch Werkstatt, Verein, ist ja auch so ein Ding, die Verbun­den­heit. Alles ist so ein Stück weit Eins hier in dieser Stadt. Was sagst du denn zur Perfor­mance des VfL im Moment?

Dennis Weilmann
Naja, als Fan freut man sich natürlich über die Ergeb­nisse im Moment und man freut sich vor allem auch, dass die Mannschaft offen­sicht­lich im Moment tatsäch­lich diese Werte, die Marcel gerade beschrieben hat, einfach verin­ner­licht hat. Und diese Werte, für die wir als Stadt ja auch irgendwo stehen wollen. Deswegen passt es gerade ganz gut. Das macht ganz viel Spaß. Ehrli­cher­weise vermissen wir natürlich die Stadi­on­be­suche gerade sehr. Das macht am Fernsehen nur halb so viel Spaß. Und jubeln tun wir trotzdem. Aber wir wollen uns natürlich wünschen, dass wir demnächst alle auch wieder Fußball im Stadion bejubeln dürfen.

Lars Vollme­ring
Marcel, du bist jetzt wie viele Jahre hier? In Wolfsburg?

Marcel Schäfer
Ich bin 2007 unter Felix Magath, also im Sommer 2007, nach Wolfsburg gewech­selt. Von daher…

Lars Vollme­ring
Also 200 Jahre!

Marcel Schäfer
Es fühlt sich so an, ja. Und wäre schön, wenn man auch 200 Jahre alt wird. Aber ich glaube, das wird mir verwehrt bleiben. Aber es sind jetzt fast 14 Jahre und, muss ich ganz ehrlich sagen – mit der kleinen Unter­bre­chung in Amerika, das ja von vornherein nur als kleine Unter­bre­chung, sage ich mal, einzu­ordnen war auch und ist. Ja, jeder weiß, glaube ich, welchen Bezug ich zu dieser Stadt, zu diesem Club habe. Und das hat sich natürlich von Jahr zu Jahr gesteigert.

Lars Vollme­ring
Und das wollen wir natürlich auch ein Stück weit vertiefen. Wenn du das mal beziffern könntest. Klar, du bist den VfL Fans oder auch den Wolfs­bur­gern auf ewig in Erinne­rung, was die Meister­schaft angeht, was den Pokalsieg angeht. Also du hast ja quasi alles gewonnen, was man mit dieser Mannschaft hier national gewinnen kann und mit diesem Verein. Gab’s denn trotzdem ein persön­li­ches Ereignis darüber hinaus, was auch diese Verbun­den­heit zur Stadt und zusammen mit dem Verein und deiner persön­liche Situation so ganz gut wider­spie­gelt? Kannst du da was skizzieren?

Marcel Schäfer
Also in meiner Spieler-Laufbahn da explizit ein Ereignis zu nennen. Ich glaube, das wäre nicht fair, weil es so viele Berüh­rungs­punkte mit Menschen, mit der Stadt, mit dem Werk gab, auch außerhalb oder größten­teils außerhalb des Fußball­feldes. Ich glaube, am meisten – und da spreche ich, glaube ich für meine ganze Familie – wussten wir, wie sehr wir die Stadt Wolfsburg schätzen, als wir gar nicht da waren. Und das war in der Zeit in den USA. Also es war ja von vornherein klar, dass wir eine Bildungs­reise antreten, allen voran für mich, für meine Familie auch. Einfach mal eine andere Erfahrung im Ausland, sage ich mal, sammeln. Und das war toll. Das war eine tolle Zeit, wo sicher­lich nicht alles schön war. Das bringt, glaube ich, so ein Umzug ins Ausland mit drei Kindern, mit der Familie, auch mit sich. Dennoch waren wir eigent­lich nie weg vom Gefühl her. Man war immer verbunden mit dem Club, hat die Situation verfolgt, hat mit gelitten in dieser Zeit, weil es eben zwei Relega­ti­ons­jahre waren. Und wenn ich was explizit nennen könnte, dann muss ich sagen: Als ich dann wieder zurückkam, gerade in den ersten Tagen, und man hier durch die Stadt gelaufen ist, egal wo, und man ist den Menschen begegnet, die einem auch, ja, fast schon familiär verbunden waren und man hat diesen Zuspruch bekommen, wie schön es ist, dass man endlich wieder hier ist. Das muss ich sagen, das war ein sehr, sehr schönes Gefühl. Das war das Gefühl, wieder zu Hause zu sein. Also wenn ich etwas außerhalb vom Platz oder von Erfolgen, wie die Meister­schaft oder den Pokal, nennen müsste, dann war es eigent­lich die Zeit, wo ich nicht da war und vielleicht die ersten Tage oder Wochen, wo ich wieder zurück nach Wolfsburg gekommen bin, wo, ich sag mal, alle in der Familie das Gefühl hatten: genau da gehören wir hin. Und wir sind wieder zuhause. Und das ist etwas, was man teilweise ja gar nicht in Worte beschreiben kann. Aber es war einfach für uns insgesamt ein sehr, sehr schönes Erlebnis damals, diese Zeit.

Dennis Weilmann
Und ich kann sagen für die Wolfs­burger, die haben sich alle gefreut, dass du wieder da warst. Weil tatsäch­lich bist du ganz intensiv mit der Stadt verbunden, mit dem Verein verbunden. Und ich glaube, alle haben sich gefreut, dass es da eine Konstel­la­tion mit dir dann auch gegeben hat und dass die auch bis heute anhält.

Lars Vollme­ring
Herbert Gröne­meyer singt “Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl” – das werden wir natürlich hier im Podcast bei “Sach mal, Dennis…” gleich auch noch ein bisschen weiter vertiefen. Dennis, gerade auch schon so angeklungen – die Wichtig­keit des VfL Wolfsburg, die Integra­ti­ons­kraft des Fußballs in unserer Stadt. Da hast du ja auch einen ganz beson­deren Bezug dazu. Damals aber noch am Elsterweg.

