Eiskalt abserviert? – Corona und die Folgen für die Wolfsburger Gastronomie

Erleben wir durch und nach Corona das große Kneipen- und Hotel­sterben in Wolfsburg und der Region?

Das ist das Thema der ersten Folge bei “Sach mal, Dennis…”- dem Wolfsburg-Podcast mit dem stell­ver­tre­tenden Oberbür­ger­meister Dennis Weilmann und Moderator Lars Vollmering.

Zu Gast: Florian Hary, Bezirks­vor­stand des Deutschen Hotel- und Gaststät­ten­ver­bandes (DEHOGA).

Transkript

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“Sach mal, Dennis…” – der Wolfsburg Podcast mit Dennis Weilmann und Lars Vollmering.

Lars Vollme­ring
Hallo und herzlich willkommen zur ersten Podcast-Folge von “Sach mal, Dennis…”. Mein Name ist Lars Vollme­ring. Ich bin Journa­list und Buchautor und freue mich darauf, hier ein wenig durch die Sendung führen zu dürfen. Eine Sendung, die einmalig für Wolfsburg ist und wo es schwer­punkt­mäßig um die wichtigen Themen für die Menschen in unserer Stadt und der Region gehen soll. Es geht um Austausch. Es geht um Meinung. Es geht um Zukunft und um dieje­nigen, die sie in Wolfsburg gestalten. Und dazu gehört in jedem Fall auch Dennis Weilmann, stell­ver­tre­tender Oberbür­ger­meister, Stadt­de­zer­nent und gebür­tiger Wolfs­burger. Gemeinsam wollen wir hier mit inter­es­santen Gästen darüber sprechen, was die Menschen hier beschäf­tigt, was sich verbes­sern lässt in unserer Stadt und wie das gehen könnte. Entspre­chend ist er auch der passende Adressat und Namens­geber für diesen Podcast “Sach mal, Dennis…”. Hallo Dennis Weilmann.

Dennis Weilmann
Hallo Lars! Grüße dich! Schön, dass wir heute hier sind.

Lars Vollme­ring
Ich begrüße auch hier und für die erste Folge einen ganz beson­deren Gast. Ich freue mich sehr, dass das geklappt hat, weil es um ein Thema geht, das nahezu alle Wolfs­burger, aber auch die Gäste in unserer Stadt betrifft. Thema “Eiskalt abser­viert – Corona und die Folgen für die Wolfs­burger Gastro­nomie”. Und darüber wollen wir heute sprechen mit Florian Hary. Er ist der Bezirks­vor­sit­zende des Deutschen Hotel- und Gaststät­ten­ver­bandes DEHOGA. Hallo und herzlich willkommen Florian Hary.

Florian Hary
Hallo Dennis, hallo Lars, ich freue mich, dass ich dabei sein darf.

Lars Vollme­ring
Ja, liebe Hörer, falls ihr euch wundert, wir sind hier beim geschäfts­mä­ßigen Du angekommen und das ist jetzt gerade kein mangelnder Respekt oder so, sondern es ist einfach angenehmer, letzt­end­lich dann auch zu plaudern. Ja, wir haben über ein beson­deres Thema zu sprechen. Klar, Corona betrifft natürlich auch das Hotel- und Gaststät­ten­ge­werbe hier in Wolfsburg und deswegen die erste Frage natürlich an unseren Gast: Erleben wir nach Corona in Wolfsburg das große Hotel- und Gaststätten-Sterben?

Florian Hary
Das werden wir definitiv erleben und das hat auch schon angefangen. Wir sprechen da gerade von einem schlei­chenden Tod, der uns ereilt und wir gehen davon aus, dass uns das gerade am Ende der Pandemie nochmal stark beschäf­tigen wird.

Lars Vollme­ring
Wie ist denn die aktuelle Situation im Lockdown? Wenn Sie das mal so beschreiben können, dass die Situation nicht toll ist? Ich glaube, das kann man erahnen. Ja, “Du”. Ich war jetzt schon wieder beim “Sie”. Wie ist die Situation?

Florian Hary
Man kann sagen, es ist fünf nach zwölf. Man kann aber auch sagen, die Luft ist nicht mehr vorhanden zum Atmen. Das muss man einfach so drama­tisch sagen. Wir stehen alle mit dem Rücken an der Wand. Ich kenne aktuell niemanden, der mir sagt, es geht ihm gut, wenn es um den betrieb­li­chen Ablauf geht. Wir warten alle auf Gelder, die wir dringend brauchen, um die nächsten Rechnungen zu bezahlen, um Gehälter zu bezahlen. Von daher sage ich wirklich, es ist gerade absolut drama­tisch, was in unserer Branche passiert.

Lars Vollme­ring
Das klingt nicht gut. Und trotzdem werden wir das Thema hier vertiefen, auch weiter in den kommenden Sende­mi­nuten. Ja, Dennis, du hast das jetzt schon gehört. Das ist eine Situation, da steht einer Branche offen­sicht­lich auch in Wolfsburg das Wasser bis zum Hals. Wie sind deine persön­li­chen Erfah­rungen in dem Zusam­men­hang? Was hast du denn da jetzt mitbe­kommen, insbe­son­dere von dieser Situation?

Dennis Weilmann
Naja, ich bin natürlich viel auch im Austausch mit den Betrof­fenen und die Gastro­nomie, die Hotel­lerie gehört sicher­lich zu den obersten Verlie­rern, auch der Corona-Pandemie. Das sind die ersten, die haben schließen müssen und werden vielleicht auch die Letzten sein, die wieder öffnen dürfen. Und vor dem Hinter­grund, glaube ich, müssen wir hier viel tun, um auch das, was Florian Hary gerade beschrieben hat, bestmög­lich zu verhin­dern. Wir haben 2,4 Millionen Menschen deutsch­land­weit in der Gastro­nomie beschäf­tigt. Und auch in Wolfsburg gibt’s natürlich ganz viele Menschen, die von der Gastro­nomie abhängig sind. Hier geht es auch um Existenzen. Und ganz persön­lich habe ich natürlich viele Gespräche geführt mit Hoteliers, die aktuell seit Monaten keine Gäste haben, mit Gastro­nomen, die teilweise sehr kreative Ideen zustande gebracht haben, aber natürlich trotzdem alle am Existenz­mi­nimum gerade sind. Die teilweise laufende Kosten haben aber schlicht keine Einnahmen und die verspro­chenen Hilfen sind zwar zugesagt, aber zum großen Teil einfach noch nicht angekommen.

