Im Lockdown abgeschnitten – die aktuelle Situation für das Wolfsburger Handwerk!

Zum 1. März dürfen zumindest die Friseu­rinnen und Friseure ihre Salons öffnen. Licht am Ende des Tunnels oder viel zu spät zur Existenz­ret­tung? Dennis Weilmann und Lars Vollme­ring sprechen in der zweiten Folge von “Sach mal, Dennis…” mit Friseur­meis­terin Nadine Rücker stell­ver­tre­tend über die aktuelle Situation im Wolfs­burger Handwerk, die emotio­nale und persön­liche Belastung des Lockdowns sowie die Signal­wir­kung und Perspek­tive auch für andere Wirtschaftsbranchen.

Transkript

Off
“Sach mal, Dennis…” – der Wolfsburg Podcast mit Dennis Weilmann und Lars Vollmering.

Lars Vollme­ring
Hallo und herzlich willkommen zur zweiten Folge von “Sach mal, Dennis…”, dem Wolfsburg Podcast über die wichtigen Themen in unserer Stadt. Und ich begrüße hier an meiner Seite OB-Kandidat, Stadt­de­zer­nent und Namens­geber des Podcast: Dennis Weilmann. Hallo!

Dennis Weilmann
Lars, grüße dich! Hallo!

Lars Vollme­ring
Ja, wir haben letztes Mal aufge­zeichnet, da hatten wir den Florian Hary zu Gast von DEHOGA und haben auch entspre­chend Resonanz erhalten auf den Podcast. Dennis, sach mal, wie war’s denn so?

Dennis Weilmann
Ja, ich war tatsäch­lich überwäl­tigt. Wir wussten ja alle nicht, wie das so ankommt und haben das einfach mal auspro­biert. Und ich glaube auch der Florian Hary hat sich hier sehr wohlge­fühlt, hat auch echt Spaß gemacht. Aber die Reaktionen waren einfach toll. Also ich habe ganz viel positives Feedback bekommen, sowohl was das Format angeht, aber auch inhalt­lich viel Zustim­mung erfahren. Und vor dem Hinter­grund, ja, können wir glaube ich ganz zufrieden sein mit der ersten Folge.

Lars Vollme­ring
Ja, das freut mich. Und natürlich auch Grund, das Ganze fortzu­setzen heute mit Folge Nr. 2. Auch natürlich wieder mit einem wichtigen Thema und natürlich auch geprägt von der aktuellen Situation durch Corona. “Im Lockdown abgeschnitten” haben wir die Folge genannt – “die aktuelle Situation für das Wolfs­burger Handwerk” – und haben uns da wieder einen Gast hier mit dazu genommen. Und da freue ich mich sehr drüber. Und das ist die Nadine Rücker. Sie ist Friseur­meis­terin und Inhaberin der Haarma­nu­faktur. Hallo Nadine!

Nadine Rücker
Hallo Lars, guten Morgen.

Lars Vollme­ring
Ja, schön, dass du mit dabei bist und hier dann auch ein bisschen was erzählen möchtest über die Situation, was deine persön­liche Geschichte angeht, insbe­son­dere auch den Betrieb und mit den Frisören in unserer Stadt. Das ist ja auch eine wichtige Branche. Und da gab’s ja jetzt aufgrund der Entschei­dungen der Bundes­re­gie­rung dann auch eine aktuelle Entwick­lung. Ihr dürft am 1. 3. wieder öffnen. Es ist aber so, dass man sich jetzt fragen kann “1. 3. – ist das jetzt Licht am Ende des Tunnels oder ist die Branche so stark betroffen, oder du letzt­end­lich auch, dass da gar keiner mehr aufmachen kann, weil die Situation so verfahren oder so schlecht ist, dass man sagt “Jetzt sind wir eh alle pleite, jetzt ist es eh zu spät”?

Nadine Rücker
Nein, also es ist auf jeden Fall ein Licht am Ende des Tunnels. Darüber freuen wir uns alle. Und da würde ich einfach für uns alle Frisöre sprechen, dass wir uns total freuen darüber und endlich eine verbind­liche Perspek­tive haben, dass es weiter­gehen kann.

Lars Vollme­ring
Ja, die Perspek­tive, Dennis, das ist, glaube ich, das Entschei­dende bei diesem Punkt.

Dennis Weilmann
Ja, ich glaube auch. Wir haben das ja beim letzten Mal schon gesagt. Wir brauchen irgendwo auch eine Perspek­tive für alle Branchen, die hier von der Corona­pan­demie betroffen sind. Und es gibt ja jetzt auch vom Land Nieder­sachsen einen Stufen­plan, wo man so ein bisschen auch sehen kann, wie sich das Land das vorstellt. Das ist ehrli­cher­weise für viele natürlich auch ein Stück frustrie­rend, wenn man sieht, mit welchen Inzidenz­werten hier gearbeitet wird. Und wenn ich gerade auch für die Kultur­branche hier einfach mal drauf gucke, dann sind viele Dinge dann erst ab einer Null-Inzidenz wieder möglich. Und das ist natürlich für viele im Moment eine sehr frustrie­rende Perspek­tive. Deswegen freue ich mich sehr auch für die Frisöre, freue mich für Nadine, aber sehe natürlich auch, dass ganz viele Branchen im Moment noch große Probleme haben und auch existen­zi­elle Sorgen. Der Einzel­handel, die Gastro­nomie, die wir beim letzten Mal betrachtet haben, aber eben auch die Kulturbranche.