Dennis Weilmann
Ja, also tatsäch­lich. VfL begleitet mich irgendwie mein Leben lang. Das erste Spiel, an das ich mich so wirklich lebhaft zurück­er­in­nern kann, das war so ein ganz legen­däres Pokal­spiel gegen Werder Bremen. Da erinnern sich, glaube ich, viele dran. Wir lagen irgendwie 3:0 zurück und haben das Ganze noch wieder aufgeholt. Haben dann zwar am Ende trotzdem verloren, aber es war irgendwie ein ganz legen­däres Spiel damals. Oberliga-Zeiten mit mit Frank Plagge, Holger Fiebich, Waldemar Josef. Also wirklich Namen, die man in Wolfsburg einfach kennt. Und auf der anderen Seite Riedle, Reck, Schaaf, Borowka. Also wirklich auch sehr klang­volle Namen.

Lars Vollme­ring
Otto Rehhagel!

Dennis Weilmann
Otto Rehhagel als Trainer, ganz genau. Und damals war ich zwölf, also so alt wie mein Sohn jetzt. Und das sind Erinne­rungen. Ich bin damals mit meinem Vater – damals gab’s ja noch, im Nordbe­reich des Elster­wegs, gab’s noch so einen Rasen­hügel. Da standen wir, das weiß ich wie heute.

Lars Vollme­ring
Da hätten wir uns sehen müssen, da stand ich nämlich auch…

Dennis Weilmann
Ja siehste, hätten wir uns damals schon gekannt. Also das sind tatsäch­lich Erleb­nisse. Klar – Meister­feier, Pokal­feier, das alles. Aber es sind manchmal auch eher die Momente, die dann hängen bleiben, die vielleicht auch gar nicht immer diese ganz Großen sind. Die man dann auch mit der Stadt, mit dem Verein verbindet.

Lars Vollme­ring
Wie wichtig ist denn der VfL – um mal den Schritt aus der Emotio­na­lität kurz zurück zu machen – wie wichtig ist der VfL als Image­träger dann letzt­end­lich auch? Du hast da ja die direkten Einblicke. Du hast selber die Pokal­feier, glaub ich, damals organi­siert, als der VfL Wolfsburg 2015 Pokal­sieger geworden ist. Alle andern durften feiern, du musstest arbeiten. Aber ich denke mal, das hat sich ja insgesamt auch gelohnt. Da hat ja auch zumindest ganz Fußball-Deutsch­land auf die Stadt geguckt.

Dennis Weilmann
Ja. War tatsäch­lich sowohl die Pokal­feier wie auch die Meister­feier 2009. Und gerade bei der Meister­feier weiß ich, wir haben, glaube ich, im April angefangen, in einem ganz kleinen Kreis mal die Meister­feier zu planen, als noch die wenigsten damit gerechnet hatten. Sozusagen Woche für Woche wurde unser Kreis größer, bis dann irgend­wann auch Felix Magath und unser Oberbür­ger­meister Rolf Schnel­lecke mit am Tisch saßen. Und dann hat es tatsäch­lich geklappt. Und das sind natürlich tolle Momente.

Lars Vollme­ring
Da sitzt der Schuldige übrigens. Jetzt kannst du dich für die Überstunden nochmal beschweren.

Marcel Schäfer
Ich glaube, die hat Dennis gerne in Kauf genommen. Ansonsten zahle ich dem die heute noch aus. Ist kein Problem.

Dennis Weilmann
Nein, aber tatsäch­lich ist natürlich der VfL ein wahnsinnig wichtiger Image­träger für Wolfsburg. Der Bundes­li­ga­fuß­ball ist weltweit bekannt und egal auf welchem Kontinent man sich bewegt, überall läuft Bundes­li­ga­fuß­ball. Und damit ist dann VfL und Wolfsburg auch weltweit irgendwo ein Thema. Und das kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Neben Volks­wagen ist sicher­lich der VfL Wolfsburg einfach der Image­träger für die Stadt. Und viele Menschen kommen natürlich auch, wenn dann hoffent­lich bald auch wieder Stadi­on­be­suche möglich sind, nach Wolfsburg. Und viele, die dann auch ein paar Tage bleiben – und das sind nicht wenige – die merken “Mensch! Wolfsburg ist ja doch ganz schön.” Weil natürlich unser Image nicht immer das Beste ist. Aber wenn man erst mal hier ist, und das hat Marcel ja auch gerade beschrieben, wenn man dann erstmal auch die Stadt kennen­lernt und die Vorzüge, merken viele, was diese Stadt eben auch zu bieten hat.

Marcel Schäfer
Das kann ich eigent­lich nur unter­schreiben, weil, sage ich mal, der VfL ist absoluter Image­träger dieser Stadt. Und das spricht auch wiederum für die besondere Konstel­la­tion, wo wir beim VfL auch total stolz drauf sind, dass diese Dreiecks­kon­stel­la­tion zwischen der Stadt Wolfsburg, dem Volks­wa­gen­werk und dem VfL – das ist unzer­trenn­lich. Und da bin ich auch immer einer, der mit breiter Brust rausgeht und sagt, ja, also “Wir sind Volks­wagen und wir sind Wolfsburg”. Und ich glaube, das sollten wir auch, sage ich mal, dementspre­chend leben. Und genau das ist, wo wir eingangs drüber gespro­chen haben: die Werte dieser Stadt, die unzer­trenn­lich sind natürlich mit den Werten von Volks­wagen, aber auch vom VfL. Das gehört alles zusammen. Und das ist das Schöne, dass man im Moment eine Mannschaft auf dem Platz hat, wo man sagt Jawoll! Dieses Image, das wir nach außen tragen wollen, diese Werte, die wir verkör­pern wollen, die wir in die breite Welt raustragen wollen. Die kaufen wir unserer Mannschaft ab. Und das ist etwas total Losge­löstes von Ergeb­nissen, was sehr, sehr schön ist. Und dieses Image, sage ich mal, wollen wir auch weiterhin nach außen tragen.

Lars Vollme­ring
Und dieses Thema wollen wir jetzt auch weiter nochmal vertiefen hier bei “Sach mal, Dennis…”.