Lars Vollme­ring
Laut Statis­ti­schem Jahrbuch in Wolfsburg haben im Jahr 2019 noch 3400 Menschen im Gastro- und Hotel­be­reich gearbeitet. Ungefähr. Das ist ein Anteil der Beschäf­tigten in Wolfsburg von 2,8 Prozent. Das klingt nicht viel auf den ersten Moment. Aber da stecken ja Schick­sale dahinter. Florian, kannst du vielleicht einmal beschreiben, was eure Mitglieder da schildern? Letzt­end­lich an persön­li­cher Betroffenheit?

Florian Hary
Also es hängt zum einen natürlich Existenzen dahinter, Existenzen von denen, die sich etwas aufgebaut haben, die ein Lebens­werk gerade vor ihrem Abbruch sehen, vor ihren Trümmern sehen, die unver­schuldet in die Situation gekommen sind. Und es hängen natürlich viele Schick­sale von Arbeit­neh­mern daran. Und eine Gruppe, die immer gar nicht betrachtet wird, ist die der Mini-Jobber. Das wird immer gerne so gesehen, dass man sagt: “Die Mini-Jobber sind ja die, die verdienen sich dazu für ihren Luxus, den sie brauchen.” Und das ist faktisch nicht so. So die Mini-Jobber, die wir haben bei uns, das sind die, die das Geld dringend brauchen, weil sie mit ihrem eigent­li­chen Job, den sie machen, nicht leben können. Und das waren die ersten, die in der Pandemie ihre Jobs verloren haben. Weil einen Mini-Jobber kann ich nicht in Kurzar­beit schicken, also muss ich ihm kündigen. Und das werden auch die letzten sein, die man wieder zurück­holt. Und das ist ein ganz wichtiger Fakt. Die anderen Mitar­beiter kann ich noch über Kurzar­beit abfangen und sagen “gut”, und selbst das ist am Ende eine schwie­rige Frage, ob sich da nicht Mitar­beiter irgend­wann umori­en­tieren und sagen: “Wenn ich jetzt ein Jahr Kurzar­beit hatte, dann suche ich mir einen anderen Job und suche mir auch damit ein anderes Gewerbe”.

Lars Vollme­ring
Also im Jahr 2020 deutlich sinkende Nachfrage nach Arbeits­kräften im Hotel- und Gastge­werbe. Dennis, das hat natürlich auch Auswir­kungen für die Region. Wie wird sich das beziffern?

Dennis Weilmann
Naja, wir merken das ja. Wir haben natürlich jetzt von den unmit­telbar Betrof­fenen gespro­chen. Aber es hat natürlich auch Auswir­kungen auf die Menschen, die hier leben, weil natürlich einfach auch liebge­won­nene Einrich­tungen vielleicht nach Corona irgend­wann nicht mehr da sind. Und da braucht es einfach auch jetzt die dringende Unter­stüt­zung von Bund und Ländern. Wir haben ja auch als Stadt versucht, hier ein Stück weit zu helfen. Auch zu Beginn der Pandemie im März, April haben wir ja einen Förder­topf aufge­setzt, in der Höhe von einer Million Euro. Und da haben wir auch sehr schnell gemerkt: Gerade Hotel­lerie und Gastro­nomie sind die, die es am dringendsten brauchen. Also fast ein Drittel der Mittel sind in diesen Bereich geflossen, weil hier die Not am größten war.

Lars Vollme­ring
Ist das hilfreich? Florian, war das das Ding, wo du sagst: Jawoll, so kann’s gehen, um einiger­maßen da durchzukommen.

Florian Hary
Es hilft jeder Tropfen, der den Eimer wieder füllt. Das muss man einfach so sagen. Also das war in Wolfsburg toll. Schönes Bild, ja. Also man muss es einfach so sagen, weil der Eimer oder der Bierkrug, von mir aus auch das Weinglas, was jeder möchte. Aber natürlich hat das geholfen. Und das war in Wolfsburg auch eine schöne Situation, dass Wolfsburg da nochmal was tun konnte. In anderen Regionen war das nicht möglich. Die Regionen konnten einfach nichts dazugeben. Und ich weiß, dass viele Betriebe das wirklich sehr positiv aufge­nommen haben und von daher an der Stelle auch nochmal ein schönes Danke an die Stadt und an dich, Dennis, dass ihr das ermög­licht habt.

Lars Vollme­ring
Ja, das nimmt man gerne an dann letzt­end­lich auch mal so ein Danke, weil ist ja glaube ich auch für euch keine einfache Situation, wenn man damit auch mal konfron­tiert wird.

Dennis Weilmann
Ja, das ist so, aber am Ende ist uns sehr bewusst, dass das am Ende wirklich nur der Tropfen ist und eben viel, viel mehr Bedarf da ist. Und das, was wir als Sofort­hilfe jetzt möglich gemacht haben, war ja bis zu 5 000 Euro. Das kann sich jeder vorstellen. Das ist nichts, was am Ende fürs Überleben reicht, sondern da müssen jetzt sozusagen andere Kräfte auch noch unter­stützen. Und was mir auch ganz wichtig ist: Es kann natürlich auch jeder indivi­duell was tun, indem natürlich Gastro­nomie auch jetzt unter­stützt wird in diesen Zeiten, indem wir Gutschein-Systeme nutzen, indem wir auch jetzt Abhol-Services nutzen. Und vor dem Hinter­grund, glaube ich, ist es eine gesamt­ge­sell­schaft­liche Aufgabe, genauso wie die Bekämp­fung der Pandemie eine gesamt­ge­sell­schaft­liche Aufgabe ist.

Lars Vollme­ring
Da werden wir natürlich auch im Laufe der Sendung hier noch ein bisschen genauer darauf eingehen, was da insbe­son­dere auch in Wolfsburg für Angebote vorherr­schen. Aber noch einmal an Florian die Frage gestellt: Du bist ja jetzt hier als DEHOGA-Mensch in Anfüh­rungs­stri­chen, also Hotel und Gaststätten; gibt’s da eigent­lich einen Unter­schied? Also kann man tatsäch­lich sagen Hotel ist anders betroffen oder schwerer betroffen als Gastro­nomie oder weil das sowieso zusam­men­hängt im Sinne von Jedes Hotel hat vielleicht nur eine Kneipe oder Restau­rant drin ist das doch alles eine ähnliche Geschichte, wie die Leute betroffen sind.