Lars Vollme­ring
Stichwort Handwerk – da bist du ja sozusagen als Vertre­terin heute hier und du bist auch privat – ja, ich sage mal – hast Einblick in andere Branchen, wie da die Situation ist. Kannst du einmal auch vielleicht den Vergleich ziehen zu anderen – ja, ich sage mal – Kollegen, in die Richtung. Von wegen “Was kann ich als Friseur überhaupt machen oder leisten” in dem Sinne im Moment? Und was dürfen andere? Also ich sage mal, ihr könnt ja nicht “to go” irgend­etwas machen, wie z. B. in der Gastro­branche oder so. Wie ist denn da die Situation?

Nadine Rücker
Ich lebe “gepatch­worked” sozusagen. Und auch dadurch habe ich im privaten Bereich alle verschie­denen Einblicke. Mein Lebens­ge­fährte z. B. ist in der Gastro­nomie und der Vater meiner zwei Kinder hat z. B. ein Tattoo­studio und die haben ja jetzt schon seit, ja, innerhalb eines Jahres 7 Monate zu. Und die können auch erst recht gar nichts machen. Und das ist natürlich sehr schade, weil man fühlt da auch mit. So, wir haben jetzt die Perspek­tive und dürfen wieder öffnen, aber auch vorher, klar, Haare­schneiden “to go” geht nicht. Wir haben versucht, unsere Kunden mit z. B. Produkten zu versorgen über Postwege oder Abhol­zeiten oder solche Sachen, um einfach in Verbin­dung zu bleiben. Und ja, so ein bisschen einfach auch für die Kunden eine Perspek­tive zu schaffen oder Möglich­keiten zu bieten – über die sozialen Netzwerke, mit verschie­denen Tipps für zuhause oder irgend­wel­chen Tutorial-Videos, um da einfach, ja, eben in Verbin­dung zu bleiben.

Lars Vollme­ring
Da gehen wir gleich noch ein bisschen ausführ­li­cher drauf ein. Ich wollte ein mal noch die Frage stellen: Wie geht’s dir denn persön­lich im Moment? Und auch wie ist die Situation bei dir im Geschäft? Also in der Haarmanufaktur.

Nadine Rücker
Ja, also persön­lich ist es ein Auf und Ab, weil man hat auf jeden Fall Existenz­ängste. Mal mehr, mal weniger natürlich. Jetzt mit der verbind­li­chen Perspek­tive, ja, da kommt wieder so eine gewisse Euphorie und Motiva­tion hoch, aber die persön­li­chen Reserven, die sind endlich und die sind halt dann auch aufgebraucht.

Lars Vollme­ring
Stichwort Reserven – wie sieht’s aus mit den Mitar­bei­tern im Moment? Habt ihr Kurzar­beit? Wie muss man sich das vorstellen?

Nadine Rücker
Das ist teils, teils. Im Grunde genommen sind alle in Kurzar­beit. Die Auszu­bil­denden sind nicht in Kurzar­beit, die werden weiter ausge­bildet und auch trainiert. Im Salon täglich an Puppen­köpfen werden Schnitt­tech­niken, Sträh­nen­tech­niken gezeigt. Und da machen wir das auch mit den Mitar­bei­tern wie in so einem Wechsel­ka­rus­sell. Immer kümmert sich einer um die Azubis mit einem bestimmten Thema. Ob jetzt nun Strähnen, Schnitt­tech­niken oder hochste­cken. Alles, was unser Beruf so zu bieten hat. Und die Stunden werden dann gutge­schrieben. Aber ansonsten sind alle in Kurzar­beit, ja.

Lars Vollme­ring
Wenn die Friseure und Friseu­rinnen nicht arbeiten dürfen, dann ist die gesamte Bevöl­ke­rung betroffen. Dennis, du siehst doch gut frisiert aus. Wie kommt’s? Also ich sehe aus wie so ein aufge­platztes Monchhichi nach der langen Zeit jetzt. Aber wie gehst du damit um mit der Situation?

Dennis Weilmann
Ich bin nicht sicher, ob das hier fachlich abgenommen werden würde von Nadine, aber ich bin froh, dass meine Frau das tatsäch­lich übernommen hat.

Lars Vollme­ring
Ach, sieh’ an!

Dennis Weilmann
Ja, ich habe sie motiviert und sie hat sich range­traut. Und ich bin zumindest mit dem Ergebnis zufrieden. Aber ich glaube, sowohl meine Frau wie auch ich sind dann froh, wenn dann ab März wieder die Friseure aufhaben und sie dann die Schere wieder in der Schublade verschwinden lassen kann. Nein, das ist natürlich so, das ist ein Thema und das bewegt ja auch die Gemüter aktuell. Es gibt natürlich auch Branchen, die sagen “Warum jetzt die Friseure am 1. 3. und wir nicht?” Auch die Diskus­sionen erlebe ich natürlich. Und das sind natürlich Fragen, mit denen man sich beschäf­tigen muss. Ja, da gibt’s die Aussage natürlich auch “Es geht hier nicht um nur um schöne Haare, sondern es geht vor allem auch um Hygiene”. Auch das ist natürlich ein Thema, was man betrachten muss. Aber am Ende wird man ohnehin, glaube ich, zu der Erkenntnis kommen, man wird in dieser Corona­pan­demie mit Gerech­tig­keits­grund­sätzen nur sehr schwer umgehen können, weil am Ende sind es immer politi­sche Entschei­dungen, die Moment­auf­nahmen sind. Und da möchte ich ehrli­cher­weise auch mit mit einer Bundes­kanz­lerin aktuell nicht tauschen. Die hat es nicht leicht. Aber wir werden auch nicht müde, auch gemeinsam hier in Wolfsburg, auch als Vertreter für die lokale Wirtschaft, immer wieder darauf hinzu­weisen, dass es auch für die Branchen, die im Moment es noch viel, viel schwerer haben, dass wir hier auch Lösungen brauchen. So wie jetzt eine Lösung da ist, eine Perspek­tive da ist für die Frisöre braucht es das auch für andere Branchen.