Lars Vollme­ring
Ja Marcel, du kannst ja jetzt ein Mal sagen: Womit hat dich Wolfsburg 2007 denn gekriegt? Also gecatched. Dass du diese enge Bindung überhaupt vollziehen konntest. Oder auch, dass dich das auch prägen konnte, weil du kamst ja aus München. Das ist ja jetzt nicht – ich sag mal, also Wolfsburg und München würde ich den Vergleich jetzt nicht zwingend ziehen wollen, was das angeht. Allein was die Größe angeht. Insofern: Wie bist du damit umgegangen? Und womit hat dich Wolfsburg denn so gekriegt, dass das deine Heimat geworden ist?

Marcel Schäfer
Also ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich damals nie vorher in der Stadt war. Also die Verträge waren unter­schrieben. Und selbst dann war ich noch nicht mal in Wolfsburg, sondern damals war die Mannschaft im Trainings­lager in Schne­ver­dingen mit Felix Magath. Wir hatten vorher mit 1860 München ein Freund­schafts­spiel gegen den VfL Wolfsburg im Trainings­lager in Öster­reich, wo mir auch klar war, dass vielleicht gesondert auf mich geachtet wird, weil der Kontakt vorher schon da war, weil man mit Felix Magath schon im Austausch war. Ja, wir haben sage und schreibe 5:1 verloren. Da hab ich gedacht “Okay, das Kapitel ist beendet.”

Lars Vollme­ring
Alle Tore über deine Seite oder…

Marcel Schäfer
Genau, so ungefähr. Wie immer eigent­lich. Haben wir ja von 2007–2017 gesehen.

Lars Vollme­ring
Also wenn es gefähr­lich wurde, dann bei dir, ist klar. Spaß beiseite.

Marcel Schäfer
Genau. Und nein, aber es war ein bisschen kurios. Trotzdem kamen da Anrufe einen Tag später und wir sind da wirklich nochmal in die Tiefe gegangen. Und, ich sage mal, die sport­liche Ausrich­tung unter Felix Magath, die Chance, sage ich mal, Bundes­liga zu spielen in der höchsten Spiel­klasse in Deutsch­land, im Fußball, sage ich mal, sich etablieren zu können, das war für mich die größte Motiva­tion und der wesent­liche Faktor in meiner Entschei­dungs­fin­dung. Nach Wolfsburg…

Lars Vollme­ring
Stadt quasi egal?

Marcel Schäfer
In dem Fall sage ich das ganz ehrlich so wie es ist, war mir die Stadt egal. Das war einfach die sport­liche Perspek­tive, die mir der VfL Wolfsburg bot. Und deshalb hab ich auch unter­schrieben, ohne mir ein Bild vorher zu verschaffen. Man muss aber ganz ehrlich dazu sagen: Ich komme ja aus Aschaf­fen­burg, also eine noch kleinere Stadt als es Wolfsburg ist. Von daher bin ich eher ländlich groß geworden und schätze das auch sehr. Von daher ist es so, dass über all die Jahre, die ich in Wolfsburg war, habe ich diese Stadt schätzen und lieben gelernt. Aber das entwi­ckelt sich natürlich auch. Das kommt nicht sofort, wenn man hier reinfährt und verliebt sich. Das muss man so sagen. Aber über die ganzen Momente, Erleb­nisse, die man hat – alle drei Kinder sind hier geboren – verstärkt es diese Beziehung oder diese Verbun­den­heit zu diesem Standort.

Lars Vollme­ring
Bei dir, Dennis – zumindest was das Thema “mal weg und mal wieder zurück” angeht, weil du bist gebür­tiger Wolfs­burger, genau wie ich. Westhagen, glaub ich, groß geworden?

Dennis Weilmann
Richtig.

Lars Vollme­ring
Inzwi­schen Wendschotter, darf man das sagen?

Dennis Weilmann
Das darf man gerne sagen, ja.

Lars Vollme­ring
Klar, wenn man hier aufwächst, dann kann man natürlich nicht diesen Faktor nehmen “wir verlieben uns jetzt mal in unsere Stadt”, weil wir leben ja da drin und sind da auch aufge­wachsen in dem Sinne. Bei mir war es so, man hat auch tatsäch­lich erst, wie Marcel sagte, es richtig schätzen gelernt als man mal weg war ’ne Runde. Du hast eine Zeit lang in Göttingen auch gelebt und studiert, wenn ich das richtig in Erinne­rung habe. Wie ging es dir denn damit? Also war das bei dir ähnlich? Hast du da ähnliche Erfah­rungen gemacht? Gerade auch, was den Bezug zu deiner Heimat­stadt angeht?

Dennis Weilmann
Ja, ich glaube tatsäch­lich, manchmal braucht es auch die Außen­sicht, um Dinge beurteilen zu können. Ich habe mir ein paar Jahre in Göttingen gelebt, hab dann in Hannover ein paar Jahre gearbeitet und insofern: Diese Außen­sicht hat einfach nochmal bei mir dazu beigetragen, die Vorzüge von Wolfsburg nochmal mehr schätzen zu lernen. Also ich erinnere mich noch sehr gut. Ich hab 1994 Abitur gemacht und das war so eine Zeit, da wollten eigent­lich alle weg. Das war so eine Zeit, da war in meinem Abitur­jahr­gang eigent­lich klar, alle wollten erstmal weg und viele wollten auch nicht wieder­kommen. Konse­quenz war aber: Die meisten sind wieder­ge­kommen, weil sie auch gemerkt haben, Wolfsburg hat viel zu bieten. Wolfsburg ist eine extrem grüne Stadt. Wolfsburg ist eine sehr famili­en­freund­liche Stadt. Und Wolfsburg hat ganz viele andere Vorzüge. Und insofern ist es, glaube ich, vieles einfach, was man dann erst schätzen lernt, wenn man vielleicht auf den zweiten Blick das auch kennenlernt.

Lars Vollme­ring
Wie wird denn die Prägung von Wolfsburg “innen” wahrge­nommen, also von den Wolfs­bur­gern? Was kriegst du da mit?