Florian Hary
Nee, das muss man tatsäch­lich diffe­ren­ziert betrachten. Also ich sage mal, ein Hotel kann nicht seine Zimmer To-Go vermieten. Als Beispiel na, Essen kann ich To-Go anbieten. So, was mache ich also als Hotel, wenn ich keine Gäste habe oder so, wie es jetzt in der Verord­nung ist, dass man Gäste aufnehmen darf, aber die ihr Essen auf dem Zimmer einnehmen müssen? Da überlege ich natürlich “Lohnt sich dann mein Restau­rant­be­trieb und lohnt es sich, als Hotel aufzu­ma­chen? Kommt da wirklich jemand und holt Essen ab?”. Da haben natürlich die Geschäfte, die in der Innen­stadt liegen oder in Indus­trie­ge­bieten liegen, die vorher auch einen hohen To-Go Anteil haben, ganz klaren Vorteil. Von daher denke ich schon, das muss man diffe­ren­ziert betrachten. Da gibt’s verschie­dene Betroffenheiten.

Dennis Weilmann
Und wir haben ja in Wolfsburg auch die Beson­der­heit, dass die Hotel­lerie in Wolfsburg sehr stark natürlich von Dienst­reisen lebt und Dienst­reisen quasi im Moment gar nicht statt­finden. Das heißt, der touris­ti­sche Anteil ja auch nicht funktio­niert gerade aber der natürlich in Wolfsburg ohnehin ein Stück unter­ge­ordnet ist, sodass einfach im Moment die meisten Hotels, eigent­lich alle Hotels aus wirtschaft­li­chen Erwägungen schließen müssten. Die meisten tun’s trotzdem nicht, weil sie sagen “Die wenigen Gäste, die wir jetzt haben und die mit Sicher­heit auch deutlich niedri­gere Raten zahlen, als das sonst üblich ist, die sind uns trotzdem wichtig. Und wir wollen hier auch für die da sein, für die wenigen.” Wirtschaft­lich ist das nicht.

Lars Vollme­ring
Und genau darüber werden wir jetzt noch weiter sprechen hier im Podcast bei “Sach mal, Dennis …” wollen wir das Thema “Eiskalt abser­viert – Corona und die Folgen für die Wolfs­burger Gastro­nomie” noch ein Stückchen weiter vorantreiben.

Lars Vollme­ring
Florian Hary ist immer noch zu Gast. Bezirks­vor­sit­zender des Deutschen Hotel- und Gaststät­ten­ver­bandes DEHOGA. Und wir wollen uns auch noch ein bisschen tiefer rein begeben in die Materie. Wie denn die Gastro­nomie in Wolfsburg betroffen ist von Corona, aber auch darüber hinaus, wie es bestellt ist. Jetzt kann ich einmal eine Kollegin von dir zitieren, die Melanie Perricone. Die hat neulich in einem Gespräch mit der Zeitung gesagt, insbe­son­dere was die Hilfen angeht, die Auftrags­hilfen, die man da bekommt, die Ausfall­hilfen. Das muss schneller bearbeitet werden. Das ist ja quasi ein ganz klarer Adressat. Die Politik möchte ich jetzt mal sagen, dass da was gemacht werden muss. Hat sich das inzwi­schen verbes­sert, ist da was in Gang gekommen letzt­end­lich? Weil hier kann man das ja ganz wunderbar adressieren.

Florian Hary
Ja, also wenn Dennis den Drucker mit Geldscheinen im Büro hat, dann kommen wir da gerne alle vorbei in den nächsten Tagen und holen uns da mal ein bisschen was ab. Aber nein, verbes­sert wirklich hat es sich noch nicht. Wir kennen auch mittler­weile diverse Hinter­gründe. Es ist so, dass das Land Nieder­sachsen seit dem 12. Januar die Software hat, um die November-Hilfen auszu­zahlen. Jeder, der ein bisschen rechnen kann, weiß, wie lange dann schon einmal vergangen ist. Und wenn die dann am 12. Januar irgend­wann abends angefangen haben, die November-Anträge zu bearbeiten, dann dauert das natürlich eine Zeit. Und das ist einfach was, was wir als Verband so nicht akzep­tieren können und wo wir auch wirklich sagen, da hat die Politik einen Scheißjob gemacht. Das kann man nicht anders sagen. Man kann nicht Ende Oktober sagen “Ihr bekommt Hilfe” und überlegt sich dann, wie es gehen kann und schiebt den Schwarzen Peter von links nach rechts von der Bundes­re­gie­rung ins Bundes­land und wieder zurück und nach oben und nach unten. Und die Leidtra­genden sitzen da und sagen “Ja, wovon sollen wir uns denn bezahlen?”. Also das ist einfach nicht gut gelaufen.

Lars Vollme­ring
Ich hätte jetzt auch so ein bisschen flapsig gesagt, da sitzt er ja, dem du das jetzt mal quasi aufs Auge drücken kannst. Aber Dennis, inwieweit kann die Kommune was machen? Wir wir reden ja ganz viel über Landes­hilfen, über Bundes­hilfen, die da fließen sollen. Seht ihr euch da manchmal auch ein Stück weit – ich will nicht sagen Sünden­bock, will ich jetzt nicht so ganz krass formu­lieren -, aber irgendwo auch dann derjenige, der es dann aufnimmt, was da an Kritik kommt?

Dennis Weilmann
Ich glaube, eine ganz wichtige Rolle, die wir haben, ist die Mittler­rolle. Also wir sind sicher­lich als Kommune immer auch dafür da, auch ein Stück weit die Themen zu kanali­sieren. Also wir sind jetzt zum zweiten Mal auch zusammen gewesen mit Vertre­tern der unter­schied­li­chen Wirtschafts­bran­chen, mit IHK, Handwerks­kammer, DEHOGA und anderen Vertre­tern, um einfach auch mal zu kanali­sieren. Wo sind denn die Themen, die wir dann auch Richtung Land und Bund adres­sieren können? Weil wir natürlich auch die direkten Drähte haben. Und ich hab das auch teilweise dann auch gemacht, wenn ich irgendwo gesehen habe da gibt’s eine ganz große Not, da hab ich dann auch zum Hörer gegriffen und dann mal direkt im Wirtschafts­mi­nis­te­rium angerufen und den Fall auch nochmal geschil­dert. Und die Zugänge hat natürlich nicht jeder. Also diese Rolle glaube ich, die müssen wir auch sehr stark wahrnehmen. Einfach auch da sein und kümmern um die Betrof­fenen. Nicht immer können wir die Probleme lösen hier vor Ort, aber ich glaube, das ist wichtig, dass wir da sind.