Lars Vollme­ring
Bezogen aufs Wolfs­burger Handwerk: Was hast du da mitbe­kommen oder was kriegst du da mit? Wie ist da die Situation? Gibt’s da Paral­lelen, Unter­schiede? Du hast schon gesagt, da gibt’s so ein bisschen Unmut in die Richtung Friseure. Aber ich kann auch aus dem privaten Bereich noch erzählen. Ich hatte neulich Handwerker da. Die haben sich über den Boiler gekümmert oder um die Heizung oder ein Tischler war da. Das heißt, die können ja normal arbeiten. Andere Handwerks­be­triebe können das nicht. Was bekommst du da mit?

Dennis Weilmann
Ja, das ist so. Aber ich würde es auch gar nicht Unmut nennen. Ich glaube, alle sind sehr solida­risch im Moment und man gönnt das auch den Friseuren. Also das erlebe ich zumindest in den Gesprä­chen. Also da gibt’s keinen, der sagt “Mensch, ist ja irgendwie ärgerlich”, sondern ganz im Gegenteil. Aber natürlich wünschen sich alle anderen das auch und in der Handwerks­branche ist es sicher­lich sehr diffe­ren­ziert zu betrachten. Das Bauhand­werker hat aktuell glaub’ ich noch ganz gute Auftrags­bü­cher, gefüllte Auftrags­bü­cher. Aber auch das wird natürlich sich ein Stück verändern, wenn die Situation so ist, wie sie ist, weil natürlich dann einfach Leute nicht mehr so viel Geld haben zu inves­tieren, auch Unsicher­heit weiterhin da ist und man dann mit Beauf­tra­gungen von Handwerks­leis­tungen auch vorsich­tiger wird. Also das ist ein sehr komplexes Thema und wird weitrei­chende Folgen auch für die Wirtschaft und auch fürs Handwerk haben.

Lars Vollme­ring
Nadine, jetzt ist das Thema Friseure in der Gesell­schaft sehr emotional besetzt, habe ich den Eindruck. Wie gehst du persön­lich damit um? Also ich erinnere daran, gab es jetzt vor kurzem ein sehr beach­tetes Video, was über Social Media gegangen ist, wo eine Kollegin von dir aus Dortmund in Tränen aufgelöst über ihre persön­liche Situation berichtet hat. Jetzt geht’s mir nicht darum zu erfahren, ob du auch mal auf dem Bett sitzt und mal weinst über die ganze Geschichte, sondern eher so in die Richtung – muss man auch mal Seelen­tröster sein? Also auch für deine Mitar­beiter, musst du da jetzt mehr sein als “Chefin” oder wie sieht das bei euch aus?

Nadine Rücker
Also wir haben sowieso ein sehr familiäres Verhältnis im Team. Ich denke, das kann auch Dennis als Kunde bestätigen.

Dennis Weilmann
Absolut.

Nadine Rücker
Dass man sich, ja, wie in einer großen Familie fühlt. Und das versuche ich auch jetzt die ganze Zeit während des Lockdowns aufrecht­zu­er­halten, indem wir, ja, wir machen immer Zoom-Meetings, wir machen lustige Videos oder jeder für sich –

Lars Vollme­ring
Zur Motiva­tion und zur Unterstützung?

Nadine Rücker
Ja, genau. Sodass wir wirklich immer, ja, sag’ ich mal trotzdem noch das Gefühl haben, gemeinsam zu sein.

Lars Vollme­ring
Und wie kommt das an? Also fordern das deine Mitar­beiter auch ein oder machen die selber Vorschläge? Wie muss man sich das vorstellen?

Nadine Rücker
Ja, so kann man das sagen, weil sie haben natürlich auch Ängste. Und ich hab aber vorab gesagt, dass ich alles geben werde. Auch, dass ich niemanden entlassen muss. Und das möchte ich auch nicht. Und da würde ich halt alles für geben, dass das auch so bleibt.

Dennis Weilmann
Ich finde das ganz toll, dass tatsäch­lich auch diese positive Grund­stim­mung trotzdem vermit­telt wird nach außen, weil ich glaube, am Ende ist es doch so, die Situation ist gerade Mist für alle. Aber trotzdem – es hilft ja nichts. Die Situation ist eben da und alle haben auch Verständnis dafür, dass das Thema Gesund­heits­schutz natürlich ganz oben steht aktuell, dass das höchste Priorität hat. Und da trotzdem ein Stück optimis­tisch zu bleiben, fällt natürlich den Betei­ligten zunehmend schwer. Ich freue mich aber über jeden, der das immer noch schafft und nach außen trans­por­tiert. Ich glaube, das bringt uns am Ende auch weiter.

Lars Vollme­ring
Ja Nadine, wir haben gerade so ein bisschen gehört, wie es bei euch aussieht in der Branche, wie es bei dir aussieht im Laden, wie du damit umgehst, wie die Mitar­beiter und die Mitar­bei­te­rinnen damit umgehen. Jetzt kannst du einmal auch vielleicht sagen: Was sind denn jetzt auch vielleicht Forde­rungen von deiner Seite aus? Was möchtest du denn quasi auch, was passiert? Bezogen auch jetzt auf deine Branche, auf deine Situation. An zum Beispiel Stadt, Kommune etc.

Nadine Rücker
Also schön ist schon mal, dass wir diese verbind­liche Perspek­tive haben. Und ich denke auch, es geht ja auch oft um die System­re­le­vanz. Und ja, wer entscheidet das überhaupt, wer, was, wie system­re­le­vant ist? So wie Dennis vorhin gesagt hat, das sind alles schwere Entschei­dungen. Und ich denke aber, dass auch in unserem Handwerk z. B. eben für alle – egal ob jetzt für den Politiker oder für die Mutter zuhause, die vielleicht mit dem Homeschoo­ling überfor­dert ist -, dass diese kurze Auszeit zum Beispiel beim Friseur einfach dafür sorgt, dass sie auch für alles wieder ein bisschen mehr Kraft hat, weil sie einfach selber wieder ein Stück Positi­vität bekommen hat. Auch durch uns, weil wir haben ja schon manchmal mehr Aufgaben als nur die Haare schneiden, sag’ ich jetzt einfach mal so. Und ansonsten, ja, fänd’ ich es z. B. auch toll, wenn die Städte z. B. eigene Pläne nach Inzidenzen machen würden und nicht so überre­gional oder landesweit.