Dennis Weilmann
Ich glaube, da hat sich auch viel verändert. Also ich glaube, es ist jetzt – ich bin jetzt Mitte 40 und wir haben sicher­lich Genera­tionen, die jetzt nach mir geboren sind. Die gehen nochmal ein Stück anders auch mit der mit der Stadt und auch mit dem Selbst­ver­ständnis um. Ich hab das ja gerade gesagt, so mein Abitur­jahr­gang, da hat man die Stadt noch sehr kritisch gesehen. Ich glaube, das hat sich ein Stück verändert und auch hier ist der VfL wieder ein Stück Schuld. Ich glaube tatsäch­lich, diese Meister­schaft 2009 hat unheim­lich viel für das interne Selbst­ver­ständnis bewirkt. Also wenn ich mal so die Genera­tion von meinem Schwager sehe, der jetzt Anfang 30 ist. Das sind sicher­lich Genera­tionen, die ganz anders auch mit ihrer Stadt aufge­wachsen sind und auch ein Stück stolz sind auf die Stadt und auch von Anfang an sich ein Stück anders auch mit ihrer Stadt identi­fi­zieren. Das freut mich total, weil die Stadt ist unheim­lich lebens- und liebens­wert und das finde ich toll, dass diese Verän­de­rung so stattfindet.

Lars Vollme­ring
Marcel, wie ist es denn aus deiner Sicht um das Wolfs­burger Selbst­be­wusst­sein bestellt?

Marcel Schäfer
Da stimme ich Dennis zu. Ich glaube, das hat sich – und das kann ich ja wirklich jetzt über einen gewissen Zeitraum beurteilen. Also diese Meister­schaft kann schon auch ein Ereignis gewesen sein, das extremst dazu beigetragen hat, dass man selbst­be­wusster mit gewissen Themen umgeht. Das war ein Ereignis, das es so in der Form, glaube ich, für die Stadt noch nie gab. Und ja, ich hatte ja die, sage ich mal…

Lars Vollme­ring
Logen­plätze hattest du!

Marcel Schäfer
Die Logen­plätze hatte ich nicht. Norma­ler­weise gehe ich immer schön Bratwurst-Kurve, aber in dem Fall musste ich ja auf dem Platz ackern. Aber bin sehr dankbar, dass ich da ein Teil davon sein durfte. Und auch das hat dazu beigetragen, wie man zu der Stadt steht. Ich glaube, es gibt sehr, sehr viele Wolfs­burger, die sich manchmal noch ein bisschen kleiner machen, als wir eigent­lich sind. Aufgrund der Historie, aufgrund der Vergan­gen­heit. Aber ich glaube, es gibt so viele Vorzüge in dieser Stadt, die man wirklich auch positiv heraus­stellen kann, wo andere Städte überhaupt nicht mitkommen. Also seit 2007 kann ich das beurteilen, wie rasant sich die Stadt entwi­ckelt hat, wie dynamisch sie ist, wo sie auch Vorreiter ist in vielen Dingen und beispiel­haft vielleicht für andere Städte. Und das, was ich immer wieder sage ist: Sie ist extremst famili­en­freund­lich, sie ist sehr grün. Also ich habe einfach ein richtig gutes Gefühl, dass meine Kinder hier großwerden in dieser Stadt. Und das ist einfach extrem angenehm.

Lars Vollme­ring
Dennis hat gerade von den Klischees gespro­chen, Marcel, die Wolfsburg immer gerne auch wieder gegenüber gebracht werden. Jetzt kommst du ja aufgrund deines Jobs quasi tagtäg­lich mit Leuten außerhalb Wolfs­burgs zusammen. Wie tritt man dir denn gegenüber? Also was das angeht, ist das so “Da kommt jetzt der Meister vom Provinz-Club”? Oder ist das tatsäch­lich – Wie schaut man auf Wolfsburg, wenn du mit anderen Leuten zu tun hast, die nichts mit Wolfsburg sonst zu tun haben?

Marcel Schäfer
Also ich glaube, es ist ein gravie­render Unter­schied, ob die Leute schon mal in Wolfsburg waren oder ob sie noch nie da waren und sich einfach diesem Image, das vielleicht so außen so ein bisschen herrscht, “der Zug bleibt hier nie halten” oder so, weil es halt zweimal vorge­kommen ist. Ist für ganz Deutsch­land so, dass der eigent­lich immer hier vorbei­fährt. Also das sind ja teilweise Vorur­teile, die so nicht korrekt sind. Das muss man ganz ehrlich sagen. Ich kann es nur anhand der eigenen Familie im Freun­des­kreis beurteilen, die uns dann besucht haben im Laufe der ganzen Jahre. Und da war bei den meisten ein Wochen­ende immer zu kurz. Das muss man ganz klar sagen. Weil du schon viele Dinge hast, die du hier besuchen kannst, die du hier machen kannst. Da werden wir bestimmt später auch nochmal drauf eingehen. Also gerade, wenn man den ganzen Allerpark sieht, wenn man die Autostadt sieht, wenn man das Phaeno sieht. Es wurde ein riesen­großes Outlet Center gebaut. Also auch von der Struktur, wie die Stadt alles aufgebaut hat, ist es schon absolut einen Besuch wert. Das muss man ganz klar sagen. Und es ist einfach auch ein Wochen­ende zu wenig. Und meine Frau ist manchmal ganz froh, wenn nicht so viel Besuch kommt. Aber –

Lars Vollme­ring
Weil du nichts machst oder was?

Marcel Schäfer
Ja, das auch. Diese große Anzahl an Besuchern, sage ich mal, die sich immer wieder­holen im Laufe der Jahre, die spricht ja schon dafür, dass wir sehr, sehr viel zu bieten haben in dieser Stadt. Und deshalb, also wir können da sehr selbst­be­wusst und positiv mit dem Bild nach außen rausgehen.