Lars Vollme­ring
Stellt dich das zufrieden, Florian?

Florian Hary
Es beruhigt etwas. Es ist immer gut zu wissen, man hat ein offenes Ohr. Das ist ja das, was hilft am Ende.

Lars Vollme­ring
Trotzdem, wir haben es vorhin schon mal kurz, oder du hast es vorhin kurz schon mal angerissen. Wenn du jetzt mal so drei Punkte zählst. Was muss jetzt – welche Hilfe brauchst du jetzt am dringendsten? Kann man das irgendwie nochmal beziffern?

Florian Hary
Also in drei Punkten: November-Hilfe, Dezember-Hilfe, Überbrü­ckungs­geld 2.

Lars Vollme­ring
Also es geht jetzt nicht um irgend­welche, ich sag mal, dass jetzt Stadt oder Kommune oder andere Arbeit­geber, dass da, ich sage mal jetzt, Liefer­ser­vices in Anspruch genommen werden? Oder dass man, ich sage mal jetzt, “Not-Zimmer” mietet oder so, man einfach nur Zimmer mietet, um entspre­chend zu unter­stützen. Wie es ja mal – gab es ja auch entspre­chende Geister­spiele, wo man trotzdem Eintritt bezahlt hat in der Bundes­liga oder in den niedrigen Ligen. Solche Konzepte, die siehst du gar nicht, dass man das irgendwie machen müsste?

Florian Hary
Also man kann auch über kreative andere Konzepte nachdenken. Da bin ich völlig bei dir. Aber die müssten dann natürlich so hoch monetär bewertet werden, dass es am Ende auch hilft. Also ich sage mal, wenn jetzt jemand kommt und sagt wir wir mieten dir mal 5 Zimmer an für eine Nacht, dann ist das nett und das hilft sicher auch. Aber das ist einfach nicht der Verlust, der bisher einge­fahren wurde. Und durch diese Hilfen sollen ja genau diese Verluste ausge­gli­chen werden. Und das muss jetzt einfach irgend­wann mal kommen, dass man sagt, man kommt wieder in irgendein Fahrwasser, wo man etwas Liqui­dität hat, um auch mal Luft holen zu können als Unter­nehmer und nicht immer nur dasitzt und sagt “Okay, da ist jetzt ein Tröpfchen gekommen, wo schiebe ich es denn hin?”

Dennis Weilmann
Das Schlimme ist ja, das am Ende es komplett unver­schuldet ist. Also sagen wir mal, wenn ich schlecht wirtschafte. Wenn ich selber auch im Nachhinein sagen muss “Ich habe hier irgendwie falsche Entschei­dungen getroffen”. Aber das ist hier einfach für alle komplett unver­schuldet. Ganz im Gegenteil, es sind ja sogar teilweise noch hohe Corona-Inves­ti­tionen auch in der Gastro­nomie vorge­nommen worden. Da ist Spuck-Schutz angeschafft worden, da sind Plexiglas-Scheiben angeschafft worden und jetzt ist seit Monaten wieder zu und keine Einnahmen da. Das ist natürlich frustrie­rend und das ist nicht nur das Monetäre. Das ist natürlich das eine. Aber ich habe mit vielen auch gespro­chen, die mir gesagt haben “Wir vermissen einfach unsere Gäste. Das ist – unsere Genetik sieht einfach vor, dass wir einfach, wir haben Lust, mit den Gästen zu agieren. Wir wollen Gäste bedienen. Wir wollen Gäste bekochen und Gäste…”

Lars Vollme­ring
“…wir wollen unserem Job nachgehen”.

Dennis Weilmann
Ja. Und das fehlt natürlich auch gerade. Das ist ja auch nicht nur, dass man sozusagen finan­zi­elle Sorgen hat, das ist auch extrem schlimm. Aber wir haben eben auch noch die emotio­nale Komponente.

Florian Hary
Ja, das ist psychisch eine Belastung. Also wenn man die Unter­nehmer wirklich fragt, das ist psychisch eine Belastung. Und ob du nun ein kleines Unter­nehmen hast oder auch die großen Hotel­ketten, die mittler­weile reihen­weise Schlag­seite kriegen und mit Milli­arden-Hilfen bald aufge­fangen werden. Also das macht viele kaputt am Ende.

Lars Vollme­ring
Die Stimmung ist auch entspre­chend aufge­heizt. Gab ja auch einen Fall, der sogar bundes­weit für Schlag­zeilen gesorgt hat. Am Vorsfelder Hof hatte dann einer, hatte dann der Wirt einen Aushang gemacht: gegen Corona-Ignoranten. Also sprich: Jetzt müssen wir wieder zumachen, weil ihr alle nicht die Maske aufge­setzt habt. Ich überspitze jetzt mal ein bisschen. Ja, und da gab’s dann den Shitstorm in den sozialen Medien. Also man sieht, wie aufge­heizt diese Situation ist. Kannst du da auch nochmal was zu sagen, wie das dann auch mensch­lich dann letzt­end­lich auch an den Kollegen nagt?

Florian Hary
Definitiv. Also das, was ich vorhin schon mal gesagt habe und was Dennis eben auch gesagt hat. Man ist ja unver­schuldet in diese Situation gekommen und man sieht dann, was aus dem passiert, was man sich in Jahrzehnten aufgebaut hat und man weiß nicht mehr, wie man da rauskommen soll. Das muss man einfach ganz klar sagen. Man weiß, da kommt irgend­wann Hilfe, aber wir wissen alle nicht, wann können wir wieder aufmachen. Und das macht dich emotional so dünnhäutig, dass du natürlich für viele Sachen viel empfäng­li­cher bist und das dann auch mal nach außen trägst. Ob das immer so klug ist oder nicht, muss man dann an einer anderen Stelle vielleicht bespre­chen. Aber diese Emotio­na­lität, die dahinter steckt, die kann ich durchaus verstehen, weil das einfach mensch­lich ist.