Lars Vollme­ring
Also spezi­fi­scher quasi auf die Region bezogen?

Nadine Rücker
Ja, genau.

Dennis Weilmann
Das ist übrigens eine Forderung, die wir auch haben, dass wir auch sagen, wir brauchen perspek­ti­visch mehr Verant­wor­tung in den Kommunen. Das ist das, was ich mir auch wünschen würde, weil, glaube ich, vor Ort manches besser entschieden werden kann. Auf der einen Seite wollen wir den Flicken­tep­pich nicht haben, dass wir überall unter­schied­liche Wege fahren. Aber ich glaube, es gibt gute Gründe, dass man auch indivi­duell vor Ort auch mal hinschaut. Und jetzt bin ich ganz bewusst nochmal in einer anderen Branche. Wenn ich unser Theater mir anschaue, hat das sicher­lich ganz andere Möglich­keiten als ein kleines Theater, was mitten in der Innen­stadt irgendwo ist. Unser Theater mit großem Foyer, mit viel Platz drumherum hat sicher­lich ganz andere Möglich­keiten. Und da denke ich, muss man auch genauer hinschauen. Und da haben wir sicher­lich vor Ort auch als Kommune den besten Einblick und können es vielleicht manchmal auch besser entscheiden, als wenn es sozusagen von Landes und Bundes­ebene pauschal passiert.

Lars Vollme­ring
Aber welche Einfluss­mög­lich­keiten habt ihr denn dann überhaupt? Also es ist ja offen­sicht­lich so gerade, dass auch die Geschichte “Wer legt denn das jetzt irgendwie fest? Was ist denn jetzt system­re­le­vant oder nicht?” Das fällt ja wahrschein­lich nicht in eure Befugnis, was das angeht.

Dennis Weilmann
Ja natürlich ist es so, vom Grunde, die Richt­linie ist eine Landes­richt­linie. Das Land Nieder­sachsen legt also die Grund­sätze fest und als Stadt Wolfsburg hat man nur die Möglich­keit, das zu verschärfen. Also ich kann da keine Locke­rungen einbauen, weil ich das für richtig halte. Ich würde es aber für gut halten, wenn wir in die Richtung kommen, dass wir an der einen oder anderen Stelle mehr Verant­wor­tung auch auf der kommu­nalen Seite sehen. Denn auch die Inzidenz­werte sind ja sehr unter­schied­lich in den Bereichen und da kann man sicher­lich auch nochmal ein Stück gucken, wie man damit umgeht.

Lars Vollme­ring
Klingt das gut für dich, Nadine?

Nadine Rücker
Ja ja, auf jeden Fall. Ein Punkt wäre noch die Mehrwert­steu­er­sen­kung in unserem Bereich wie z. B. auch in der Gastro­nomie auf 7 Prozent.

Lars Vollme­ring
Auch wieder ein Punkt, der logischer­weise nicht bei der Stadt liegt. Aber – Zustim­mung oder gangbarer Weg?

Dennis Weilmann
Wir müssen im Moment alles tun, um die Branchen zu unter­stützen. Und das sind gute Wege. Es ist gut, dass das für die Gastro­nomie jetzt funktio­niert. Aber wir müssen auch für die anderen Branchen, die betroffen sind, auch jetzt möglichst viele Wege finden. Denn die Krise wird nicht vorbei sein und die Krise ist auch dann nicht vorbei, wenn hoffent­lich im Herbst dann die die Impfungen soweit sind, dass wir alle ein Stück zur Norma­lität zurück­kommen. Trotzdem werden einige Branchen einfach weiterhin das ganz, ganz Böse zu spüren bekommen. Wenn du am Ende ein Jahr lang quasi keine Einnahmen hast, und das ist bei einigen Branchen so, dann lässt sich das nicht mal einfach so kompen­sieren, sondern das hat Folgewirkungen.

Lars Vollme­ring
Und Nadine, ihr steht noch vor weiteren Heraus­for­de­rungen oder ihr standet in den vergan­genen Monaten vor Heraus­for­de­rungen, nämlich in die Richtung: Wie haben denn eigent­lich die Kunden reagiert? Also im Sinne von “Könnt ihr nicht doch mal mal mit der Schere ansetzen?”

Nadine Rücker
Ja, auch das gibt es. Aber da muss ich vorweg sagen, dass wir ganz, ganz tolle Kunden haben, die uns ganz viel Mut zuspre­chen und einfach uns wirklich zwischen­durch kontak­tieren, um einfach zu sagen “Hey, wir denken an euch. Wir warten auf euch, wir freuen uns auf uns. Aber klar, die andere Seite gibt es auch.

Lars Vollme­ring
Ist ja auch verständ­lich, also ich sage ja, ist ja ein emotional besetztes Thema. Geht ja jedem so, dass er sagt “Ah” – man fühlt sich nicht so gut oder man möchte jetzt wieder besser aussehen. Ist ja auch immer ein persön­li­ches Empfinden dabei. Aber die konkreten Anfragen “Kommst du mal eben vorbei und machst du mal eben?”, die gab’s schon?