Dennis Weilmann
Und das erlebe ich tatsäch­lich auch immer wieder. Also wenn ich Gäste habe, die aus anderen Städten kommen. Früher habe ich sehr häufig während des Studiums habe ich auch Kommi­li­tonen aus Göttingen mal mit herge­nommen und wir sind hier irgendwie auch abends noch unterwegs gewesen. Da ist immer natürlich die Thematik einfach so, dass man sagt “Mensch, Wolfsburg hat ganz viel zu bieten und das weiß aber gar keiner, warum macht ihr da nicht mehr draus? Warum könnt ihr nicht euer Image noch ein Stück verbes­sern?” Wenn man wüsste, was hier alles Tolles da ist, dann würden vielleicht noch viel mehr Leute kommen. Da ist ein Stück was dran.

Lars Vollme­ring
Wie gehen wir denn dann mit den Klischees um, Dennis? Also letzt­end­lich auch von Stadt­seite aus: Was kann man tun? Was wird auch getan? Auch was das Marketing angeht für Wolfsburg. Weil offen­sicht­lich, wenn ich jetzt Marcel auch richtig verstanden habe, du musst die Leute nur herbe­kommen, dann ändern die auch ihr Bild über Wolfsburg letztendlich.

Marcel Schäfer
Ich glaube, diese Genera­tion, das hat ja Dennis auch betont, sie geht anders damit um und die wächst ja jetzt auch noch heran. Das heißt, die wissen dann diese Vorzüge auch total zu schätzen, gehen deutlich selbst­be­wusster, sage ich mal, mit dem Stadtbild oder mit der Wahrneh­mung um als es vielleicht noch vor ein paar Jahren war. Also einen Vorzug dieser Stadt stelle ich auch immer wieder raus: sind die kurzen Wege. Hier ist ja fast alles fußläufig erreichbar. Ich muss sagen, ich stehe grund­sätz­lich – Schicht­wechsel muss man vielleicht mal ein bisschen aufpassen –, aber ich stehe nie im Stau. Also wenn man mal auf meine Stadt, wo wir vorher gelebt haben, nämlich in München – da kann es schon mal passieren, dass du eine Stunde, andert­halb Stunden im Stau stehst für 6 km, wo ich hier 10 Minuten brauche. Und auch das ist ja famili­en­freund­lich, das muss man schon sagen.

Dennis Weilmann
Und am Ende, glaube ich, sind tatsäch­lich die Menschen in dieser Stadt die wichtigsten Botschafter. Und die Menschen, die dann auch nach draußen fahren, egal ob sie in Urlaub fahren oder zu Freunden, Familie, nach auswärts. Ich glaube, da hat sich ganz viel getan und deswegen wird sich auch ein Stück weit das Image von Wolfsburg auch verändern, da bin ich ganz sicher. Man wird es aber nicht erzwingen können. Also mit den besten Stadt­mar­ke­ting­kam­pa­gnen wird man das nicht erzwingen können, weil – das, was Marcel gerade gesagt hat – dann fährt mal wieder ein Zug durch und dann hast du wieder so ein bisschen dieses Image, was du eigent­lich nicht haben willst. Aber am Ende, glaub ich, ist das ganz Entschei­dende, dass wir hier ganz viel getan haben, damit die Menschen, die da sind, auch wirklich sehen: hier passiert viel. Und wir müssen eben die Leute, die kommen, auch ein Stück weit halten in der Stadt. Also die Menschen, die zum VfL Wolfsburg kommen oder zu den Grizzlys oder wohin auch immer, denen müssen wir die Vorzüge der Stadt auch zeigen. Egal, auch wenn jemand sein Auto abholt in der Autostadt. Auch da müssen wir Paket-Angebote anbieten, um zu sagen “Bleib doch noch mal eine Nacht oder bleib nochmal zwei Nächte”. Das Angebot hier in Wolfsburg ist toll und ich glaube, das kann am Ende einen Erfolg bringen.

Lars Vollme­ring
Du hast gesagt, erzwingen kann man es nicht. Stimme ich auch total zu. Die Frage ist trotzdem: Wie geht man vor allen Dingen dieser Klischee­be­haf­tung um? Weil das ist ja der Blick von außen. Frage ich mich immer: Wo kommt das eigent­lich her? Also ich würde zum Beispiel mich über eine andere Stadt ganz, ganz häufig gar nicht so äußern wie es häufig über Wolfsburg getan wird. Deswegen frage ich mich immer, was kann man da tun?

Dennis Weilmann
Ja, ich glaube, wir nehmen es vielleicht aber auch besonders intensiv wahr. Natürlich, wenn über uns gespro­chen wird, wahrschein­lich. Also das mit dem Zug, das höre ich zwar ganz häufig. Vieles andere wird aber außerhalb von Wolfsburg gar nicht so wahrge­nommen. Also ich glaube, da passiert schon ein bisschen was. Aber wir können alle was dafür tun, damit das Image von Wolfsburg besser wird. Und am Ende hat die Stadt es verdient. Es ist eine ganz tolle Stadt.

Lars Vollme­ring
Marcel Schäfer ist immer noch zu Gast hier bei “Sach mal, Dennis…” – dem Podcast über die wichtigen Themen hier in Wolfsburg. Wir haben ganz viel über das Thema persön­liche Verbun­den­heit gespro­chen. Wir haben ganz, ganz viel über das Thema “was bedeutet Wolfsburg eigent­lich auch für uns” gerade gespro­chen. In die Zukunft gewandt, Dennis, sach mal: Wie kann man denn auch die Identi­fi­ka­tion noch weiter steigern für oder durch die Menschen, die in dieser Stadt leben?