Dennis Weilmann
Ich glaube, es haben ja alle Verständnis auch für die Situation. Und das ist ja auch für Politik nicht leicht, Entschei­dungen zu treffen, weil natürlich der Gesund­heits­schutz oberste Priorität haben muss. Das ist eine weltweite Pandemie, die extreme Folge­wir­kung mit vielen, vielen tausend Toten hat. Also dass Politik hier handeln muss und dass natürlich auch Gastro­nomie und Hotel­lerie ihren Beitrag leisten muss in diesem Zusam­men­hang, ich glaube, das ist völlig unstreitig und jeder versteht das auch. Aber am Ende, glaube ich, geht es darum, dass tatsäch­lich das Thema Unter­stüt­zung und Wertschät­zung am Ende ankommt. Und was ich immer wieder feststelle in den Gesprä­chen, dass natürlich auch solche 75 Prozent-Zahlen, die dann irgendwo im Umlauf sind, dass die dann auch sehr schnell missver­ständ­lich sind und dass man dann sagt “Mensch, die sollen sich mal nicht so haben, die haben doch am Ende vielleicht sogar mehr, als sie sonst haben.” Florian, vielleicht kannst du diese 75 Prozent nochmal anschauen.

Florian Hary
Also das scheint auf den ersten Blick – und wenn man sich damit nicht weiter beschäf­tigt, dann gibt es diese Meinung. Und die ist dann sicher auch berech­tigt, weil man ja nur hört, du bekommst 75 Prozent vom Umsatz im November und im Dezember. Was man dabei nicht vergessen darf ist: Ja, man bekommt diese 75 Prozent, aber damit muss ich leider auch das aufholen, was ich seit März letzten Jahres nicht mehr einge­fahren habe. Ich sage immer Hotel­lerie, Gastro­nomie ist kein produ­zie­rendes Gewerbe im eigent­li­chen Sinne. Ich kann in einem produ­zie­renden Gewerbe wie im Automo­bilbau kann ich Taktung erhöhen, kann die Stück­zahlen erhöhen. Da kann ich, wenn ich den Bedarf habe, nachholen, was ich versäumt habe. Das kann ich nicht. Es wird kein Gast kommen, wenn die Restau­rants wieder offen haben, wird drei Schnitzel auf einmal bestellen oder geht fünfmal am Tag essen. Ich kann mein Hotel­zimmer nur einmal belegen. Ich habe sie danach nicht doppelt. Und deswegen sind diese 75 Prozent, die sind sehr, sehr gut gewesen, um eben auch Verluste aus Vormo­naten auszu­glei­chen. Und das darf man einfach nicht vergessen. Die Verluste sind ja auch in den Vormo­naten entstanden. Die sind ja nicht nur entstanden, als wir schließen mussten, sondern die sind da vorher auch entstanden durch Regelungen, mit Abstand durch verschie­denste Auflagen, die es eben gab, dass man das Geschäft ja gar nie so betreiben konnte. Oder was Dennis vorhin sagte: Das Business-Reise-Geschäft ist ja faktisch seit März 2020 tot. Also das heißt die Hotels sind jetzt seit fast einem Jahr ohne nennens­werte Gästezahlen.

Dennis Weilmann
Man merkt ja auch die Menschen sind ja auch verun­si­chert. Also das haben wir ja auch jetzt im Sommer erlebt. Also viele Menschen sind einfach unsicher und gehen vielleicht, obwohl es möglich ist, gar nicht und nutzen die Restau­rants im Moment gar nicht, weil sie sagen “Ich bin unsicher, wie ist das jetzt mit Maske oder ohne Maske und mit Abstand oder nicht?” Und da bleibe ich vielleicht lieber zuhause.

Lars Vollme­ring
Weil es auch keinen Spaß macht.

Dennis Weilmann
Ja, natürlich.

Lars Vollme­ring
Da kenne ich auch viele, die sagen “Ist nicht mein Ding und ich hab da keine Lust, mich da an den Platz zu setzen und jedes Mal, wenn ich auf Toilette gehen möchte, meine Maske wieder aufzusetzen”.

Florian Hary
Gastro­nomie ist ein Erlebnis.

Lars Vollme­ring
Ja, genau. Ist nicht meine Erleb­nis­welt, sagen wir es mal so. Aber Florian, weil du das gerade gesagt hast. Corona ist ein richtiges Brett, was es zu bohren gibt. War’s denn vorher am Standort – Gastro­no­mie­standort, Hotel­standort – in Wolfsburg gut?

Florian Hary
Wolfsburg war eins der besten Standorte. Also kann man nicht anders sagen. Wolfsburg hat einfach gelebt vom Geschäfts­reise-Tourismus und gastro­no­mie­tech­nisch natürlich von den Mitar­bei­tern, die hier für verschie­dene Firmen tätig sind, die ihre Mittag­essen dort einge­nommen haben, die auf dem Nachhau­seweg etwas mitge­nommen haben. Viele Geschäfts­essen, Veran­stal­tungen, die statt­ge­funden haben. Ich sage mal, die Stadt war sehr, sehr belebt. Bis bis vor wenigen Monaten.

Lars Vollme­ring
Aller­dings auch keine – und spreche ich aus eigener Erfahrung – auch jetzt keine richtige Kneipen­stadt. Also sagen wir mal so, die Attrak­ti­vität hat an vielen Stellen schon zu wünschen übrig gelassen. Also es kann ja sein, dass viele Geschäfts­rei­sende kommen. Aber wenn man dann darum geht, was mache ich denn mal abends und dann geht man durch die Gegend? Ist das auch so ein Punkt, wo man jetzt auch eine Chance sieht durch Corona, die Attrak­ti­vität vielleicht dann auch nochmal zu steigern? Oder ist jetzt einfach nur Augen zu, durch und dann machen wir weiter hoffent­lich wie vorher?

Florian Hary
Also ich glaube, für die meisten, die im Moment ihre Betriebe haben, ist es so etwas wie Augen zu und durch und dann machen wir weiter. Es gibt findige Köpfe, die sich schon seit Beginn der Pandemie damit beschäf­tigen. Wie expan­dieren wir, wenn die Pandemie vorbei ist? Und da gibt es Dinge, die in Schub­laden liegen, die dann rausge­holt werden. Ob dann Wolfsburg auf einmal zur Kneipen­szene wird oder eine Kneipen­szene bekommt, weiß ich nicht, weil es bedarf natürlich auch immer einem gewissen Klientel und Möglich­keiten. Sowas kann man ja nicht künstlich erschaffen, das lebt ja dadurch, dass es wächst.