Nadine Rücker
Die gab es auf jeden Fall. Also selbst persön­lich an mich – man denkt ja eigent­lich immer na ja, ne Chefin oder so – jetzt nicht. Eher die Mitar­beiter. Aber nee. Also gab’s in alle Richtungen. Aber da sind wir alle konse­quent, weil die Verant­wor­tung möchte keiner übernehmen. Das Risiko möchte keiner von uns übernehmen. Und meine Mitar­beiter sagen glück­li­cher­weise von selber “Nee, da verbaue ich mir ja auch quasi meinen zukünf­tigen Lohn, wenn ich das jetzt mache und derjenige halt danach immer das so gemacht haben möchte.” Weil wir haben bei uns jetzt ein Provi­si­ons­system und dann sagen die “Nee, dann muss ich ja darauf verzichten, wenn ich das immer weiter machen würde.”

Lars Vollme­ring
Ist wahrschein­lich auch nicht zu empfehlen, das schwarz zu machen.

Dennis Weilmann
Und was überhaupt nicht hilfreich ist, ist, wenn dann benach­barte Bundes­länder das ganz anders regeln und nämlich dort sozusagen Friseure ins Haus kommen dürfen. Da fragen sich natürlich dann die Friseure in Nieder­sachsen “Warum geht das in Bremen und bei uns nicht?” Das führt natürlich auch nicht dazu, dass man an der Stelle viel Verständnis mitbringt.

Lars Vollme­ring
Ja, und das schafft auch kein Vertrauen, würde ich mal sagen in dem Sinne. Nadine, was wünschst du dir denn auch, sagen wir mal, von der Branche in Wolfsburg? So unter­ein­ander bei den Friseuren und Friseurinnen.

Nadine Rücker
Das ist das Stichwort: unter­ein­ander. Nämlich ein Mitein­ander würde ich mir wünschen. Also es gibt da immer so ein paar, mit denen man sich austauscht und wo man immer in Verbin­dung bleibt. Aber ein größeres Mitein­ander und ein größerer Austausch, mehr Treffen unter den Salon­in­ha­bern und ‑inhabe­rinnen. Und da ein wirkli­cher Austausch in der Stadt, um da auch in verschie­dene Bereiche ein großes Mitein­ander zu erwirken. Das wäre toll.

Lars Vollme­ring
Könnt ihr das fördern, Dennis? In irgend­einer Form?

Dennis Weilmann
Ja natürlich. Es gibt ja auch verschie­denste Veran­stal­tungs­for­mate, wo wir also auch die Wirtschafts­ver­treter in Wolfsburg auch einladen, damit man einfach immer mal zusam­men­kommt. Das geht natürlich im Moment gerade nicht. Ich hoffe, dass wir da auch wieder hinkommen. Es gibt sicher­lich die digitalen Formate, aber ich wünsche mir schon, dass auch das persön­liche Treffen irgend­wann wieder möglich ist. Und ich glaube, dass das ganz wichtig ist auch für den Zusam­men­halt. Kann ich nur unterstützen.

Lars Vollme­ring
Nadine, du hast auch gerade schon mal ein bisschen angedeutet. Stichwort Azubis, wie da geschnitten wird an Puppen­köpfen hast du gesagt, glaube ich -

Nadine Rücker
Ja, genau.

Lars Vollme­ring
– wo da geübt werden muss. Was nimmst du da wahr? Das sind jetzt junge Leute, die diesen Beruf ergreifen wollen, die jetzt reinge­rutscht sind in diese Corona Situation. Es ist auch immer so ein bisschen die Rede von “Lost Genera­tion”. Hast du da den Eindruck, dass da jetzt viel hinter­fragt wird? “Ist das jetzt das Richtige, was ich mache? Vielleicht sollte ich doch nochmal umsatteln.” Oder was nimmst du da auch gerade von den jungen Kollegen wahr?

Nadine Rücker
Also, nee. Meine Auszu­bil­denden sind total happy, dass sie jetzt auch eben in dieser Zeit -

Lars Vollme­ring
Die wollen durch­ziehen quasi?

Nadine Rücker
Ja, dass sie auch gerade jetzt in dieser Zeit die Möglich­keiten haben, so sehr geschult zu werden wie eigent­lich fast noch nie sozusagen. Also die werden gerade richtig fit gemacht und sind total begeis­tert. Sie selber wiederum haben den Austausch mit ihren anderen Mitschü­lern durch den Online-Berufschul­un­ter­richt. Und da sieht’s tatsäch­lich ganz unter­schied­lich aus. Also es gibt nicht so viele Betriebe, die das so machen. Wobei man ja jetzt wirklich die Zeit hat und die Chance nutzen sollte, gerade die jungen Azubis voll durchzuschulen.

Lars Vollme­ring
Das heißt, wenn das bei den Azubis so ist, setze ich jetzt mal voraus, bei dir ist das auch so. Also du hast auch keine Zweifel oder willst nochmal umsatteln? Oder die Kolle­ginnen und Kollegen haben vielleicht gesagt “Ich muss jetzt auch nochmal gucken, dass ich nochmal beruflich was anderes mache”, in dem Sinne. Weil das halt vielleicht eine unsichere Zukunfts­per­spek­tive ist.

Nadine Rücker
Nein -

Lars Vollme­ring
Also du gehst jetzt nicht auf’m Bau arbeiten irgend­wann oder so?

Nadine Rücker
Naja, wenn, dann hab ich ja jetzt genug geübt und hab meine Wände ja verspach­telt. Nee. Also alle, die in meinem Team sind, die freuen sich einfach darauf und die möchten nicht umsatteln. Und durch den Kontakt – also sie haben einfach total Bock, sind wirklich motiviert. Wir haben uns alle weiter­ge­bildet. Es gab ganz viele Online-Schulungen und es ist ja wirklich in der in der Digita­li­sie­rung ganz ganz viel möglich. Und da springen wir einfach auch total mit drauf und versuchen alles möglich zu machen.