Dennis Weilmann
Ich glaube, aus Sicht der Stadt Wolfsburg ist es das Aller­wich­tigste, dass wir mit den Menschen reden. Dass wir sie auch fragen, auch mit den Menschen kommu­ni­zieren, das Thema Bürger­be­tei­li­gung weiter stärken. Ich glaube, das ist ein ganz zentrales Argument, um auch mit den Wünschen und den Inter­essen der Menschen auch umzugehen. Und das hat dann eben auch Folge­wir­kungen für eine Identität. Also wenn die Menschen sich wohlfühlen, und ganz viele Menschen fühlen sich hier in Wolfsburg wohl, dann führt das automa­tisch auch dazu, dass die Identität steigt. Also wir haben sicher­lich hier ganz viele Möglich­keiten, auch Smart City zu werden und hier tolle Projekte auch umzusetzen. Das ist alles toll. Da freuen sich die Menschen auch. Aber am Ende funktioniert’s nur, wenn wir die Wolfs­bur­ge­rinnen und Wolfs­burger mitnehmen auf diesem Prozess. Wir können ja die tollste Technik und Sensorik überall einbauen, aber wenn die Menschen das nicht wollen, wenn die Menschen das nicht nutzen, dann wird die City auch nicht smart. Dann ist es einfach eine nicht genutzte Technik. Das heißt: Einbin­dung der Menschen – das wird das zentrale Element sein der nächsten Jahre.

Lars Vollme­ring
Marcel, du als Bürger dieser Stadt – gibt’s etwas, was dir fehlt oder wo du sagst “Ach, das wär doch mal ein Punkt, den könnte man insbe­son­dere dann auch zur Identi­fi­ka­tion nochmal heraus­kehren oder nochmal steigern oder optimieren”?

Marcel Schäfer
Also Dennis hat eigent­lich gerade viele Dinge gesagt, da kann ich mich wirklich nur anschließen. Die Menschen sind die wichtigsten Botschafter dieser Stadt. Diese Genera­tion wird heran­wachsen. Diese Genera­tion wird die Vorzüge auch deutlich besser nach außen tragen. Man muss sie mitnehmen. Man muss immer wieder ein Bewusst­sein schaffen, weil es ja allgemein in der Gesell­schaft so ist, dass man oftmals eher etwas kriti­siert, statt Dinge zu schätzen, die man hat. Die Erfahrung haben wir beide ja auch gemacht, dass wir die Dinge umso mehr geschätzt haben und beides mal als wir beide eigent­lich gar nicht da waren. Deshalb, ich glaube, die Leute muss man mitnehmen. Wir haben viele tolle Projekte hier in der Stadt. Die Entwick­lung dieser Stadt habe ich vorher schon einmal heraus­ge­stellt, was sich seit 2007 alles getan hat. Ich denke, das wird in den nächsten Jahren auch der Fall sein. Die Nordhoff-Achse, könnte sein, dass das zum neuen Stadtbild beiträgt. Das wäre wirklich toll. Also es gibt natürlich ein paar paar Punkte, aber ich will jetzt Dennis auch noch nicht zu sehr unter Druck setzen. Also es ist ja auch kein Wunsch­kon­zert. Und das größte Kompli­ment, das ich ja auch an die Politik, an die Leute, die versuchen die Stadt weiter­zu­ent­wi­ckeln, voran­zu­treiben, geben kann, ist, dass ich mit drei Kindern mich unglaub­lich wohlfühle. Das sage ich jetzt nicht nur heute in diesem Podcast, sondern das sage ich eigent­lich auch seit einem gewissen Zeitraum nach 2007, als wir hier wirklich, ja, uns nieder­ge­lassen haben, als wir eine Familie gegründet haben. Denn alle drei Kinder sind hier geboren und auch für meine Kinder ist Wolfsburg ihr Zuhause.

Lars Vollme­ring
Also gibt es keinen konkreten Punkt, wo du jetzt sagst “Das – da müsste man jetzt druff”, sagen wir mal so? Weil Stichwort Kritik, wie man mit der Stadt umgeht, der Wolfsburg an sich – das kriegt ihr ja im Stadion auch immer sehr, sehr gerne mit – da wird erstmal kritisch draufgeschaut.

Marcel Schäfer
Okay, dann setze ich jetzt doch mal einen kleinen Nadel­stich. Ich glaube, aber auch das ist etwas, was man vielleicht doch ein bisschen mehr leben müsste, man könnte den Tourismus ein Stück weit mehr ankurbeln. Denn wenn ich mir den Allerpark so insgeheim mal anschaue: Also wir haben erste Liga, Fußball­bun­des­liga Herren, Frauen, wir haben eine Eisho­ckey­mann­schaft, wir haben ein tolles Badeland, wir haben dort einen Bowling Park. Wir haben, sag ich mal, den Strand am Allersee, wo man toll spazieren kann, wo man toll Kaffee trinken kann bei schönem Wetter. Wenn ich das jetzt zum Beispiel mit einem Center Parc vergleiche, dann muss mir mal einer sagen, was Wolfsburg da nicht zu bieten… Also gegenüber der Brücke, sage ich mal, hast du dann die Autostadt, dann hast du ein Designer Outlet, damit die Frauen auch ein bisschen zufrie­den­ge­stellt sind, und wir haben noch das Phaeno. Also da sind so tolle Sachen, wo ich sage “Da kann ich ja mal eine Woche Urlaub verbringen”. Das ist doch gar kein Problem, weil die Begeben­heiten vor Ort sind absolut da. Dann haben wir ein bisschen außerhalb das Landleben, wo ich mir immer wieder mal gedacht hab, naja, das hab ich in Nieder­sachsen bzw. auch im Norden wirklich kennen­ge­lernt, sind diese ganzen Erdbeer-Höfe, wo ich sage meine Frau ist da liebend gerne hinge­fahren. Ich glaube, in Trave­münde hat sie immer davon geschwärmt. Also es gibt schon noch ein paar Punkte, wo wir sagen, da haben wir Luft nach oben, da könnten wir vielleicht ansetzen, um vielleicht noch mehr auch Urlauber, Touristen hier in diese Stadt zu locken, damit eben das Image auch ein deutlich anderes wird. Weil – das kann ich beurteilen – alle Leute, die bei mir zu Besuch waren für ein paar Tage, denen war das immer zu kurz. Und die sind alle wieder­ge­kommen. Alle.