Dennis Weilmann
Also ich glaube tatsäch­lich, dass wir in Wolfsburg ganz, ganz viele tolle Restau­rants haben. Man kann unheim­lich toll essen. Wir haben viele tolle italie­ni­sche Restau­rants und darüber hinaus ein ganz tolles Angebot. Wo wir sicher­lich Nachhol­be­darf haben, ist im Bereich der Kneipen­szene. Insgesamt haben wir sicher­lich Nachhol­be­darf, wenn es darum geht, unsere Innen­stadt nochmal ein Stück mehr zu attrak­ti­vieren. Da gibt’s ja jetzt auch, ich sage mal, konkrete Pläne, über einen Master­plan Innen­stadt nochmal dieses Thema auch zu einem Top-Thema in der Verwal­tung und der Politik zu machen. Und ich glaube, das ist dringend erfor­der­lich, denn zu einer gut funktio­nie­renden Innen­stadt gehört auch eine hohe Aufent­halts­qua­lität. Und dazu gehört eben auch eine gut funktio­nie­rende Gastro­nomie mit tollen Cafés, mit tollen Kneipen, mit tollen Restau­rants. Da haben wir einiges, aber da ist auch noch Luft nach oben.

Lars Vollme­ring
Gibt’s dort etwas – also wir haben ja gehört, was sich die Gastro­nomie gerne von Politik und Stadt wünscht. Gibt’s denn etwas umgekehrt, wo ihr sagt, also gerade in diese Richtung vielleicht auch innovativ oder kreativ tätig zu werden, um das Gesamt­bild, jetzt unabhängig von Corona, nochmal zu verbessern?

Dennis Weilmann
Naja, ich würde eher jetzt gerade die hervor­heben wollen, die schon einfach gute und kreative Ideen haben. Und vielleicht kann man sich das ein Stück zum Vorbild nehmen. Und da gibt’s ganz viele von. Wir sind ja hier in Nordsteimke und haben im Wildfrisch hier in der Nähe eine tolle Aktion gehabt. Die hat es bis zu “Hallo Nieder­sachsen” auch geschafft ins Fernsehen, wo man mit dem Wohnmobil hier vor Ort sein konnte und hat dann sozusagen sein Essen dann hier vor Ort im Wohnmobil einge­nommen. Ich hab das selber mal auspro­biert. Das hat Spaß gemacht. Das war faszi­nie­rend. Also das sind dann auch Erleb­nisse, die vergisst man nicht. Also das ist so was. Das, was ja irgendwie völlig skurril ist, dass man in einem Wohnmobil sitzt und dann dieses tolle Essen zu sich nimmt. Das ist einfach was, was diese Pandemie-Zeiten dann auch ausmacht und wo einfach kreativ mit der Situation umgegangen wird. Ganz klar aber auch, egal wie kreativ man ist: das lässt diese schwie­rige Situation nicht kompensieren.

Lars Vollme­ring
Eiskalt abser­viert. Corona und die Folgen für die Wolfs­burger Gastro­nomie und natürlich auch für das Hotel­ge­werbe. Das bespre­chen wir hier bei “Sach mal, Dennis…”. Und da werden wir jetzt gleich auch im dritten Teil noch ein bisschen stärker drauf eingehen, was dann vielleicht auch Lösungs‑, Hilfe­stel­lungen angeht, wie dann letzt­end­lich auch konstruktiv dann weiter gestaltet wird hier am Standort Wolfsburg.

Lars Vollme­ring
Wir haben jetzt viel gespro­chen über das Thema Gastro­nomie und Hotel­ge­werbe in Wolfsburg. Und wie ja der Titel der Sendung schon sagt: Hast ja jetzt einiges gehört hier – die Wünsche, die Sorgen, die Nöte. Ja sach mal, Dennis, was machen wir jetzt damit?

Dennis Weilmann
Ja, ich glaube, das, was nochmal deutlich geworden ist, ist, dass wir ganz viel tun müssen, dass wir auf allen Ebenen gesamt­ge­sell­schaft­lich viel tun müssen, um einfach auch Gastro­nomie, Hotel­lerie auch in Zukunft zu unter­stützen. Und das gilt für viele andere Branchen auch. Heute haben wir das als Schwer­punkt­thema. Natürlich eine ganze Kultur‑, Veran­stal­tungs­branche, der ganze Einzel­handel, viele weitere Branchen, die gerade sehr leiden. Aber heute haben wir ja das Thema hier als Schwer­punkt. Wir müssen da noch viel mehr tun. Und ich will vielleicht auch nochmal aufzeigen, was wir insgesamt auch bei der Stadt Wolfsburg auch relativ schnell versucht haben umzusetzen, um auch ein Stück weit zu helfen. Das sind alles wie gesagt nur Tropfen, aber jeder Tropfen hilft. Ja, das haben wir auch gehört von Florian. Wir haben bei der WMG zum Beispiel unter dem Stichwort “Stadt voll Helden” relativ schnell einen Online-Markt­platz entwi­ckelt, wo wir das Ganze schon im März 2020 sehr schnell imple­men­tiert haben, weil wir festge­stellt haben, viele Betriebe haben einfach gar nicht die Möglich­keit, so schnell auf online umzustellen. Viele haben einfach gar keine Möglich­keiten und da wollten wir helfen, sodass dann auch gastro­no­mi­sche Betriebe sehr schnell ihren Online-Zugang quasi durch uns hatten. Und wir hatten hier teilweise auf diesem Online-Markt­platz zweiein­halb­tau­send User täglich, die das genutzt haben. Also das kann man schon sagen, war ein Erfolg am Ende, um den Kunden ein Stück weit mit den gastro­no­mi­schen Einrich­tungen auch in Verbin­dung zu bringen. Wir haben auch dann jetzt im November 2020 die WeCard einge­führt, also ein Gutschein-System, was auch ein bisschen ein Stück weit lokal Bewusst­sein fördern sollte. Also wir wissen natürlich alle, dass die Amazons dieser Welt auch sehr stark profi­tiert haben, also der ganze Online-Handel. Und wir wollten ein Stück auch eine Gegen­po­si­tion setzen, gerade für das Weihnachts­ge­schäft, um einfach zu zeigen Ihr könnt in dieser schwie­rigen Situation hier auch den Menschen was schenken, was am Ende der lokalen Wirtschaft in Wolfsburg zugute kommt. Und immerhin 42 Wolfs­burger Unter­nehmen und viele Gastro­no­mie­be­triebe auch darunter, auch Hotels, machen mit. Und vor dem Hinter­grund, glaube ich, kann man sagen, sind das alles so kleine Stück-für-Stück-Erfolge, die am Ende dazu beitragen, dass eine Unter­stüt­zung städti­scher­seits auch sinnvoll ist. Auch andere haben viel getan, wenn ich an die IHK denke, die auch mit dem “Support your Locals” so ein bisschen eine Kampagne gestartet haben, um einfach zu sagen “Unter­stützt den lokalen Einzel­handel, lokale Gastro­nomie, die brauchen das jetzt mehr denn je”.