Dennis Weilmann
Und was ja einfach auch toll ist, wenn man sieht, wie ihr – und ich weiß, das ist bei anderen Friseuren und anderen Branchen auch so – einfach auch mit der Situation umgeht. Ganz viel habt ihr inves­tiert, auch um natürlich das Thema Plexi­glas­wände aufgebaut, dafür gesorgt, dass die Abstände viel besser einzu­halten sind, dass die Wegefüh­rung im Salon funktio­niert. Und natürlich, was auch nicht selbst­ver­ständ­lich ist, einfach die Öffnungs­zeiten extrem ausge­weitet. Ich glaube, ihr habt teilweise morgens um 7 angefangen und bis spät in die Nacht. Also das ist natürlich auch nicht selbst­ver­ständ­lich und da müssen die Mitar­bei­te­rinnen und Mitar­beiter auch erst mal mitmachen, ne?

Nadine Rücker
Ja, aber die fanden das total toll. Also wir haben ein Schicht­system seit November, also seit dem Teil-Lockdown, einge­führt, weil ja da in Nieder­sachsen die Quadrat­me­ter­auf­lage schon dazu kam. Und die fanden das total toll, weil gerade in unserem Beruf ist ja sonst immer eher so die Öffnungs­zeiten und Arbeits­zeiten halt so, ja, nicht so gut, weil man eben den ganzen Tag einfach nichts anderes mehr schafft. Und jetzt mit den Schichten, die möchten das alle, dass das am liebsten auch, wenn das alles mal vorbei ist, beibe­halten wird. Und wir haben gesagt, wir werden das jetzt erst mal bis zum Sommer oder vielleicht das ganze Jahr jetzt erst mal durch­ziehen. Und ja, unsere Öffnungs­zeiten sind dann von 7 bis 22 Uhr. Und ja, eben in Schichten, dass ich auch einfach alle Mitar­beiter halten kann. Weil das wäre sonst nicht möglich. Das wäre eben die Alter­na­tive. Also Schichten oder es können nicht alle bleiben.

Lars Vollme­ring
Und über konstruk­tive Lösungs­an­sätze und wie es vielleicht auch weiter­gehen kann in Zukunft, reden gleich hier im dritten Teil bei “Sach mal, Dennis…”.

Lars Vollme­ring
Ja wir haben jetzt ganz viel gehört über das Friseur­hand­werk in Wolfsburg und wie die Situation ist, insbe­son­dere dann auch in der Firma von Nadine. Ja, sach mal, Dennis, jetzt hast du dir ja sozusagen schon mal einen Eindruck gemacht. Was machen wir mit dieser Situation jetzt? Gerade auch für die Friseure im Beson­deren, aber auch natürlich fürs Handwerk im Allgemeinen.

Dennis Weilmann
Na, jetzt hoffen wir zumindest erstmal alle gemeinsam und tun weiterhin ganz viel dafür, dass die Infek­ti­ons­zahlen weiterhin sinken. Das ist ja nun einfach sehr positiv, was wir gerade erleben. Der Weg ist richtig. Die Impfungen laufen sehr schlep­pend an. Auch da hoffen wir, dass das bald viel, viel mehr funktio­niert und dass wir dann im Herbst alle in der Situation sind, dass wieder vieles möglich ist, was wir uns seit langer Zeit wünschen. So, und vor dem Hinter­grund der Friseure und anderen Branchen kommt dann hoffent­lich wieder eine Situation, wo alle auch profi­tieren können. Wo natürlich sicher­lich dann im März ganz viele Menschen dann auch wieder schnell zum Friseur gehen. Man liest das ja schon. Termine überall im März schon vergriffen. Also das scheint dann jetzt erstmal dann sicher­lich auch wieder gut zu funktio­nieren. Die Leute freuen sich natürlich auch um jedes Stück Norma­lität im Moment. Also man sieht das ja in Öster­reich, gerade. Da hat der Einzel­handel jetzt wieder geöffnet. Da bilden sich ganz, ganz lange Schlangen vor den Geschäften und teilweise sagen die Leute “Ja, wir brauchen gar nichts. Aber wir kommen trotzdem, weil wir einfach so ein Stück Norma­lität uns wieder wünschen.” Und das ist sicher­lich das, was kommt. Was hoffent­lich dann auch sich bewahr­heitet, ist das, was der Kanzler­amts­mi­nister gesagt hat. Dass wir im Sommer wieder alle in den Biergärten sitzen. Also ich glaube, diese positiven Dinge, die brauchen wir jetzt auch alle. Ich glaube, mit ganz vielen, vielen Monaten Corona, jetzt mit viel viel Schnee. Jetzt wollen wir alle dann irgendwo vielleicht positiv Richtung Sommer gucken und uns dann auch wieder Richtung Sommer/Herbst auch wieder darauf freuen, wenn ein Stück Norma­lität einkehrt. Und dann auch die Branchen, die alle sehr, sehr leiden mussten, hoffent­lich auch wieder eine positive Tendenz nach oben bekommen.

Lars Vollme­ring
Welche konkreten Projekte, Hilfs­an­ge­bote, Aktionen gibt’s auch vonseiten der Stadt da in diesem Zusammenhang?