Dennis Weilmann
Das, finde ich, ist ein ganz wichtiges Argument. Wir haben tatsäch­lich gerade im touris­ti­schen Bereiche ja erlebt: Die Übernach­tungs­zahlen bis 2019 sind extrem gestiegen. Das heißt, sind ja auf dem richtigen Weg. Aber wir haben noch ganz viel Potenzial, weil das, was wir in Wolfsburg hier bieten, ist eben auch immer ein Stück weit die Verän­de­rung, das heißt, es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Ich bin jetzt – hab ja vorhin erzählt, dass ich in Göttingen studiert habe – bin jetzt seit vielen Jahren nicht dagewesen und habe mir das jetzt mal wieder angeguckt. Das sieht noch genauso aus wie früher. Und in Wolfsburg –

Lars Vollme­ring
Das sah fünfzehn­hun­dert-und auch schon so aus, was?

Dennis Weilmann
Ja, genau. In Wolfsburg hast du aber immer wieder auch ein Stück weit die Verän­de­rung. Das heißt, das ist einfach auch ein tolles Erlebnis. Es steht ja auch an der Autobahn “Erleb­nis­stadt Wolfsburg” und ich glaube, da ist was dran. Man kann in Wolfsburg ganz viel erleben, aber wir haben noch ganz viel Luft nach oben. Das Thema Karls Erdbeerhof ist sicher­lich eins, was total spannend für uns ist. Und da sind wir ja auch in spannenden Gesprä­chen. Das gibt noch ein paar Punkte, die für uns wertvoll wären, wenn wir sie umsetzen könnten, um dem Ganzen nochmal mehr Schub zu geben und dann auch natürlich nochmal das ganze Thema Image zu verbes­sern. Weil natürlich die Menschen, die einmal hier waren, die sprechen auch positiv. Und die erzählen das auch zu Hause dem Nachbarn und die erzählen das auch zu Hause den Freunden, dass Wolfsburg echt eine Reise wert ist.

Marcel Schäfer
Ja, vor allem ist ein bisschen zu kurz gekommen bzw. wir vielleicht noch gar nicht erwähnt: die Autostadt. Also das ist ja ein riesen Trumpf dieser Stadt, das muss man ganz ehrlich sagen. Also wir sind jetzt 14 Jahre da. Trotzdem an freien Tagen, wie oft finden wir den Weg in die Autostadt? Wo, sag ich mal, im Sommer tolle Festivals sind, tolle Veran­stal­tungen, im Winter der Weihnachts­markt ist –klein, aber aus meiner Sicht wunder­schön, man kann toll Schlitt­schuh laufen. Es gibt tolles Essen, tolle Restau­rants. Also es gibt so viele Punkte, die man wirklich positiv heraus­stellen kann für diese Stadt. Und ich glaube, um den Tourismus anzukur­beln, ist es nicht nur so, dass man da viele neue Dinge schaffen muss. Man muss vielleicht die Begeben­heiten noch mehr in den Vorder­grund stellen und noch mehr nutzen. Weil die sind einfach toll.

Lars Vollme­ring
Wolfsburg ist die Stadt, hab ich mal gelesen, die auf den Quadrat­meter das größte Freizeit­an­gebot hat in Deutsch­land. Das ist ein absolutes Pfund. Aber ich wollte nochmal darauf hinaus, Dennis, an welches Lebens­ge­fühl oder an welche Lebens­ge­fühl-Themen müssen wir denn für die Wolfs­burger ran? Weil jetzt haben wir ein bisschen drauf geguckt: Wie steigern wir das Image, wie steigern wir quasi die Reputa­tion der Stadt? Wie stärken wir den Tourismus ein Stück weit auch? Sind ein paar sehr inter­es­sante Punkte dabei gewesen. Was machen wir für die, die da sind? Profi­tieren die einfach mit davon? Oder gibt’s dann doch nochmal was, wo der typische Wolfs­burger – und du bist ja einer, genau wie ich auch – wo der davon profitiert?

Dennis Weilmann
Also ich glaube, die Wolfs­burger profi­tieren natürlich ein Stück weit von dem mit, was wir insgesamt gestalten. Wir machen das ja nicht für die Touristen. Der Allerpark, die Autostadt und die vielen Dinge sind ja auch für die Wolfs­burger und sogar primär für die Wolfs­burger da. Und das ist natürlich etwas, was auch das Lebens­ge­fühl in dieser Stadt massiv steigert. Aber was wir ganz dringend tun müssen, ist eben auch das Thema Famili­en­ge­rech­tig­keit und Famili­en­freund­lich­keit weiter als oberstes Ziel zu trans­por­tieren. Wir brauchen tolle Schulen, wir brauchen tolle Kitas, tolle Sport­an­lagen. Das alles ist das, was uns ein Stück auszeichnet. Und dann eben dazu: die Stadt im Grünen. Wir haben tolle Natur­schutz­ge­biete. Wir haben hier aber gleich­zeitig kurze Wege. Das heißt, man kann gleich­zeitig mitten im Drömling wohnen und gleich­zeitig aber dann trotzdem in zehn Minuten wieder mit dem Bus in der Innen­stadt sein. Also das ist, glaube ich, das, was Wolfsburg ausmacht. Und diese Stärken, die müssen wir uns vornehmen, noch weiter auszu­bauen und hier Wolfsburg in die Zukunft zu führen.

Lars Vollme­ring
Und du als OB-Kandidat, der genau dafür antritt – warum bist du dann auch der Richtige, um das voranzubringen?

Dennis Weilmann
Naja, ich glaube, dass ich einfach gut geeignet bin für die Position, weil ich einfach gebür­tiger Wolfs­burger bin, weil ich weiß, wie die Wolfs­burger ticken. Also meine Eltern sind hier in Wolfsburg geboren. Meine Großel­tern sind hier vor mehr als 70 Jahren nach Wolfsburg gekommen, haben die Stadt ein Stück mit aufgebaut. Meine Kinder sind hier geboren. Ich weiß, wie die Menschen hier ticken. Und ich glaube, das ist eine ganz wichtige Voraus­set­zung, um am Ende auch Entschei­dungen für die Stadt treffen zu können. Und vor dem Hinter­grund freue ich mich, dass einfach im Moment mich ganz viele Leute auch da unter­stützen und freue mich auf die nächsten Monate, wo ich dann hoffent­lich mit ganz vielen Menschen in den Austausch kommen kann, weil mir da einfach ganz viel daran liegt. Und ich möchte Wolfsburg weiter­ent­wi­ckeln. Meinen Beitrag leisten für meine Heimatstadt.