Lars Vollme­ring
Dem Appell schließt Du dich wahrschein­lich an, Florian?

Florian Hary
Natürlich.

Lars Vollme­ring
Weil du hast ja jetzt die Möglich­keit, auch an die Bürger nochmal einen Wunsch zu adres­sieren, in diesem Zusam­men­hang oder in diesem Forum.

Florian Hary
Ja, der große Wunsch, den wir alle haben, ist, dass sobald wir natürlich wieder aufmachen dürfen, ob Hotel, Restaurant …

Lars Vollme­ring
…rennt uns die Bude ein…

Florian Hary
Genau! Rennt uns die Bude ein, kommt zu uns. Gastro­nomie kann Hygiene und Gastro­nomie ist sicher. Ja, das haben wir davor bewiesen. Und von daher der große Wunsch kommt wieder zu uns. Wir warten auf euch.

Lars Vollme­ring
Gibt’s denn noch Wünsche auch mal allge­meiner Natur? Also auch für die Zukunft außer Corona, dass man sagt “Kommt jetzt hier vorbei”, sondern dass man sagt “Hey, das wünschen wir uns auch nochmal”. Diesen Boost vielleicht oder diese Weiterentwicklung?

Florian Hary
Ach, ich glaube, speziell auf Wolfsburg gesehen gibt’s einiges, was in Wolfsburg sich in den nächsten Jahren auch entwi­ckeln wird. Wir haben ja abgesehen von Corona, wenn’s nicht ist, ein gutes Geschäfts­reise-Geschäft und wir wissen, dass es sich verändern wird, dass es – das steht heute schon fest – dass es nach Corona anders sein wird, und von daher ist ein großer Wunsch in Richtung Stadt Wolfsburg in Richtung Politik/Stadt Wolfsburg: Macht noch mehr für das Thema Tourismus. Das wird ein Thema sein, was die nächsten Jahre mehr kommt. Und das haben wir diesen Sommer schon erlebt, dass viele Leute eben in Deutsch­land geblieben sind. Und ich denke, das ist auch eine Geschichte, die sich über Jahre noch hinweg ziehen wird. Und da ist es einfach ein Wunsch zu sagen “Mensch, dann nutzt jetzt die Chance und da eben Potenzial reinzustecken”.

Lars Vollme­ring
Ganz kurz, weil ich da genau dazu eine Nachfrage habe, dann können wir da gleich nochmal drauf eingehen. Und zwar die Geschichte: Wir haben in Wolfsburg 47 Übernach­tungs­be­triebe, wenn ich das richtig überschlagen habe, auch aus dem statis­ti­schen Jahrbuch. Die Auslas­tung beträgt 36 Prozent. Das fand ich, als ich es jetzt gelesen habe, gering. Wenn du sagst das ist so mega gut gelaufen – ist das tatsäch­lich so wie kommt so eine Zahl dann zustande? Oder ist 36 Prozent Auslas­tung völlig normal bei euch?

Florian Hary
Also 36 Prozent Auslas­tung ist eigent­lich eine völlige Katastrophe und daher würde ich die Zahlen nochmal vielleicht in Frage stellen, weil grund­sätz­lich muss die Auslas­tung in Wolfsburg höher sein.

Dennis Weilmann
Ich glaube, das liegt auch ein bisschen teilweise natürlich daran, dass die Geschäfts­rei­senden in der Regel alleine reisen und trotzdem ein Doppel­zimmer buchen und vor dem Hinter­grund natürlich das Doppel­zimmer nur mit einer Person dann eben auch ausge­lastet ist.

Lars Vollme­ring
Ah, gute Erklärung. Siehst du, also ich sitze hier ja nur als kompletter Laie, was das angeht, ich stelle nur die Fragen. Guter Ansatz.

Dennis Weilmann
Insofern können wir tatsäch­lich feststellen, dass wir in Wolfsburg, was die Hotel­lerie angeht, in den früheren Jahren, also in 2018, in 2019, extrem steigende Zahlen zu verzeichnen hatten. Also wir haben über 600.000 Übernach­tungen gehabt, also wirklich deutlich anstei­gende Zahlen, bis die Krise kam.

Lars Vollme­ring
Über 100.000 mehr -

Dennis Weilmann
Ja, absolut. Also das muss man sagen, bis vor kurzem war das Thema Hotel­lerie in Wolfsburg wirklich was, wo man gutes Geld mit verdienen konnte. Aber wir müssen natürlich uns heute auch die Frage stellen: Nach der Krise – Florian hat das gerade beschrieben -, wie wird eigent­lich das Thema auch nachhaltig Auswir­kungen haben auf das Thema Dienst­reisen beispiels­weise? Wir haben alle jetzt auch gelernt, viel mit digitalen Video­kon­fe­renzen zu arbeiten. Und man wird sich sicher­lich genau überlegen, ob ich für einen Termin von einer Stunde tatsäch­lich eine lange Dienst­reise auf mich nehme oder ob ich das vielleicht anders handhabe. Und da ist es dann auch unsere Aufgabe, sich genau zu überlegen, wie viele Hotels verträgt eigent­lich so eine Stadt auch noch? Also bisher waren immer die Maßnahmen, naja, da geht noch was. Aber das müssen wir uns genau angucken. Also die Hotel-Ressource ist im Moment natürlich von der Auslas­tung katastro­phal. Das wird sich sicher­lich im Laufe des Jahres wieder ein Stück verbes­sern, aber das wird nicht wieder so, wie es mal war. Und vor diesem Hinter­grund muss man das sicher­lich auch betrachten. Und das müssen wir natürlich auch ein Stück weit steuernd darauf einwirken.