Dennis Weilmann
Naja, die Stadt bzw. dann auch die WMG als Wirtschafts­för­de­rungs­ge­sell­schaft haben sicher­lich da drei wichtige Aufgaben. Das eine ist die Beratung, die Kommu­ni­ka­tion und die Unter­stüt­zung. Ich fange mal mit der Unter­stüt­zung an. Das ist auch eine finan­zi­elle Unter­stüt­zung, die aber sehr marginal ausfällt. Wir haben beim letzten Mal gesagt “Tropfen auf dem heißen Stein”. Das ist auch nicht viel mehr, ehrli­cher­weise. Aber es ist trotzdem gut und wichtig und auch ein Stück ein Zeichen, dass auch eine Kommune hier in Vorleis­tung getreten ist. Im März/April wir auch zwei Förder­pro­gramme auf den Weg gebracht haben, um einfach schnell und unbüro­kra­tisch helfen zu können. Ich glaube, dass das ganz wichtig ist, weil wir auch gemerkt haben, dass auf Landes- und Bundes­seite – und es leider immer noch merken – die Mittel zwar zur Verfügung stehen, aber eben nicht dort ankommen, wo sie ankommen sollen. Das zweite ist die ganz wichtige Funktion der Beratung. Also gerade im Bereich der Wirtschafts­för­de­rung stehen die Telefone nicht still seit einem Jahr. Das heißt, es gibt ganz viele Fragen. Jedes Mal, wenn eine neue Richt­linie auf dem Markt ist, wird sozusagen ganz viele Fragen aufge­worfen. Wir versuchen, die bestmög­lich auch zu beant­worten. Das heißt, man versucht sozusagen zu vermit­teln auch Richtung Land. Wenn mal Fragen offen sind, dass auch seitens der WMG dann die Kontakte Richtung Land genutzt werden. Und das Thema Kommu­ni­ka­tion ist eben auch ein ganz wichtiges. Also wir hatten jetzt gerade vor einiger Zeit einen, also zum zweiten Mal schon, eine Runde von lokalen Branchen­ver­tre­tern. IHK ist dabei gewesen, Handels­ver­band, Kreis­hand­wer­ker­schaft, DEHOGA, CMT, WMG. Also alle, die hier vor Ort mit Wirtschaft zu tun haben. Und da ist ein Positi­ons­pa­pier verab­schiedet worden, was speziell auch die Forde­rungen der Wolfs­burger Wirtschaft beinhaltet. Und dieses Positi­ons­pa­pier habe ich dann natürlich auch an den Landes­wirt­schafts­mi­nister weiter­ge­leitet, weil es eben auch wichtig ist, dass wir als Kommune dann dieser Rolle gerecht werden, auch diese Belange der Wirtschaft auch nach außen zu trans­por­tieren. Also Beratung, Kommu­ni­ka­tion, Unter­stüt­zung – das ist das, was eine Stadt tun kann. Am Ende, muss man aber auch sagen, ist vor allem wichtig, dass die Unter­stüt­zung von Bund und Ländern jetzt nochmal mehr wird und entspre­chend auch ankommt, da, wo es ankommen muss.

Lars Vollme­ring
Wie klingt das für dich, Nadine? Insgesamt?

Nadine Rücker
So klingt das alles ganz gut.

Lars Vollme­ring
Aber… Jetzt kommt ein “Aber”.

Nadine Rücker
Ich wollt’s gerade sagen. In der Realität sieht es natürlich tatsäch­lich anders aus. Also da muss ich sagen, hat das im ersten Lockdown alles wirklich besser geklappt. Egal ob der Pott von der Stadt und so weiter und so fort. Die Förderung vom Land, das hat alles gut geklappt. Dieses Mal habe ich – ich meine, ich habe jetzt zwei Monate zu schon und ich habe noch nichts gekriegt. Also es gibt einfach auch nichts, für was ich in Frage komme, außer die Überbrü­ckungs­hilfe 3, die erst ab jetzt beantragt werden kann. Und ich mache in zwei Wochen wieder auf. Also das ist ein bisschen spät.

Lars Vollme­ring
Das hilft dann auch nicht so richtig weiter.

Dennis Weilmann
Aber das ist genau der Punkt. Und das ist das, was der Florian Hary beim letzten Mal auch schon gesagt hat. Es gibt Mittel, die sind zur Verfügung gestellt von den Ländern, vom Bund, die kommen einfach nicht an. Und ich fand es ganz erschre­ckend, das, was der Florian Hary beim letzten Mal gesagt hat. Er kennt keinen einzigen gastro­no­mi­schen Betrieb, wo die Mittel schon vollständig angekommen sind, keinen einzigen. Das fand ich ganz erschre­ckend. Und Nadine bestätigt es ja gerade, dass es leider auch für die Friseure gilt. Und da muss dringend nachge­steuert werden seitens des Bundes.

Nadine Rücker
Ja.

Lars Vollme­ring
Was könnt aber auch ihr tun, jetzt als Friseur­be­trieb. Wir haben vorhin drüber gespro­chen, “to go” geht nicht. Du hast gesagt, ihr habt Schicht­system einge­führt. Gibt’s sowas wie, ich sag mal, “Friseur Drive-In” oder sowas? Also irgend­welche Konzepte, oder Hausbe­suche inten­si­vieren, wenn es denn wieder erlaubt ist in dem Sinne. Also was gibt’s da bei euch für Pläne, da entspre­chend auch vielleicht konstruktiv was zu machen? Und kreativ.

Nadine Rücker
Ja. Also ich sage mal, von den Hausbe­su­chen – also das entspricht ja nicht dem, was wir eigent­lich wollen. Also von daher denke ich, wenn wir einfach im Salon das Hygie­nekon­zept wirklich so weit ausbauen, was wir sowieso schon getan hatten. Jetzt kommen noch mehr Dinge dazu. Ich habe jetzt z. B. solche Luftrei­niger bestellt. All solche Sachen. Dass man wirklich guckt “Wie viele Menschen befinden sich gerade im Raum?”. Ich habe eine Rezep­tio­nistin, die koordi­niert das alles. Es geht nur mit Terminen. Ja, dass jeder wirklich alles das einhält, was machbar ist. Und was wichtig ist dafür, dass eben das Infek­ti­ons­ri­siko niedrig bleibt, was es bei uns sowieso ist. Aber ja, dass es dafür sorgt, dass man ein Zeichen setzen kann, wie gut es funktio­nieren kann, ohne dass die Zahlen wieder steigen zum Beispiel. Das finde ich ist das, was wir tun können. Mit gutem Beispiel vorangehen.