Lars Vollme­ring
Ganz wichtige Entschei­dung natürlich dann auch für die Stadt im September, wenn das ansteht. Ich würde gerne zum Schluss einmal noch Marcel und dann auch dich, Dennis, noch fragen: Eure Vision für Wolfsburg, für das Lebens­ge­fühl Wolfsburg, über das, was wir gespro­chen haben – wo seht ihr Wolfsburg? Und wir haben gesehen oder gehört, das ist ja ganz eng verknüpft mit dem VfL. Wie seht ihr das in den nächsten fünf bis zehn Jahren?

Dennis Weilmann
Ich glaube, für Wolfsburg ist es ganz wichtig, dass wir der Wirtschafts­standort in Nieder­sachsen bleiben, dass wir die Wirtschafts­kraft auch behalten, gemeinsam mit Volks­wagen. Und das führt dann auch automa­tisch dazu, dass wir die finan­zi­ellen Spiel­räume haben, um die vielen famili­en­freund­li­chen, kultu­rellen, sozialen Projekte umzusetzen, die es braucht. Wolfsburg muss die famili­en­freund­liche Stadt bleiben. Wolfsburg muss die grüne Stadt bleiben. Wolfsburg muss aber auch die Stadt bleiben, die immer ein Stück weit auch das Thema Zukunft im Blick hat. Also natürlich möchte ich gerne, dass wir in den nächsten zehn Jahren die Stadt sind, wo das erste Mal auch autonomes Fahren statt­findet. Dass wir die Mobili­täts­kon­zepte der Zukunft hier auch in Wolfsburg ein Stück auspro­bieren. Ich glaube, das ist alles ein Stück weit das, was wir in Wolfsburg immer gut gemacht haben, dass wir immer ein Stück weiter schon gedacht haben. Das möchte ich gerne weiter­ma­chen. Aber unsere Werte – Famili­en­freund­lich­keit, Stadt im Grünen – die müssen unbedingt erhalten bleiben. Und dafür will ich mich einsetzen.

Marcel Schäfer
Da kann ich mich nur anschließen. Also sowohl die Stadt Wolfsburg als auch der VfL sollte in zehn Jahren dafür stehen, dass man Leute begeis­tert. Sowohl die eigene Bevöl­ke­rung, die hier in Wolfsburg lebt, als auch dieje­nigen, die Wolfsburg besuchen. Das ist uns ja bis dato immer besser gelungen. Und wenn wir die Punkte, die wir heute in dem Podcast angespro­chen haben, wo man vielleicht ansetzen möchte, auch als Stadt, aber auch wir als VfL. Ohne die Werte, sage ich mal, zu verlieren, dann sind wir absolut auf dem richtigen Weg. Und das Schöne an der ganzen Sache ist, dass wir nicht nur drüber geredet haben, sondern dass sowohl Dennis als auch ich auf der jewei­ligen Seite auch das Ganze aktiv mitge­stalten wollen und können. Und genau dieses Feuer, das man bei uns glaube ich auch raushört, dass es auch ein Stück weit in uns brennt diese Stadt, diesen Club ein Stück weit voran­zu­bringen. Ich glaube, das braucht man auch. Und das Schöne ist, Dennis noch ein Stück weit mehr, das hat man auch klar heraus­ge­hört – er kennt die Stadt, er versteht die Menschen hier, er versteht auch die Bedürf­nisse. Und deshalb ist er für mich auch absolut der richtige Mann, da in den nächsten Jahren feder­füh­rend die Stadt, sage ich mal, auf ein neues Niveau zu entwi­ckeln. Und das traue ich ihm absolut zu. Drücke da alle Daumen. Und ja, sollte er Hilfe brauchen, werde ich jederzeit zur Verfügung stehen.

Lars Vollme­ring
Damit sind wir am Ende der dritten Folge von “Sach mal, Dennis…”. Und ja, wir haben geplau­dert über “Meine Stadt – Lebens­ge­fühl Wolfsburg”. Und das zusammen mit Marcel Schäfer, sonst eigent­lich immer unterwegs im Bereich, haupt­säch­lich, im Bereich Fußball. Jetzt hat er mal so ein bisschen erzählt, was ihm Wolfsburg bedeutet. Ja. Danke, dass du mit dabei gewesen bist, Marcel.

Marcel Schäfer
Ja, sehr gerne. Danke euch beiden. Hat mir sehr, sehr viel Spaß gemacht, mal über andere Inhalte zu sprechen als nur über den Fußball. Und kann ja die Stadt jetzt mittler­weile sehr, sehr lange beurteilen und hoffe, dass wir auch viele Dinge ansetzen können, die das verbes­sert. Dann danke euch beiden.

Lars Vollme­ring
Ja. Danke auch an Dennis Weilmann, Namens­geber des Podcasts. Ich glaube, hat er gut gemacht als Botschafter der Stadt sozusagen.

Dennis Weilmann
Hat er gut gemacht. Immer gerne wieder und freue mich auf sozusagen das Revival in 10 Jahren dann.

Marcel Schäfer
Ja, absolut. Heute habe ich hier nicht als Sport­di­rektor des VfL gespro­chen, sondern auch als Wolfs­burger Bürger. Und mich so bezeichnen zu dürfen, das macht einen auch ein Stück weit stolz.

Lars Vollme­ring
Ja, das war’s mit “Sach mal, Dennis…”. Vielen Dank fürs Zuhören. Und wir hören uns wieder in der nächsten Folge.

Off
“Sach mal, Dennis…” – der Wolfsburg Podcast mit Dennis Weilmann und Lars Vollmering.