Lars Vollme­ring
Das wollte ich nämlich auch nochmal nachfragen, weil ich meine, gerade so Großbau­pro­jekte – ich denke jetzt ans Berliner Haus, Berliner Brücke ist ja auch ein Hotel mit in dem Komplex drin. Das ist natürlich eine Signal­wir­kung letzt­end­lich auch für die Stadt, also dass da z. B. die Bauar­beiten auch weiter­gehen in dem Sinne. Was muss denn da auch, ich sag mal, auf Inves­tor­seite da noch passieren?

Dennis Weilmann
Naja, jeder Investor wird das für sich natürlich betrachten, ob das überhaupt wirtschaft­lich ist im Moment. So. Berliner Haus ist ein tolles Beispiel für ein Projekt, was gerade auch in der Krise ja gestartet ist und wo auch der Mut da war, mit so einem Projekt auch voran­zu­gehen. Sicher­lich auch baulich an der Stelle wirklich auch ein Gewinn für die Stadt. Aber es gibt sicher­lich andere Bereiche, wo die Inves­toren noch nicht so weit sind und die werden sich sehr genau überlegen, und das werden wir bei der Stadt genauso: Macht es denn noch Sinn?

Florian Hary
Das wirst du nicht nur erleben auf Inves­to­ren­seite, auch Hotel­ketten. Also ich sage mal die, die früher überlegt haben, wo gehen wir hin? Welchen Standort brauchen wir noch? Auch da wird es auf einmal ganz andere Erkennt­nisse geben. Und dann überlegt man sich eben, ob man diesen Standort wirklich noch haben muss in den nächsten Jahren oder ob man erst erstmal vier, fünf Jahre die Füße still hält. Ich sagte das vorhin schon. Auch die großen Hotel­ketten wackeln mittler­weile. Die eine mehr, der andere weniger. Da wird man auch versuchen, erst mal wieder auf Kurs zu kommen und dann zu sagen “Gut, und jetzt überlegen wir uns, wo können wir noch hin?”.

Lars Vollme­ring
Jetzt haben wir viel gehört über die Situation, die alles andere als rosig aussieht, um es mal positiv zu umschreiben, sagen wir es mal so. Aber gibt’s denn etwas, was dir, Florian, auch Mut macht für die Zukunft? Also gibt’s irgend­etwas, wo du auch optimis­tisch nach vorne guckst?

Florian Hary
Immer, immer. Es muss immer was geben, was einem Mut macht. Sonst kann man das ja auch nicht mehr aushalten, was wir gerade erleben.

Lars Vollme­ring
Was ist das? Was ist das, dann sag’s auch.

Florian Hary
Tatsäch­lich sehe ich Licht am Ende des Tunnels. Also, auch wenn man sich das immer nicht vorstellen kann. Aber ich sehe schon, dass wir in diesem Jahr im Sommer wieder gut laufende Hotels haben, dass wir wieder gut besuchte Gastro­no­mien haben, dass das soziale Leben wieder ein Stück weit einge­kehrt ist. Und das macht mir einfach Mut und Hoffnung.

Lars Vollme­ring
Ja, die selbe Frage gebe ich mal rüber an Dennis Weilmann.

Dennis Weilmann
Ja dem kann ich mich nur anschließen. Ich denke, wir müssen da alle optimis­tisch und zuver­sicht­lich sein. Die Lage ist schwierig, die ist schwierig für alle im Moment. Und jeder erlebt das auch im privaten Umfeld. Und da gibt’s Menschen, die trifft es schwerer, weil es wirklich existen­zi­elle Sorgen sind. Aber am Ende sind wir alle ein Stück mitbe­troffen, weil alle irgendwo gerade deutliche Einschrän­kungen hinnehmen müssen. Und vor dem Hinter­grund glaube ich schon, dass wir durch ein hoffent­lich deutlich verstärktes Impfen bald auch erste Erfolge sichtbar haben, dass das Wetter sicher­lich im Sommer uns wieder ein Stück in die Karten spielt und dass dann auch die Infek­ti­ons­zahlen deutlich zurück­gehen und das dann auch Stück für Stück das normale Leben wieder möglich ist und das genau eintritt, was Florian gerade beschrieben hat. Ich glaube, die Menschen, die warten sehnsüchtig darauf, wieder in die Restau­rants zu gehen, aber auch in die Kultur­ein­rich­tungen und überall wieder an dem gesell­schaft­li­chen Leben teilzu­haben, sich mit Freunden zu treffen, unterwegs zu sein. Ich glaube, wenn das wieder geht und wenn sich alle auch dabei sicher fühlen, dann glaube ich, können wir alle optimis­tisch in die Zukunft schauen. Dann wird auch das Thema Gastro­nomie und Hotel­lerie in Wolfsburg wieder super funktio­nieren, denn wir haben hier einfach ganz tolle Betriebe.

Lars Vollme­ring
Und damit sind wir am Ende von “Sach mal, Dennis…” – der ersten Folge dieses Podcasts mit Dennis Weilmann. Ich bedanke mich ganz herzlich.

Dennis Weilmann
Ja, lieber Lars, lieber Florian, vielen Dank. Das war ein tolles Gespräch. Freut mich.

Lars Vollmme­ring
Ja. Und natürlich bei unserem Gast, Florian Hary, vom DEHOGA. Vielen Dank für die Teilnahme.

Florian Hary
Ja, vielen Dank, dass ich dabei sein durfte.

Lars Vollme­ring
Ja und wir werden hier bei “Sach mal, Dennis…” weitere wichtige Themen in Wolfsburg unter die Lupe nehmen, uns damit beschäf­tigen und hier dann auch regel­mäßig im Podcast aufzeigen. Ich hoffe, es hat euch, hat Ihnen dann auch soweit gefallen. Und ja, ich sage mal ganz einfach: bis zum nächsten Mal.

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“Sach mal, Dennis…” – der Wolfsburg Podcast mit Dennis Weilmann und Lars Vollmering.