Lars Vollme­ring
Was stimmt dich denn positiv oder auch optimis­tisch, dass ihr da gut durch­kommt? Oder dass es ein Happy End gibt für euch? Was ist auch deine Motiva­tion? Jeden Tag und auch was jetzt kommt.

Nadine Rücker
Ich bin, glaub’ ich, vom Prinzip her sowieso ein positiv gestimmter Mensch.

Lars Vollme­ring
Das hilft da natürlich nochmal weiter.

Nadine Rücker
Genau. Aber eben auch das ganze Mitein­ander. Mit meinem Team da gemeinsam dran zu arbeiten. Auch natürlich mit Friseur­kol­legen. Auch, dass man alle zusammen an einem Strang zieht. Das hat die Petition z. B. jetzt gezeigt, dass innerhalb von einer Woche über 50 000 Unter­schriften zusam­men­ge­kommen sind, dass man sich als Kunde auch sicher beim Frisör fühlt. Das hat ja auch schon mal richtig was gebracht.

Lars Vollme­ring
Ja, also wir gehen auf alle Fälle wieder hin, würde ich sagen.

Dennis Weilmann
Ja, also du hast es definitiv nötig.

Lars Vollme­ring
Danke­schön. Danke­schön. Das wollte ich übrigens noch fragen. Also ist noch was zu machen? Ich meine, das kann jetzt der Hörer nicht sehen, wie ich jetzt aussehe. Aber hättest du da noch ein paar Tipps für mich? Dann komme ich mal vorbei.

Nadine Rücker
Auf jeden Fall. Wobei ich finde das auch jetzt. Das war auch beim ersten Lockdown schon der Fall, dass ganz viele Leute sich neu erfunden haben und gesagt haben “Mensch, jetzt sind Haare so lang – können wir mal was Neues machen?”. Und das war auch schön.

Lars Vollme­ring
Ja. Aber die Spitze hab ich sehr wohl mitbe­kommen, Dennis. Ich werde das das nächste Mal hinter­fragen. Aber Spaß beiseite, wie gesagt, ich freue mich auch wieder, wenn ich mal wieder gehen kann. Wie gesagt, du musst ja nicht, oder?

Dennis Weilmann
Ich muss auch. Und spätes­tens im März muss ich dann. Lars, lass’ mich bitte auf eins nochmal hinweisen, was ich total toll finde hier für unsere Region und was ich, glaube ich, einfach nochmal gerne hier erwähnen möchte. Ich hatte schon ein paarmal kurz auch die Kultur­szene angespro­chen, die auch natürlich massiv im Moment unter Druck steht. Kultur findet auch seit Monaten nicht statt. Und da gibt’s viele, die auch natürlich existen­ti­elle Sorgen haben. Und manchmal, meine Sorge ist, dass die Kultur- und Veran­stal­tungs­branche nicht so sehr im Fokus steht wie andere Branchen, die vielleicht manchmal auch in der politi­schen Diskus­sion eher im Fokus stehen. Und da gibt’s im Moment eine ganz tolle Aktion von dem Dirk Wöhler, der mit ganz vielen Mitstrei­tern die Aktion “Kulturgesichter053” auf die Beine gestellt hat, die ich auch persön­lich unheim­lich gerne unter­stütze, weil ich einfach davon überzeugt bin, dass es wichtig ist, die Kultur­branche unserer Region auch ein bisschen in den Fokus zu stellen. Da gab’s am Sonntag eine tolle Demons­tra­tion in Braun­schweig, wo die Branchen­ver­treter einfach mal sich gezeigt haben und vor Ort waren und einfach mal, ja, auch mit einer sehr sehr tollen medialen Resonanz das Thema Kultur- und Veran­stal­tungs­branche in den Fokus gerückt haben. Fand ich ganz toll. Ich finde, sollte sich jeder mal anschauen, gibt’s auch eine tolle Website. Und lohnt sich, hier einfach auch für die verschie­denen Branchen zu kämpfen.

Lars Vollme­ring
Das ist ein schönes Schluss­wort. Es lohnt sich immer zu kämpfen. Nadine, ich würde sagen, da schließt du dich an.

Nadine Rücker
Ja, auf jeden Fall. Das ist total wichtig, dass wir mit einem guten Gefühl in die Zukunft schauen.

Lars Vollme­ring
Und damit sind wir am Ende der zweiten Folge von “Sach mal, Dennis…” – dem Wolfsburg Podcast über die wichtigen Themen. Wir haben heute gespro­chen über das Thema “Im Lockdown abgeschnitten”, und zwar buchstäb­lich, “die aktuelle Situation für das Wolfs­burger Handwerk”. Und da hatten wir zu Gast Nadine Rücker, Frisör­meis­terin und Inhaberin der Haarma­nu­faktur. Und ja, ich danke dir, dass du heute dabei gewesen bist.

Nadine Rücker
Ja. Ich danke euch für die Einladung.

Lars Vollme­ring
Ja und ich bedanke mich natürlich auch bei Dennis Weilmann.

Dennis Weilmann
Ja, war absolut inter­es­sant. Man nimmt da immer ganz viel mit. Also vielen Dank, Nadine. Vielen Dank, Lars. Hat Spaß gemacht.

Lars Vollme­ring
Ja und wir melden uns dann das nächste Mal wieder mit einer neuen Folge von “Sach mal, Dennis…”. Dann auch wieder zu einem aktuellen und relevanten Thema hier aus unserer Stadt.

Off
“Sach mal, Dennis…” – der Wolfsburg Podcast mit Dennis Weilmann und Lars Vollmering.